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Nach Rauswurf von Stefanie Hauer: Madsack findet eine neue Firmenchefin für die Ostsee-Zeitung

Verlagsleiterin Imke Mentzendorff ist jetzt auch Geschäftsführerin der Ostsee-Zeitung
Verlagsleiterin Imke Mentzendorff ist jetzt auch Geschäftsführerin der Ostsee-Zeitung

Die Mediengruppe Madsack besetzt die Geschäftsführung der Ostsee-Zeitung in Rotstock neu. Verlagsleiterin Imke Mentzendorff übernimmt die Position der bisherigen Firmenchefin Stefanie Hauer. Die Managerin musste nach einem missglückten Auftritt bei einem Journalistentalk mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz ihren Hut nehmen. Die Madsack-Konzerngeschäftsführung hatte ihr das Vertrauen entzogen.

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Stefanie Hauer schied nach einem unglückliches Auftreten bei einem Journalistentalk mit SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz als Geschäftsführerin der Lübecker Zeitung und der Ostsee-Zeitung aus. Jetzt besetzt die Madsack Mediengruppe die Firmenspitze der Ostsee-Zeitung mit Imke Mentzendorff. Die 45-Jährige arbeitet dort seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres als Verlagsleiterin. „Imke Mentzendorff hat im Werbegeschäft der Ostsee-Zeitung innerhalb kurzer Zeit starke Impulse gesetzt“, sagt Thomas Düffert, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Madsack Mediengruppe. Die Geschäftsfrau ist im Mediengeschäft keine Unbekannte. Sie war vor ihrer Zeit bei der Ostsee-Zeitung für den Vermarkter Ströer und den Hamburger DSL-Anbieter Hansenet tätig, heißt es. Weiterhin sucht Madsack für die Lübecker Nachrichten einen Geschäftsführer. Bislang hat der Verlag hier die Geschäftsführung interimistisch besetzt.

Denn die bisherige Geschäftsführerin Stefanie Hauer war für beide Verlage verantwortlich. Der Anlass für ihren Abgang: Anfang September hatte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zahlreichen Redaktionen einen Besuch abgestattet, um über seine politische Agenda im anstehenden Wahlkampf zu reden – darunter auch den Lübecker Nachrichten (LN). Was eigentlich als Interview mit den Redakteuren gedacht war, nutzte die Geschäftsführerin der zum Madsack Mediengruppe gehörenden Regionalzeitung, um Lobbyarbeit in eigener Verlagssache zu betreiben. Das jedoch ging gehörig schief. Hauer hatte sich in die Gesprächsrunde mit den LN-Journalisten und dem SPD-Chef eingeklinkt, das die Zeitung für Leser als Video auch bei Facebook übertrug. Doch das Gespräch wurde zur Farce: Die Medienmanagerin konfrontierte den Kanzlerkandidaten mit den Belastungen durch den Mindestlohn, der mittlerweile auch für Zeitungszusteller gilt. Sie fragte daher den Politiker, ob er sich vorstellen könne, die Verlage durch geringe Sozialabgaben zu entlasten.

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Für die Redakteure war die Situation zum Fremdschämen, der gesamte Auftritt irritierend. Bei Madsack ist es Insidern zufolge ein No-Go, dass Manager sich in Redaktionsgespräche einmischen. Ein Mitarbeiter erklärte damals gegenüber MEEDIA: „Dadurch sind vor allem bei den Kollegen in der Redaktion die Autorität der Geschäftsführerin und auch der Respekt ihr gegenüber irreparabel verloren gegangen. Viele waren angesichts des Verstoß gegenüber dem Grundsatz der Unabhängigkeit der Redaktion regelrecht fassungslos.“ Im Netz erntete die Managerin für ihr Auftreten anschließend massive Kritik. Allein der MEEDIA-Artikel mit dem verlinkten Facebook-Video wurde mehr als 100.000 Mal geklickt. Wenig später entschuldigte sich Hauer: „In Form und Inhalt war es von mir persönlich ein unglücklicher Auftritt, für den ich mich nur entschuldigen kann.“ Doch dies half ihr offenbar wenig: Die Geschäftsfrau hat den Rückhalt bei der Konzerngeschäftsführung verloren und muss die Lübecker Nachrichten nun verlassen.

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