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„Tagesschau“ überflüssig, Kanzlerduell und Hollywood-Filme ins ZDF: CDU-Minister aus Sachsen-Anhalt fordert radikalen ARD-Umbau

Rainer Robra: Der 66-Jährige ist Minister in Sachsen-Anhalt, wünscht sich einen Rückbau der ARD und sitzt im ZDF-Fernsehrat
Rainer Robra: Der 66-Jährige ist Minister in Sachsen-Anhalt, wünscht sich einen Rückbau der ARD und sitzt im ZDF-Fernsehrat

Die nächste Attacke der Politik auf die Öffentlich-Rechtlichen: Als Medienpolitiker trat Rainer Robra bundesweit bislang nicht sonderlich in Erscheinung. Oder kennen Sie den für Medien zuständigen Landesminister aus Sachsen-Anhalt? Das dürfte sich nun ändern. In der Mitteldeutschen Zeitung fordert der CDU-Politiker einen radikalen Umbau der ARD. Das Erste soll sich um Regionales kümmern. Die "Tagesschau" wäre "in dieser Form überflüssig". Um das Kanzler-Duell oder Hollywood-Filme soll sich das ZDF kümmern.

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Ausgangspunkt der Forderungen des 66-Jährigen sind die neuen Spar-Vorschläge, die ARD und ZDF gerade erst vorgestellt hatten. Diese gehen Robra nicht weit genug. Nach seiner Einschätzung würden sie zu einer Erhöhung der Beitragsgebühren führen und das sei mit Sachsen-Anhalt nicht zu machen. Also müsse „das System zeitgemäß ausgestaltet“ werden.

Wie er sich das vorstellt, erläutert der Staatsminister im MZ-Interview natürlich auch. So solle man das ZDF künftig als „nationalen Player betrachten und die Landesrundfunkanstalten sollten sich stärker regional präsentieren“.

Robras Plan: „Das Erste wäre dann mittelfristig kein nationaler Sender mehr, sondern das Schaufenster der Regionen. Es soll das Beste aus Mitteldeutschland zeigen, aus dem Norden, aus allen Ländern.“ Zur Zeit sieht der Politiker das ARD-Programm zugepflastert mit „zuviel vom gleichen“ und zu kleinen regionalen Fenstern.

In letzter Konsequenz würde das Konzept bedeuten, dass das ZDF beispielsweise das Kanzlerduell oder auch die Ausstrahlung von Hollywoodfilmen übernehmen würde. Und die „Tagesschau“, fragt die MZ. Antwort von Robra: „Die wäre dann in dieser Form überflüssig“.

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Allein dies wäre eine interessante Frage: wie würden die Politiker in Berlin reagieren, wenn man ihnen mit der „Tagesschau“ die mit Abstand größte und reichweitenstärkste Bühne nehmen würde, ihre Politik zu erklären. Überhaupt würde es massive Debatten auslösen, ob es nicht grundsätzlich gegen den gesellschaftlichen Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender verstoßen würde, wenn man solch wichtigen Info-Formate einfach abschafft – zumal die „Tagesschau“ auch noch ein echter Quotenerfolg ist, bei dem sich Qualität und eine hohe Zuschauerzahl mal nicht ausschließen.

Auch im Internet sind dem CDU-Politiker die ARD-Anstalten zu aktiv. So will er auch dort stärkere Restriktionen. „Ich bin für ein konsequentes Verbot presseähnlicher Textproduktion im öffentlich-rechtlichen System“, sagt er in dem Interview. „Unbestritten ist, dass der RBB munter dabei war, nicht sendungsbezogene Texte zu produzieren und dann im Nachhinein mit einem Sendungsbezug zu versehen. Das sind Symptome dafür, dass es da zu massiven Fehlentwicklungen gekommen ist.“

Lobende Worte hat er dagegen für das ZDF und dessen Web-Umgang übrig. Überhaupt erscheint das Zweite Deutsche Fernsehen der große Gewinner der Umbaupläne von Robra zu sein. Allerdings hat genau dies ein gehöriges Geschmäckle. Denn der Politiker aus Sachsen-Anhalt ist Mitglied im ZDF-Fernsehrat.

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