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Sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen: Hunderttausende berichten mit dem Hashtag #MeToo über Angriffe

Mit dem Hashtag #MeToo berichten Frauen von sexuellen Übergriffen
Mit dem Hashtag #MeToo berichten Frauen von sexuellen Übergriffen

Die US-Schauspielerin Alyssa Milano stellte bei Twitter eine einzige Frage – und bekam mehrere Hunderttausend Antworten. Mit Bezug auf den Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein forderte sie Frauen dazu auf, "Me too" ("Ich auch") in ihren Status zu schreiben, wenn auch sie schon mal Opfer von sexueller Gewalt waren. Was folgte, war ein weltweites kollektives Händeheben unter dem Hashtag #MeToo.

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„Wenn alle Frauen, die bereits sexuell belästigt oder angegriffen worden sind, ‚Me too‘ in ihren Status posten, schaffen wir es vielleicht, den Menschen ein Gefühl für die Größe des Problems zu vermitteln“, heißt es in einem Tweet der Schauspielerin Alyssa Milano.

Innerhalb kürzester Zeit antworteten allein auf diesen Tweet über 50.000 Frauen und berichteten von ihren eigenen Erfahrungen. „Beim ersten Mal von den Jungs des Basketball-Teams auf der Junior High, während ich darauf wartete, dass meine Mutter mich abholt“, schreibt beispielsweise eine Twitter-Nutzerin. Eine andere berichtet: „Er bekam eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren.“ Weitere Frauen, darunter die Schauspielerinnen Kirstin Davis und Emmy Rossum sowie die Sängerin Lily Allen, schrieben nichts weiter als die zwei Worte „Me too.“

In den letzten Tagen wurde Harvey Weinstein zur Symbolfigur des Machtmissbrauchs in Hollywood und für eine Kultur des Schweigens, in der sich zahlreiche Frauen nicht sicher genug fühlten, laut über die sexuellen Übergriffe zu sprechen. Das Verhalten des Filmmoguls war viele Jahre lang ein großes, offenes Geheimnis. Tatsächlich scheinen sexuelle Belästigung und Unterdrückung in Hollywood seit Jahren zur Tagesordnung zu gehören „Dieser Mann steht nur an der Spitze des Eisbergs“, sagt beispielsweise Schauspielerin Emma Thompson in einem Video der BBC. Sie beschreibt die Industrie als ein „System aus Belästigung, Erniedrigung und Mobbing“. Weinstein sei definitiv kein Einzelfall, so die Schauspielerin.

Und auch in der deutschen Filmbranche sei Sexismus an der Tagesordnung, berichtete die Filmregisseurin Isabell Šuba. „Viele Produzenten oder Regisseure denken, dass die Darsteller während eines Drehs ihnen gehören. Da wird eigentlich immer gebaggert, angefasst, wie zufällig der Po gestreift. Darunter leiden übrigens Männer ebenso wie Frauen“, sagt sie im Gespräch mit der Rheinpfalz am Sonntag. Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller („Toni Erdmann“) prangerte bereits 2016 sexuelle Belästigungen in ihrer Branche an. „Am Theater passiert das leider häufig. Da muss man sofort laut darauf aufmerksam machen, richtig auf den Tisch hauen“, sagte sie damals im Gespräch mit der der Zeitschrift Grazia.

Die rasante Verbreitung des Hashtags #MeToo vermittelt einen Eindruck dieses kaum greifbaren Ausmaßes und zeigt, wie selbstverständlich sexuelle Übergriffe noch zum Alltag dazugehören. Auch in Deutschland melden sich unzählige zahlreiche Frauen zu Wort.

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