Anzeige

FAZ-Gruppe stellt Immobilienbesitz auf den Prüfstand: Verlag und Redaktion sollen umziehen

Frankfurter-Allgemeine-Zeitung-Logo.jpg

Ende einer Ära? Die Hellerhofstraße in Frankfurt steht als Sitz des Verlags und der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung offenbar zur Disposition. Wie es heißt, sucht die FAZ-Geschäftsführerung einen neuen Standort für das Zeitungshaus. Der Grund: Die FAZ-Gruppe stellt Teile ihres Immobilienbesitzes auf den Prüfstand. Frei werdende Mittel könnten für Zukunftsinvestitionen genutzt werden.

Anzeige
Anzeige

Knapp vier Jahre ist Thomas Lindner Vorsitzender der Geschäftsführung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung GmbH. Viel hat der ehemalige stern-Geschäftsführer angestoßen. Er launchte unter anderem eine Reihe neuer Titel wie die Frankfurter Allgemeine Woche oder Quarterly. Auch für dieses Jahr hatte sich der frühere Gruner + Jahr-Manager einiges vorgenommen. Er wollte stärker in die digitale Produktstrategie investieren. „Wir trauen der FAZ auf Papier und digital noch viel zu“, verriet er dem Branchendienst Kress. Das war Anfang des Jahres. Seither war es um seine weiteren Pläne ruhig geblieben.

Seine Zurückhaltung ist verständlich. Denn Lindner steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Der FAZ-Boss sucht seit Längerem einen neuen Standort für die Redaktion und den Verlag. Beide haben ihren Sitz in der Frankfurter Hellerhofstraße. Diese liegt einen guten Kilometer vom Bankenviertel mit seinen imposanten Hochhäusern entfernt. Lindner hat sich offenbar zum Ziel gesetzt, dass Redaktion und Verlag bereits Mitte 2019 umziehen sollen, erfuhr MEEDIA nun aus Unternehmenskreisen der FAZ. Hintergrund der Standortsuche ist, dass die FAZ-Gruppe Teile ihres Immobilienbesitzes auf den Prüfstand gestellt hat. Denn Lindner erwägt, sich von dem Ensemble aus Verlags- und Redaktionsgebäude zu trennen.

Dazu gibt es dem Vernehmen nach mehrere Gründe: Zum einen soll das Verlagsgebäude sanierungsbedürftig sein, was erhebliche Investitionen nach sich ziehen würde. Zudem anderen will Lindner offenbar die Gunst der Stunde nutzen, um das Immobilienvermögen der Zeitungsgruppe zu versilbern. Der Grund: Das Viertel um den Gallus ist bei Projektentwicklern derzeit sehr beliebt. Die Region hat sich in den vergangenen Jahren vom reinen Industriestandort zu einem gefragten Wohnquartier gewandelt. Jetzt treibt zudem der EU-Austritt Großbritanniens die Immobilienpreise in der Main-Metropole. Vor allem die Preise für Wohnungen schießen in die Höhe. Lindner hat deshalb gute Chancen, einen guten Preis für die beiden Gebäude zu erzielen. Die FAZ hält sich hierzu allerdings bedeckt: „Derzeit überprüfen wir unsere Immobiliensituation aus verschiedenen Blickwinkeln“, erklärt eine FAZ-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA. Nähere Einzelheiten nennt sie hierzu nicht. Die FAZ-Sprecherin bestätigt aber, dass die Gruppe ihren bisherigen Sitz in der Hellerhofstraße verlassen will. „Richtig ist, dass wir umziehen wollen. Aktuell stehen wir am Beginn einer Bestandsaufnahme unserer heutigen Räumlichkeiten und der notwendigen Bedingungen für künftige Raumplanungen. Erst nach Abschluss dieser eingehenden Prüfung werden wir Entscheidungen treffen“, betont eine Unternehmenssprecherin.

Anzeige

Trennt sich die FAZ-Gruppe von ihren Immobilen, wäre das Zeitungshaus in bester Gesellschaft. Denn auch der Berliner Medienriese Axel Springer versilbert seinen Berliner Neubau und die nahegelegene Axel-Springer-Passage. Und dies für einen satten Betrag: 755 Millionen Euro spült der Deal in die Konzernkasse. Mit dem Verkauf verschaffe sich Axel Springer zusätzliches Geld für Investitionen in das digitale Geschäft, begründete Springer-Finanzvorstand Julian Deutz den Schritt. Auch das Verlagshaus Gruner + Jahr trennt von seinem traditionsreichen Firmengebäude am Baumwall und veräußert den Komplex an die Stadt Hamburg. Künftig zieht das Magazinunternehmen als Mieter in ein neues Gebäude in der Hafencity. G+J hatte die Standortverlagerung allerdings damit begründet, dass das neue Gebäude die Zusammenarbeit der Redaktionen untereinander erleichtern soll.

Mit einem Verkauf des Redaktions- und Verlagsgebäudes würde der FAZ-Geschäftsführer die Chancen verbessern, die weitere Zukunft des Medienhauses abzusichern. Denn die Gruppe steht vor großen Herausforderungen. So treibt vor allem der schleichende Verfall der Print-Auflage Lindner Sorgenfalten ins Gesicht. Denn die hart verkaufte Auflage des publizistischen Flaggschiffs FAZ (Abo + EV) ging im 2. Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um 6,1 Prozent auf 206.429 Exemplare zurück, auch die Auflage der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ließ Federn. Sie sank im 2. Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent auf 211.605 Exemplare. Nicht erfüllt haben sich auch die Hoffnungen des Firmenchefs, die Frankfurter Allgemeine Woche zu einem Auflagen-Star zu machen. Trotz erheblicher Werbeaufwendungen lag die hart verkaufte Auflage des Magazins im 2. Quartal lediglich bei rund 24.000 Stück. Verkauft nun Lindner das Redaktions- und Verlagsgebäude, könnte der Geschäftsführer die freiwerdenden Kapitalmittel nutzen, um die digitalen Transformation des traditionsreichen Zeitungshauses noch schneller voranzutreiben. Damit wäre das Unternehmen besser für den rasanten Wandel in der Medienbranche gewappnet.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige