Zeit-Macher treffen Leser: Wochenzeitung startet neues Abonnentenprogramm Freunde der Zeit

Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo will sich beim "Tag der Zeit" unter anderem auch dem Zeitleser-Parlament stellen

Publishing Am morgigen Samstag - passenderweise auf dem Campusgelände der Uni-Hamburg - ist es soweit: Die Zeit startet ihr neues Abonnenten-Programm „Freunde der Zeit“. Damit versuchen die Hamburger, ähnlich wie das Handelsblatt mit seinem Wirtschaftsclub mit exklusiven Events und Treffen Leser und Abonnenten besser und dauerhafter an das Blatt zu binden. Den Anfang bei der Wochenzeitung macht nun „Der Tag der Zeit“.

von Alexander Becker

Für einen Tag stellt sich die Redaktion der Kritik und den Debatten mit rund 1.600 Abonnenten, die aus dem gesamten Bundesgebiet nach Hamburg reisen, um mehr darüber zu erfahren, wie das Blatt gemacht wird, wie die Redakteure recherchieren, aber auch um selbst mitzubestimmen, über welche Themen sie künftig gerne mehr in der Zeit lesen würden.

Dazu haben die Hamburger ein Tagesprogramm mit rund 20 Einzelveranstaltungen auf dem Gelände der Universität der Hansestadt organisiert. Rund 80 Redakteure und Autoren aus Print und Online sollen vor Ort sein, um in direkten Kontakt mit den Abonnenten zu treten. Zum Start bilden die Teilnehmer das Zeitleser-Parlament. „Dabei müsste es schon gelingen, eine lebhaftere Debatte hinzubekommen, als wir sie in den vergangenen vier Jahren im Reichstag gesehen haben“, kündigte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bei der Vorstellung des Konzeptes in Hamburg an. Glaubt man den Machern, hätten sie für den „Tag der Zeit“ auch locker weit über 2.000 Tickets für die Veranstaltung ausgeben können.

Mit dem Projekt „Freunde der Zeit“ will die Redaktion über ganz Deutschland verteilt immer wieder Veranstaltungen für treue Leser organisieren. So plant das Zeit Magazin in Berlin einen Event, bei dem die Zeitschrift live auf eine Bühne gebracht werden soll. In Frankfurt will die stellvertretende Chefredakteurin Sabine Rückert mit dem ehemaligen Bundesrichter und Zeit-Online-Kolumnisten Thomas Fischer über Recht und Unrecht diskutieren und in München trifft man sich im Deutschen Museum.

„Als Rainer Esser vor 11,5 Jahren in meiner Bürotür stand und sagte: ‚Lass uns einen Tag der offenen Tür machen‘, da habe ich an ihm gezweifelt“

Angebote zur besseren Abonnenten- und Leser-Bindung gibt es bereits einige. Das wohl aufwendigste betreibt derzeit das Handelsblatt mit seinem Wirtschaftsclub. Im Gegensatz zu dem netzwerklastigeren Veranstaltungen aus Düsseldorf, setzen die Hamburger weniger auf Nutzwert, sondern mehr auf „inhaltliche Auseinandersetzung mit den Lesern“, wie di Lorenzo erklärt.

Überhaupt sei die Idee bereits „alt“. „Als Rainer Esser vor 11,5 Jahren in meiner Bürotür stand und sagte: ‚Lass uns einen Tag der offenen Tür machen‘, da habe ich an ihm gezweifelt“, erinnert sich der Chefredakteur. Als er dann an dem besagten Samstag zur Redaktion fuhr, traute di Lorenzo jedoch seinen Augen kaum. „Die Besucher standen in einer langen Schlage bis um die Ecke. Viele mussten wir am Abend sogar wieder nach Hause schicken, weil wir sie wegen des Andrangs nicht in die Redaktion lassen konnten.“

Die Kosten liegen bei einem hohen sechsstelligen Betrag

Bereits heute veranstaltet die Zeit unter ihren Markenamen rund 150 Veranstaltungen, die auch ihren Anteil an dem zu erwartenden „ordentlichen Ergebnis“ beitragen werden, mit dem der Geschäftsführer für das Jahr 2017 rechnet. Für „Die Freunde der Zeit“ hat der Verlag unter der Leitung von Wencke Tzanakakis eine eigenes Team mit fünf Mitarbeitern aufgebaut. Die Kosten liegen bei einem hohen sechsstelligen Betrag, der sich nicht sofort amortisieren wird, aber positiv auf die Abonnenten-Blattbindung wirken soll.

Mit welcher Frage sich die Redaktion am morgigen Samstag wohl auf jeden Fall auseinandersetzen wird, weiß der Chefredakteur schon heute. „Die beliebteste Leser-Frage lautet immer: Hat Kanzlerin Merkel schon einmal in der Redaktion angerufen?“

Auch auf die Gefahr hin, den Besuchern der Veranstaltung den Spaß zu rauben. Die Antwortet lautet: „Nein.“

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

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