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„Plan B“: Neue Constructive Journalism-Dokureihe im ZDF will nicht von „konfrontativ auf Kuscheln“ umschalten

Mit dem neuem ZDF-Format „Plan B“ wagt Chefredakteur Peter Frey eine neue Doku-Reihe für konstruktiven Journalismus
Mit dem neuem ZDF-Format "Plan B" wagt Chefredakteur Peter Frey eine neue Doku-Reihe für konstruktiven Journalismus

Nach Einschätzung einiger Medienexperten braucht es mehr konstruktiven Journalismus. Die Berichterstattung soll nicht immer nur düster und nörgelig sein. Mit der neuen Dokumentationsreihe “Plan B” wagt das ZDF nun einen ersten Versuch in "Constructive Journalism". Schließlich empfinden laut Chefredakteur Frey die Menschen “unsere heutige Welt als so konfliktreich, dass der Ansatz, auch mal Lösungen zu präsentieren, mehr als überfällig ist".

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Das neue Format, das – mehr oder weniger – auf dem Sendeplatz des eingestellten Magazins “Mona Lisa”, also am Samstag um 17.35 Uhr laufen wird, will mögliche Lösungen oder alternative Wege für gesellschaftliche Probleme aufzeigen.

“Wir verstehen ‚Plan B‘ erst einmal als Experiment”

“Wir verstehen ‚Plan B‘ erst einmal als Experiment”, sagt Frey weiter gegenüber MEEDIA. Er stellt aber auch fest: “Constructive Journalism kann natürlich keine Leitlinie für das ganze Programm sein. Die muss weiter Kritik und Aufklärung sein.” Zudem widerspreche es seinem journalistischen Verständnis, wenn man eine feste Quote von beispielsweise einer konstruktiven Meldung pro Nachrichtensendung anpeilen würde.

Bei “Plan B” wollen sich die Mainzer erst einmal auf konkrete Fragestellung konzentrieren, wie: “Lässt sich das Lieferwagen-Chaos in den Innenstädten lösen? Ist bezahlbarer urbaner Wohnraum möglich oder wäre ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr finanzierbar?”, wie der verantwortliche Redakteur Christian Dezer gegenüber MEEDIA sagt.

Die erste Sendung beschäftigt sich mit Ideen und Konzepten, wie das Wohnen in Innenstädten wieder erschwinglich werden könnte. Dabei werden erfolgreiche Projekte vorgestellt, bei denen sich Mieter zusammengeschlossen haben, um selbst ihre Häuser zu kaufen oder Stelzenhäuser, die über Parkplätzen errichtet werden.

Die Sendung soll den Zuschauer jedoch nicht erziehen: “Ich würde von Angeboten sprechen”, sagt Frey, “Angebote, Probleme zu lösen. Ob die dann angenommen werden, ob die Angebote für den Zuschauer überhaupt praktikabel sind, muss er immer noch selbst entscheiden.”

“Für mich steht konstruktiver Journalismus nicht im Gegensatz zu kritischem Journalismus“
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Nach Einschätzung des ZDF-Chefredakteurs hätte bereits der Wahlkampf bei Themen wie Mieten, Wohnen oder auch Pflege viele Ansätze für eine konstruktive Berichterstattung geboten.

“Für mich steht konstruktiver Journalismus nicht im Gegensatz zu kritischem Journalismus. Die Ansätze ergänzen sich. Wir wollen unser Programm nicht von konfrontativ in Kuscheln umwandeln”, verspricht Frey. An einer Stelle im Programm wäre dies aber schon eine sehr interessante und vor allem neue Farbe im deutschen Fernsehen.

“In Zeiten von immer größeren Krisen, haben die Menschen auch ein Bedürfnis nach weniger düsteren Zugängen“

“Plan B”-Macher Dezer ergänzt: “In Zeiten von immer größeren Krisen, haben die Menschen auch ein Bedürfnis nach weniger düsteren Zugängen. Dem wollen wir entgegenkommen/entgegentreten, indem wir auf diesen Programmplatz Hinweise liefern wollen, was man anders machen könnte”. Weiter führt Dezer aus: “Wir dürfen auch nicht vergessen, dass sich zum Beispiel in Großbritannien in einer BBC-Studie 65 Prozent der unter 35-Jährigen eine konstruktivere/positivere Berichterstattung wünschen. Mit einer Sendung pro Wochen, kommen wir diesem Bedürfnis nun erstmal nach”.

Im Internet findet sich bereits mehrere Portale, die sich um einen konstruktiven Themen-Zugang bemühen. Im Fernsehen fehlen entsprechende Formate noch weitestgehend. Inwieweit man solche Konzepte hierzulande überhaupt in der TV-Nachrichtenberichterstattung etablieren kann, wissen die ZDF-Journalisten selbst noch nicht. Vorstellen können sie sich jedoch einiges. So antwortet Frey auf die Frage, ob man auch konstruktiv über die AfD berichten könnte: “Man muss versuchen zu verstehen, welche Motive dafür sorgen, dass die Menschen die AfD wählen.”

Das eherne Journalisten-Gesetz von Rudolf Augstein “Sagen, was ist”, müsste für den Konstruktiven Journalismus-Ansatz dann wohl in “Sagen, was geht” umgewandelt werden.

Eine erste Abstimmung, ob die Menschen wirklich mehr positive und praktische Ansätze in der Berichterstattung wollen, werden die Menschen in den nächsten Wochen mit der eigenen Fernbedienung vollziehen. Anhand der Quote können die Mainzer sehr schnell nachvollziehen, ob die Zuschauer wirklich ein großes Bedürfnis nach konstruktiven Nachrichten haben.

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Alle Kommentare

  1. „Schließlich empfinden laut Chefredakteur Frey die Menschen “unsere heutige Welt als so konfliktreich, dass der Ansatz, auch mal Lösungen zu präsentieren, mehr als überfällig ist“.“

    Wir haben seit Kurzem ein Partei, die genau das macht.
    Mit großem Zuspruch bei „den Menschen“.

    Interessant ist jetzt aber die Art und Weise, wie gerade solche Medien wie u.a. das ZDF mit diesem Phänomen umgehen.

    Für mich ist das Bigotterie.
    Lippenbekenntnisse, Führergehorsam oder ideologische Scheuklappen……es bleibt sich unter dem Strich gleich:
    Der Informationsauftrag wurde nicht nur verfehlt, sondern für politische Zwecke mißbraucht.

  2. In der ct‘ wird hin und wieder darauf hingewiesen, das man in Dänemark für ein paar Euro (oder was dort die Währung ist) den Kilometerstand bei der KFZ-Behörde abfragen kann.Kurzum: Da gibts vermutlich kein relevantes kilometer-zurückdrehen.

    Und das passt auch zu „“Sagen, was ist”“. Denn woanders (wo es wohl viel besser ist und Politiker auch mal fürs Volk arbeiten) ist es ja schon.
    Weil Politiker Probleme oft erst bearbeiten wenn nix mehr geht (und wie Kachelmann neulich sagte, die Presse lieber erst hinterher berichtet statt vorher schlau zu sein. http://meedia.de/2017/10/06/deshalb-sterben-weiter-menschen-joerg-kachelmann-empoert-sich-bei-twitter-und-facebook-ueber-xavier-berichterstattung/
    Tiere im Wald sparen Reserven an und müssen überwiegend nicht jeden Winter bzw. Rezession von der EZB, EMF, WMF, Weltbank, Sondersteuern… gerettet werden), wollen die sich natürlich nichts sagen lassen.
    Auch sollte man beim Leser andere/bessere Lösungen kuratieren. Die kommen aus oder kennen ja oft genug andere Länder. Es als allein-selig-machende Lösung quasi zu befehlen ist natürlich nicht sinnvoll. Spiegel wird nicht bezahlt, damit sie pauschal für oder gegen Tesla3 (oder AfD oder SPD oder iPhone oder sonstwas) sind sondern besser mal Vor- und Nachteile aufzulisten und im Zeitraum der Geschichte gelegentlich upzudaten.

    Die Fortschritts-Feinde wollen natürlich keine Lösungen und machen sich als „gute Laune Journalismus“ darüber lustig wie damals die Auto-Hersteller über E-Autos oder CD-Musik-Industrie über MP3-Player, iTunes oder Spotify oder die VHS/DVD-Produzenten oder Medien-Konzerne über Netflix, Amazon-Prime, Youtube oder vermutlich Nokia damals über iPhone.
    Das man die Parkhäuser abreisst, weil E-Autos auf der Seit e parken können (weil da kein Benzin drin ist) und die Autos sowieso ständig im Einsatz sind und in der stadt herum fahren, hatte ein Asiate schon vor Jahren vorhergesagt. Aber korrupte Bürgermeister machen dort wohl lieber neue Einkaufszentren statt tausende Mini-Sozial-Wohnungen also quasi das Aldi der Wohnungen.
    Hieran erkennt man, das Presse sogar bei eigenen Problemen nicht funktioniert: http://meedia.de/2017/03/15/die-medienwg-burdaforward-lockt-mit-wohngemeinschaften-neue-mitarbeiter-nach-muenchen/

  3. Ignoranz hoch drei.

    Wenn den Kunden die Pralinen nicht schmecken, wird auch eine neue Schachtel nicht für mehr Absatz sorgen.

    Allein das hier

    „….So antwortet Frey auf die Frage, ob man auch konstruktiv über die AfD berichten könnte: “Man muss versuchen zu verstehen, welche Motive dafür sorgen, dass die Menschen die AfD wählen.”….“

    zeugt von unglaublich arrogantem Kaderdenken eines Nannyjournalismus (nur echt mit „Haltung“), bei dem das Wort „kritisch“ sich nur in Ausfällen gegen eine bestimmte Partei manifestiert.
    Genau so geht Faschismus.

    Der Journalismus hat seine Moral und seine Unabhängigkeit verloren.
    Und damit seine Glaubwürdigkeit auf Dauer verspielt.
    Zwangsfinanzierte Systempresse…..hatten wir alles schon einmal.
    Manche sogar zweimal.

    Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich die Informationsdienstleistungsbranche von dem „Wirken“ der Generation Augstein jr., Di Lorenzo, Kleber & Co. erholt hat.

    Zumal man sich ja noch nicht einmal auf den Weg gemacht hat, sondern, allen gegenteiligem Beteuern zum Trotz, auf „heile Welt“-Berichterstattung setzen will.
    Wie damals, als in Deutschland Heimatfilme am Fließband produziert wurden, während täglich eine neue Stadt in Schutt und Asche versank.

    Weil dem Bürger die Vorgänge, die für ihn unwiderruflich und nicht ausblendbar vor seiner eigenen Tür passieren, journalistisch (eher politisch) nicht mehr zu vermitteln sind, meidet er solche plumpen Anbiederungsversuche.

    Das Problem ist doch schon jetzt, daß auf der ersten Seite eines jeden Printmediums fatal andere Verhältnisse beschrieben werden, als weiter hinten auf den Lokalseiten.
    Dazu Lügensprache, die sich in Begriffen wie „Männergruppen“, „Familienstreit“ oder „unsittlich genähert“ zeigt.

    Ich hoffe, die AFD kippt die Zwangsfinanzierung der ÖR-Medien.
    Mit dem baldigen Aussterben der Generation „Blauer Bock“ wäre dann auch da Schicht im Schacht.
    Freiwillig zahlt da doch Niemand für.

    Die Printmedien sind eh schon im freien Fall.
    „Rechte“ natürlich ausgenommen.
    Aber wer liest denn heute, in Zeiten von Augstein jr., M. Stokowski oder G. Diez tatsächlich noch den Spiegel, um an Informationen oder interessante Interpretationen zu kommen?

    Braucht man nicht mehr.
    Kann alles weg.

  4. Schwachsinn!

    Hören sie einfach auf, ihren Zuschauern/Lesern rotzfrech und durchschaubar die Hucke voll zu lügen, dann klappt´s auch wieder mit der Einschaltquote.

    Ansonsten finden sie sich damit ab, das mehr und mehr zu Amazon und Netflix wechseln.

    Sie wissen doch ganz genau was gemeint ist, schließlich trauen sie sich ja selbst nicht einmal mehr, die Kommentarfunktion bei ihren „Machwerken“ frei zu schalten… Lügen-Journalismus erkennt man genau daran!

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