Wochenrückblick: die „Tagesschau“ ohne Theresa-May-Pannen und das große „Bild Buch“ ohne Tanit Koch

Bild-Chefredakteurin Tanit Koch, Pannen-Queen Theresa May, "Babylon Berlin", Netflix, Hugh Hefner

Der „Tagesschau“-Hauptausgabe war die Pannenserie von Großbritanniens Premierministerin Theresa May keine Erwähnung wert. Bei der Neuauflage vom „Bild Buch“ haben sie die erste weibliche Chefredakteurin „vergessen“. „Babylon Berlin“ kommt und der verstorbene Hugh Hefner wird mit einer Playboy-Sonderausgabe geehrt. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

von Stefan Winterbauer

Diese Rede auf dem Parteitag der Konservativen in Großbritannien am Mittwoch war für die britische Premierministerin Theresa May vermutlich ein nicht enden wollender Alptraum. Sie war heiser und von einem Husten derart geplagt, dass es zeitweise schien, sie müsse die Ansprache jeden Moment abbrechen. Zu Beginn überreichte ein britischer Aktions-Komiker ihr symbolisch vor laufender Kamera Entlassungspapiere. Und dann lösten sich im Hintergrund, während sie sprach, auch noch mehrere Buchstaben des an die Wand geklebten Partei-Mottos der Tories „Building a Country that works for everyone“. Mitten während der Rede fiel das „F“ aus „for“ runter. Gegen Ende fiel dann auch noch das letzte „E“ aus „everyone“, aber das war dann auch schon fast egal. Die Pannen-Rede machte jedenfalls weltweit Schlagzeilen. Auch in seriösen Medien. Wer am Abend die Haupt-Ausgabe der ARD-„Tagesschau“ einschaltete erfuhr davon … nichts. Zwar gab es einen Korrespondentenbericht und Ausschnitte aus der Rede, die zahlreichen Pannen wurden aber mit keinem Wort erwähnt. Der Zuschauer durfte sich wundern, dass während der unterschiedlichen Ausschnitte aus der Rede das „F“ in „for“ einmal da war und dann wieder nicht.

Ich kann mir denken, dass vermutlich in der Redaktion der „Tagesschau“ diskutiert wurde, ob man die Pannenserie nun thematisieren soll oder nicht und man sich dann für eine rein inhaltliche Betrachtung entschied. Seriös undsoweiter. Ich finde das aus mehreren Gründen falsch. Erstens muss es dem informierten Zuschauer auffallen, dass einem hier ein wesentlicher Aspekt der Geschichte vorenthalten wird. Die „Tagesschau“ agiert des öfteren, als befinde sie sich auf einer Art Medieninsel und sei das alleinige Medium, das konsumiert wird. Wer aber vorher schon von dem Pannen-Festival gehört oder gelesen hat, fühlt sich als Zuschauer nicht informiert bzw. schlimmstenfalls nährt man mit solch einer Desinformationspolitik unnötigerweise „Lügenpresse“-Vorwürfe. Zweitens halte ich die Pannenreihe auch inhaltlich für wichtig. Die Vorfälle illustrieren bildhaft den schwierigen Stand, den Theresa May hat. Die Probleme der Premierministerin äußern sich eben nicht nur in ein inhaltlichen Fragen, sondern auch in der äußeren Form. Zur Politik gehören auch Symbole. Und wen etwas symbolhaft war, dann diese Rede mit ihren ganzen Pannen.

Zum 60. Geburtstag der Bild-Zeitung im Jahr 2012 brachte Springers Boulevardblatt im Taschen Verlag das große „Bild Buch“ heraus. Ein an Größe und Umfang beachtliches Druckwerk über die Geschichte der Zeitung. Nun feiert die Bild in diesem Jahr 65. Geburtstag und da wurde auch das „Bild Buch“ neu aufgelegt und überarbeitet. Im Buch findet sich auf einer Seite eine Auflistung aller Bild-Chefredakteure. Aller Chefredakteure? Den Kollegen von DWDL ist aufgefallen, dass ein Name fehlt, und zwar der von Tanit Koch, aktuell Chefredakteurin der Bild-Zeitung. Wie kommt’s? Springer ließ auf Anfrage von DWDL erklären, dass die Liste der Chefredakteure nur die „jeweiligen Verantwortlichen für die Marke Bild“ führe. Und diese Aufgabe – Hüter der Marke – habe nach Kai Diekmann als Herausgeber nun mal Julian Reichelt übernommen. „Sich winden“ wäre für diese Erklärung wohl noch eine sehr wohlmeinende Umschreibung. Der frühere Pressesprecher von Gruner + Jahr, Kurt Otto, pflegte solche Stellungnahmen als „Jimmel jammel jummel“ zu bezeichnen. In der Tat. Das ganze Bild-Buch befasst sich ausschließlich mit der gedruckten Bild. Oben drüber auf der Seite steht „Chefredakteure von Bild“ und nicht „Markenhüter“. Das Ganze ist doch recht peinlich für Springer, zumal man sich bei der Berufung von Tanit Koch stolz gebrüstet hat, dass nun erstmals eine Frau an der Spitze der Bild Zeitung zu haben. Im „Bild Buch“ ist der Männerclub nun wieder unter sich. Ziemlich kleines Karo.

Na, freuen Sie sich schon auf „Babylon Berlin“, die neue Superserie, die 40 Mio. Euro gekostet hat und zuerst bei Sky läuft und im nächsten Jahr dann auch in der ARD? Wir Beitragszahler haben die Seriensause immerhin mit satt 12 Mio. Euro mitfinanziert, Sky hat „nur“ 5 Mios gezahlt und das Erstsenderecht. Trotzdem glaube ich, dass die Kooperation für Sky das größere Risiko bedeutet. Bei der Fülle an gutem Serienmaterial, mit dem die Streaming-Anbieter nur so um sich werfen, ist es fraglich, ob man für eine bestimmte Serie Sky abonniert. Zumal man weiß, dass diese mit einiger Verzögerung auch im Ersten kommt. Ich habe da meine Zweifel. Interessant auch, dass Netflix seine Preise erhöht und für das Standard- und Premiumabo nun einen Euro pro Monat mehr verlangt. Die letzte Preiserhöhung liegt noch gar nicht so lange zurück. Netflix produziert zwar tatsächlich hochklassige Inhalte am laufenden Band, aber der Streaming-Primus sollte auch aufpassen, die Preisschraube nicht zu überdrehen.

Burda bringt am morgigen Samstag ein Sonderheft des Playboy anlässlich des Todes von Playboy-Grüner Hugh Hefner auf den Markt. Der Titel schaut aus, wie aus einem James-Bond-Streifen der 70er Jahre entsprungen. Ein Pfeife rauchender Hefner, umringt von Playboy Bunnies. „Sein Leben, seine Frauen, sein Vermächtnis“ steht drunter. Das Cover wirkt wie ein Gruß aus einer längst vergangenen Zeit als man weder Aids, noch Lungenkrebs, noch Auflagenverfall kannte. Das war die Welt des Peter Stuyvesant und des Hugh Hefner. Wie viele Verleger sich heute wohl in jene vermeintlich goldenen Tage zurückwünschen? Im Rückblick freilich, wirkt manches goldener, als es tatsächlich war.

Ihnen ein schönes Wochenende!

PS: Hören Sie doch mal in den Podcast „Die Medien-Woche“ von mir und meinem Welt-Kollegen Christian Meier rein. Diesmal sprechen wir u.a. mit MEEDIA-Daten-Spezialist Jens Schröder über die großen Probleme der privaten TV-Sender. Viel Spaß beim Hören!

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