„Plan B“: Neue Constructive Journalism-Dokureihe im ZDF will nicht von „konfrontativ auf Kuscheln“ umschalten

Mit dem neuem ZDF-Format "Plan B" wagt Chefredakteur Peter Frey eine neue Doku-Reihe für konstruktiven Journalismus

News Nach Einschätzung einiger Medienexperten braucht es mehr konstruktiven Journalismus. Die Berichterstattung soll nicht immer nur düster und nörgelig sein. Mit der neuen Dokumentationsreihe “Plan B” wagt das ZDF nun einen ersten Versuch in "Constructive Journalism". Schließlich empfinden laut Chefredakteur Frey die Menschen “unsere heutige Welt als so konfliktreich, dass der Ansatz, auch mal Lösungen zu präsentieren, mehr als überfällig ist".

von Alexander Becker

Das neue Format, das – mehr oder weniger – auf dem Sendeplatz des eingestellten Magazins “Mona Lisa”, also am Samstag um 17.35 Uhr laufen wird, will mögliche Lösungen oder alternative Wege für gesellschaftliche Probleme aufzeigen.

“Wir verstehen ‚Plan B‘ erst einmal als Experiment”

“Wir verstehen ‚Plan B‘ erst einmal als Experiment”, sagt Frey weiter gegenüber MEEDIA. Er stellt aber auch fest: “Constructive Journalism kann natürlich keine Leitlinie für das ganze Programm sein. Die muss weiter Kritik und Aufklärung sein.” Zudem widerspreche es seinem journalistischen Verständnis, wenn man eine feste Quote von beispielsweise einer konstruktiven Meldung pro Nachrichtensendung anpeilen würde.

Bei “Plan B” wollen sich die Mainzer erst einmal auf konkrete Fragestellung konzentrieren, wie: “Lässt sich das Lieferwagen-Chaos in den Innenstädten lösen? Ist bezahlbarer urbaner Wohnraum möglich oder wäre ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr finanzierbar?”, wie der verantwortliche Redakteur Christian Dezer gegenüber MEEDIA sagt.

Die erste Sendung beschäftigt sich mit Ideen und Konzepten, wie das Wohnen in Innenstädten wieder erschwinglich werden könnte. Dabei werden erfolgreiche Projekte vorgestellt, bei denen sich Mieter zusammengeschlossen haben, um selbst ihre Häuser zu kaufen oder Stelzenhäuser, die über Parkplätzen errichtet werden.

Die Sendung soll den Zuschauer jedoch nicht erziehen: “Ich würde von Angeboten sprechen”, sagt Frey, “Angebote, Probleme zu lösen. Ob die dann angenommen werden, ob die Angebote für den Zuschauer überhaupt praktikabel sind, muss er immer noch selbst entscheiden.”

“Für mich steht konstruktiver Journalismus nicht im Gegensatz zu kritischem Journalismus“

Nach Einschätzung des ZDF-Chefredakteurs hätte bereits der Wahlkampf bei Themen wie Mieten, Wohnen oder auch Pflege viele Ansätze für eine konstruktive Berichterstattung geboten.

“Für mich steht konstruktiver Journalismus nicht im Gegensatz zu kritischem Journalismus. Die Ansätze ergänzen sich. Wir wollen unser Programm nicht von konfrontativ in Kuscheln umwandeln”, verspricht Frey. An einer Stelle im Programm wäre dies aber schon eine sehr interessante und vor allem neue Farbe im deutschen Fernsehen.

“In Zeiten von immer größeren Krisen, haben die Menschen auch ein Bedürfnis nach weniger düsteren Zugängen“

“Plan B”-Macher Dezer ergänzt: “In Zeiten von immer größeren Krisen, haben die Menschen auch ein Bedürfnis nach weniger düsteren Zugängen. Dem wollen wir entgegenkommen/entgegentreten, indem wir auf diesen Programmplatz Hinweise liefern wollen, was man anders machen könnte”. Weiter führt Dezer aus: “Wir dürfen auch nicht vergessen, dass sich zum Beispiel in Großbritannien in einer BBC-Studie 65 Prozent der unter 35-Jährigen eine konstruktivere/positivere Berichterstattung wünschen. Mit einer Sendung pro Wochen, kommen wir diesem Bedürfnis nun erstmal nach”.

Im Internet findet sich bereits mehrere Portale, die sich um einen konstruktiven Themen-Zugang bemühen. Im Fernsehen fehlen entsprechende Formate noch weitestgehend. Inwieweit man solche Konzepte hierzulande überhaupt in der TV-Nachrichtenberichterstattung etablieren kann, wissen die ZDF-Journalisten selbst noch nicht. Vorstellen können sie sich jedoch einiges. So antwortet Frey auf die Frage, ob man auch konstruktiv über die AfD berichten könnte: “Man muss versuchen zu verstehen, welche Motive dafür sorgen, dass die Menschen die AfD wählen.”

Das eherne Journalisten-Gesetz von Rudolf Augstein “Sagen, was ist”, müsste für den Konstruktiven Journalismus-Ansatz dann wohl in “Sagen, was geht” umgewandelt werden.

Eine erste Abstimmung, ob die Menschen wirklich mehr positive und praktische Ansätze in der Berichterstattung wollen, werden die Menschen in den nächsten Wochen mit der eigenen Fernbedienung vollziehen. Anhand der Quote können die Mainzer sehr schnell nachvollziehen, ob die Zuschauer wirklich ein großes Bedürfnis nach konstruktiven Nachrichten haben.

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