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Neue Verhandlungen mit Grossisten: Welche Optionen die Allianz der sechs Großverlage hat

Branchen-Verbandschef Frank Nolte
Branchen-Verbandschef Frank Nolte

In die fest gefahrenen Verhandlungen zwischen der Verlagsallianz und den Grossisten kommt neue Bewegung. Am 20. Oktober wollen sich die Gesprächspartner treffen, um über neue Handelsspannen zu reden. Doch Grosso-Verbandschef Frank Nolte dämpft die Erwartungen der Medienhäuser, die eine Neuordnung des Verteilsystems für Zeitungen und Zeitschriften fordern. Droht nun ein Eklat?

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Es war eine klare Aktion mit Signalwirkung. Überraschend hatte die Koalition aus sechs Verlagen (Bauer Media, Funke, Axel Springer, Burda, Klambt und Spiegel-Verlag) die Tagung des Branchenverbands der Grossisten in Baden -Baden im September boykottiert. Auch Gruner + Jahr, die nicht der Verlags-Allianz angehören, zeigte dem Grossoverband die kalte Schulter. Das Hamburger Magazinhaus sagte die alljährliche Vorabend-Veranstaltung zu dem Branchentreffen ab, die traditionell die Gruner + Jahr-Tochter Deutscher Pressevertrieb und der Spiegel-Verlag ausrichten. Seither herrschte wochenlang zwischen den Verlagen und dem Grosso Funkstille.

Jetzt ist offenbar die Kontaktsperre aufgehoben. Beide Seiten wollen sich am 20.Oktober zu einer neuen Verhandlungsrunde treffen. Auch Gruner + Jahr ist wieder gesprächsbereit, ein Termin wurde aber nicht genannt. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Gespräche zu gegebener Zeit fortgesetzt werden. Haben aber aktuell hier keine Neuigkeiten“, erklärt eine dpv-Sprecherin gegenüber MEEDIA.

Vordergründig geht es bei den weiteren Gesprächen darum, neue Handelsspannen zu verhandeln, da die bisherige Regelung Anfang 2018 ausläuft. Tatsächlich jedoch drehen sich die Gespräche über eine komplette Neuordnung des Grosso-Systems. So will das Verlagsbündnis die Zahl der Grossisten in den nächsten Jahren drastisch schrumpfen – angeblich schwebt ihnen eine Zahl von 15 Verteilunternehmen vor. Die Medienhäuser erhoffen sich durch weitere Fusionen deutliche Effizienzgewinne, die zu geringeren Vertriebskosten führen sollen. „Es benötigt eine deutlich geringere Zahl von schlagkräftigen und resistenten Betrieben, um den Handel deutschlandweit mit Zeitungen und Zeitschriften zu versorgen. Leider ist die Geschwindigkeit des dafür notwendigen Fusionsprozesses bislang einfach zu gering“, machte Burda-Vorstand Philipp Welte hierzu seine Position gegenüber MEEDIA deutlich. Um ihre Forderungen durchzusetzen, drohte die Allianz der Medienhäuser den Grossisten, ein eigenes Logistiksystem für den Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften aufzubauen. „Die Situation ist tatsächlich prekär, denn entweder entschließen sich die Grossisten, gemeinsam mit uns an einer innovativen Veränderung des Systems zu arbeiten, oder wir Verlage müssen andere Wege gehen“, mahnte Welte.

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Jetzt könnte es zum Eklat kommen. Denn Frank Nolte, Chef des Grosso-Verbands, hat erneut die Erwartungen der Verlage gedämpft, dass am Ende der weiteren Verhandlungen der große Wurf herauskommt. „Wir wollen die bisher konstruktiven Gespräche über eine neue Branchenvereinbarung zielgerichtet fortsetzen. Ich bin zuversichtlich, dass ein tragfähiger Abschluss in den nächsten Wochen erreicht werden kann, warne jedoch vor zu großen Erwartungen“, so Nolte in einem Gespräch mit dem Branchenblatt Horizont. Dennoch sind die Grossisten zu einer stärkeren Zusammenarbeit zu größeren Einheiten bereit. Denn größere Firmen von mehr als 100 Millionen Euro erzielten durchaus Effizienzvorteile. Doch für den Umbau des Systems benötige die Branche Geld. Denn eine Fusion führe zunächst sprunghaft zu höheren Kosten – beispielsweise durch Zahlungen von Abfindungen. Doch die aus einer Verschmelzung resultierenden Kosteneffekte könnten marktbedingt schnell wieder verpuffen. „Darüber hinaus wird der zu befürchtende rückläufige Markt dafür sorgen, dass die hohen Roherlösrückgänge in den Folgejahren die Savings ganz schnell wieder auffressen, weil die Kostenelastizität so niedrig ist“, betont der Verbandschef.

Damit steht die Verlags-Allianz bei den anstehenden Verhandlungen vor großen Herausforderungen. Dabei bleiben ihr nur wenige Optionen. Eine Möglichkeit ist, dass die Verlage – wie angedroht – tatsächlich das bestehende Grossosystem vor die Wand laufen lassen und ein eigenes Vierteilsystem aufbauen. Dafür müssten die Medienhäuser aber zunächst tief in die eigenen Taschen greifen, um ein flächendeckendes System aufzubauen. Zudem könnten ihnen teure Schadensersatzprozesse ins Haus stehen, wenn sie die Grossisten nicht mehr belieferten. Oder sie einigen sich mit dem Branchenverband auf einen konkreten Fahrplan, in welchem Zeitraum weitere Fusionen in der Branche erfolgen sollen.

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