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Streit über Inhalteklau: Landgericht verhandelt Wettbewerbsklage von Bild gegen Focus Online im Februar 2018

Streiten um Inhalte: die Chefredakteure Daniel Steil (l., Focus Online) und Bild-Chef Julian Reichelt
Streiten um Inhalte: die Chefredakteure Daniel Steil (l., Focus Online) und Bild-Chef Julian Reichelt

Das Landgericht Köln hat einen Verhandlungstermin für die Wettbewerbsklage von Axel Springer gegen Hubert Burda Media gefunden. Die zu Springer gehörende Bild wirft der Konkurrenz von Focus Online vor, bezahlpflichtige Inhalte "systematisch" übernommen zu haben und damit das Geschäftsmodell des Boulevardmediums zu gefährden. Mit der juristischen Auseinandersetzung erreichen die Parteien eine neue Dimension im Streit um Inhalte-Diebstahl.

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Gegenüber MEEDIA erklärte das Landgericht Köln, den Verhandlungstag auf den 15. Februar 2018 datiert zu haben (14 O5/17). Bislang ist nur ein Termin geplant. Vor der Kammer für Urheberrecht verlangt Bild die Unterlassung einer Praxis, die man dort als Inhalteklau versteht. Die Wettbewerbs- und Urheberrechtsklage wendet sich dagegen, „dass Focus Online systematisch exklusive Bezahl-Inhalte von BildPlus abschreibt und zum Teil des eigenen Geschäftsmodells macht, das Journalismus reichweitenorientiert vermarktet“, wie der hinter Bild stehende Axel Springer Konzern bei Einreichung der Klage im Januar dieses Jahres erklärte. Bei Bild sieht man eine gezielte Behinderung des Geschäftsmodells von BildPlus sowie eine Verletzung des Datenbankrechts.

Auf der Gegenseite hält man die Klage für unbegründet. Tatsächlich sei das offensichtliche Ziel, „Informationen zu monopolisieren, die hinter der Paywall von BildPlus veröffentlicht wurden, um sie besser vermarkten zu können“, heißt es in der Klageerwiderung von Hubert Burda Media. Dies widerspreche dem grundgesetzlich geschützten Recht der Informations- und Meinungsfreiheit. Zudem sei das Zitieren fremder und eigener Inhalte branchenüblich und werde auch von der Bild-Gruppe täglich praktiziert. „Die Klage dient offenbar keinem juristischen Zweck, sondern der kampagnenartigen Diskreditierung eines erfolgreichen Mitbewerbers“, kommentierte Daniel Steil, Chefredakteur von Focus Online.

Ob „systematischer“ Inhalte-Klau und Gefährdung des digitalen Geschäftsmodells oder „kampagnenartige Diskreditierung“: Die Zuspitzung des bereits lang anhaltenden Streits zwischen Bild und Focus Online vor Gericht eröffnet eine neue Dimension, die den Beteiligten aber auch der gesamten Branche schaden könnte. So kommentierte MEEDIA bereits in der Mitte des Jahres:

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Dass sich zwei führende Verlage über eine redaktionelle Selbstverständlichkeit erkennbar nicht einigen können, schädigt das Image einer ganzen Branche. Wer, wenn nicht der Profi-Journalismus, sollte es mit dem Urheberrecht und dem Respekt vor der Leistung anderer, ernst nehmen? Wenn es in dem vertrackten Verfahren tatsächlich zum Prozess kommt, stehen unabhängig von dessen Ausgang die Verlierer schon fest: Die Chefs all jener Medienhäuser, die gegenüber Google, Facebook & Co. für das Recht am eigenen Inhalt eintreten.

 

 

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