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Nach “Finis Germania”-Eklat: Neue Sachbuch-Bestenliste von Zeit und ZDF ohne Spiegel und NDR

Neue Listen-Macher: Iljoma Mangold von der Zeit (li.) und Anne Reidt vom ZDF
Neue Listen-Macher: Iljoma Mangold von der Zeit (li.) und Anne Reidt vom ZDF

Im Frühjahr sorgte ein Spiegel-Redakteur für einen der großen Buchmarkt-Aufreger des Jahres: Er hatte bei der Wahl zum “Sachbuch des Monats” dem rechten Essayband “Finis Germania” die volle Punktzahl gegeben und diesen damit in die Top-Liste gehoben. Aus Protest setzte der NDR seine federführende Rolle bei der Bestenliste aus und beerdigte damit de facto das Ranking. Pünktlich zur Buchmesse starten das ZDF, die Zeit und DLF Kultur eine neue Bestenliste - ohne den Spiegel und den NDR.

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Offiziell hört das frische Ranking auf den Namen Sachbuch-Bestenliste. Wie auch beim Sachbuch des Monats wird eine Jury, diesmal aus dreißig Kritikern, zehn herausragende Bücher empfehlen, denen man möglichst viele Leser wünsche. Diese Top-Ten sollen dann im Programm von Deutschlandfunk Kultur, in der Zeit und in den TV-Sendungen “aspekte” und “3sat Kulturzeit” vorgestellt werden. “Erklärtes Ziel ist die Darstellung der ganzen Bandbreite des Sachbuchs – alles jenseits von Belletristik, von der Biografie über die wissenschaftliche Monografie bis zum populären Ratgeber, darf nominiert werden”, erklären die Initiatoren.

Neben Vertretern der Zeit, von ZDF und dem Deutschlandfunk gehören auch Kritiker, Journalisten und Redakteure von der FAS, der Süddeutschen Zeitung, der Welt oder der taz der neuen Jury an. “Die Juroren vergeben 15, 10, 6 und 3 Punkte an die jeweils vier Bücher, denen sie eine breite Leserschaft wünschen. Punkte können nicht auf ein einziges Buch akkumuliert werden”, heißt es in den Regeln.

Damit wollen die Macher verhindern, dass sich der “Finis Germania”-Eklat wiederholt. Die Wahl zum “Sachbuch des Monats”, die bis dahin gemeinsam von NDR, Süddeutscher Zeitung und dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels durchgeführt wurde, folgte ganz ähnlichen Regeln, allerdings mit dem feinen Unterschied, dass die Juroren alle ihnen zur Verfügung stehenden Punkte nur einem Buch zuschlagen durften. Genau das tat der Spiegel-Redakteur Johannes Saltzwedel und hob damit das umstrittene Buch des im Herbst 2016 verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle in die Liste.

Die Süddeutsche schrieb über den Essayband: “Es ist aus seinem Nachlass zusammengestellt worden und im Verlag Antaios in Schnellroda erschienen. Der Verlag ist Teil der organisatorischen Infrastruktur der extremen Rechten in Deutschland, sein Geschäftsführer Götz Kubitschek zugleich Mitbegründer des in Schnellroda ansässigen Instituts für Staatspolitik“, Redakteur der Zeitschrift Sezession und Redner auf Pegida-Veranstaltungen.“

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Der NDR distanzierte sich umgehend und erklärte das Buch für “nicht tragbar”, denn es enthalte „rechtslastige Verschwörungstheorien”. Bis zur vollständigen Aufklärung der Frage, wie es zu der für uns nicht akzeptablen Empfehlung der Jury kommen konnte, setzen wir die Zusammenarbeit mit der Jury aus.“

Der Fall ist längst geklärt. Zudem distanziert sich auch Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer von dem Voting seines Redaktionsmitgliedes mit ungewohnt harschen Worten: „Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat“, so Brinkbäumer in einer Meldung in eigener Sache, „und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury.“

Trotzdem ruht seitdem die Gemeinschaftsliste von SZ, NDR und Börsenblatt. Wann und wie es weitergeht, ist noch völlig offen. “Die Überlegungen, wie es weitergehen soll, sind noch nicht abgeschlossen”, erklärte der Norddeutsche Rundfunk auf MEEDIA-Anfrage dazu. Das heißt allerdings nicht, dass das Thema von Seiten der alten Listen-Macher gestorben wäre. Tatsächlich schließen es die Regeln des Neulings von Zeit, ZDF und DLF Kultur nicht aus, dass die Jury-Mitglieder sogar für mehrere Bestenlisten ihre Bewertungen abgeben.

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