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Domain Spoofing: Financial Times geht gegen massiven Klickbetrug bei Video-Programmatic-Anzeigen vor

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Sitz der Financial Times in London.

Bei Programmatic Advertising werden Seiten-Aufrufe automatisiert in großem Stil an Werbekunden verkauft. Vergangene Woche hat die britische Financial Times (FT) den Verkauf von Video-Ad-Impressions in großem Stil unterbunden, die offenbar lediglich so getan haben, als stammten sie von der FT. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Betrugsmasche des so genannten Domain Spoofings, die in der Online-Werbebranche noch durchaus vebreitet ist.

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Grob gesagt stellen Server bei Programmatic Advertising Reichweiten, also Page-Impressions oder Video-Impressions, automatisiert und in Echtzeit zum Verkauf zur Verfügung und vermitteln diese an Anzeigenkunden. Der Verkauf erfolgt über ein ebenfalls automatisiertes Bieter-Verfahren. Die Leserschaft der britischen Financial Times wäre dabei gewiss eine sehr wertvolle Zielgruppe, da in der Regel gebildet und einkommensstark. Für Video-Ad-Impressions, die Leser von FT.com erreicht, ließen sich gewiss gute Werte erzielen. Dumm nur, wenn die automatisiert angebotene Werbung gar nicht bei FT.com-Lesern landet, sondern bei irgendwelchen Fake-Websiten im Netz. Dann handelt es sich um Betrug. Geschädigte sind der Anzeigenkunde, dessen Werbung verpufft und das Medium, dessen guter Name in Mitleidenschaft gezogen wird.

Domain Spoofing heißt die Betrugsmasche, die  die technologiefixierte Digitalwerbebranche vor Probleme stellt. Aktuell berichtet Digiday von einem recht aufsehenerregenden Fall, bei dem die britische Financial Times den automatisierten Verkauf von angeblichen FT.com Video-Ad-Impressions bei diversen  Ad-Tech-Providern stoppen ließ. Gegenüber Digiday bestätigten die Ad-Tech-Firmen Oath, SpotX, FreeWheel und BidSwitch, dass sie auf Veranlassung der FT entsprechende Verkaufsaktionen gestoppt haben. Ebenfalls betroffen gewesen sein sollen Smart AdServer und Adform. Bei der FT war man erstaunt, Video-Ad-Impressions bei den Ad-Firmen im Angebot vorzufinden, da das britischen Medienhaus gar keine Video-Impression über Programmatic Advertising verkauft.

Beim Domain Spoofing setzen Betrüger Domains mit Fake-Adressen auf, die den Eindruck erwecken, zum Beispiel eine FT.com-Adresse zu sein und klinken sich damit in den automatischen Bieter-Prozess ein. Theoretisch müssten die SSPs (Supply-Side-Platforms) der Ad-Firmen prüfen, ob eine Domain echt ist oder Fake. Sollte eine Domain beispielsweise erst vor wenigen Tagen angemeldet sein, wäre es extrem unwahrscheinlich, dass über sie zig Millionen Page-Impressions zum Verkauf angeboten werden. Da die SSPS aber daraufhin optimiert sind, möglichst große Volumina an Impressions in kurzer Zeit durchzuschleusen, kommen Kontrollen oft zu kurz. Und es liegt möglicherweise auch gar nicht im Interesse der Ad-Firmen, allzu genau hinzuschauen, welche Impressions da vertickt werden. Dass Betrugsfälle in großem Stil auffliegen, wie nun bei der FT, hat bislang eher Seltenheitswert. Ansonsten gilt die Devise: Die Masse macht’s, egal woher sie kommt.

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Langfristig schadet ein solches Vorgehen freilich dem Image und damit auch den Geschäften der ganzen Branche. Das Internet Advertising Bureau, die Organisation, die für die Regeln im digitalen Werbegeschäft zuständig ist, hat mit ads.txt ein Tool entwickelt, das es Medien ermöglicht, Anzeigenbetrug zu erkennen. Die FT hat mit Hilfe dieses Tools herausgefunden, dass die betrügerisch in Umlauf gebrachten Ad-Impressions unter FT-Deckmantel einem Wert von bis zu 1,3 Mio. Euro pro Monat entsprechen würden. Das sind alles andere als Peanuts.

 

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