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Gespräche über Zeitungs-Kooperationen: Forscher warnt vor „flächendeckend einheitlicher Berichterstattung“

Zeitungsforscher Horst Röper warnt vor Medienkonzentration
Zeitungsforscher Horst Röper warnt vor Medienkonzentration

Während die Novelle des Wettbewerbsgesetzes Medienunternehmen eine bessere Zusammenarbeit ermöglichen und sie damit entlasten sollte, scheinen sich Verlagshäuser aber vor allem auf redaktionelle Synergien zu konzentrieren. Ein Bericht der FAZ, nachdem die DuMont Mediengruppe mit Wettbewerber Funke gesprochen haben soll, heizt Spekulationen an. Horst Röper, bekannter Zeitungsforscher, warnt vor der Medienkonzentration.

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Diese würde durch zunehmende Synergien über Verlagsgrenzen hinweg weiter zunehmen. Röper, Leiter des Formatt Institut, forscht bereits seit Jahren zu diesem Thema, veröffentlicht seine Ergebnisse in regelmäßigen Abständen in der Studie Media Perspektiven. Dort hat er in den vergangenen Jahren bereits beschrieben, wie nach Geschäftsübernahmen zunehmend auch Redaktionen zusammenarbeiten beziehungsweise vor allem kleinere Titel ihre Mantel-Produktion einstellen, um die Berichterstattung von größeren Redaktionen zu übernehmen.

In der jüngsten, im Jahr 2016 veröffentlichten Studie wies Röper darauf hin, dass 60 Prozent der verkauften Auflage von Tageszeitungen aus insgesamt nur zehn Verlagsgruppen stammen. Zudem warnte er vor weiterem Verlust der Meinungsvielfalt durch Angebote, wie sie das Redaktionsnetzwerk Deutschland von Madsack oder die Funke Mediengruppe mit ihrer Zentralredaktion machen. Wenn große Verlagsgruppen ihre Dienste kleineren Verlagen anbieten, spare das zwar Geld. Allerdings habe es auch Kehrseiten. „Insbesondere, dass die vielfältige Berichterstattung dann nichtmehr gewährleistet werden kann“, erklärte Röper im Deutschlandfunk. „Flächendeckend entsteht eine einheitliche Berichterstattung. Das ist das Gegenteil von dem, was wir eigentlich im Medienmarkt erwarten.“

Auf der anderen Seite erkennt der Zeitungsforscher an, dass die Synergien die Machtverhältnisse gegenüber relevanten Institutionen wieder verschieben. „Wenn ein Korrespondent für ein viel größeres Erscheinungsgebiet zuständig ist, dann hat er ein anderes Auftreten und ein anderes Gewicht gegenüber der Politik“, erklärte er. Weitere Schattenseite für alle beteiligten Zeitungen sei aber eine Verwässerung der Marke, deren Strahlkraft durch die neuen Redaktionen geringer würde. „Dadurch entstehen Quellen, mit denen der Leser nichts anfangen kann. Wem sagt schon die Funke Mediengruppe oder gar das Redaktionsnetzwerk Deutschland etwas?“

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Dennoch erwartet der Experte, dass die Unternehmen aus Kostengründen enger zusammenrücken. Die Redaktionen seien längst „zum Zielgebiet der Betriebswirte geworden“. Und: „Wir müssen davon ausgehen, dass alle großen Verlagsgruppen miteinander reden.“

Zu Spekulationen wie diesen regen aktuelle Berichte wie der der FAZ vom Mittwoch an. Das Blatt berichtete über gescheiterte Gespräche zwischen der DuMont Mediengruppe und Funke. Dabei soll es um Kooperationen im Vertriebs- und Anzeigengeschäft gegangen sein, was durch eine Novelle des Wettbewerbsgeschäfts möglich wurde, aber auch um Mantelgeschäfte. DuMont allerdings dementierte. Man werde in der überregionalen Berichterstattung nach wie vor auf seine eigene Hauptstadtredaktion setzen.

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Alle Kommentare

  1. Spannend ist bei Tageszeitungen einzig, dass sie teurer werden, obwohl die Nachfrage sinkt. Das Gegenteil sollte in einem Markt der Fall sein.

  2. Ein Großteil der überregionalen Berichte kommt jetzt schon von der dpa und diese werden mehr oder weniger wortgleich von allen Zeitungen übernommen. Auch in der politischen Meinung ist man – wie die Parteien auch – immer enger zusammengerückt Bleibt als Unterscheidungsmerkmal die regionale Berichterstattung und diese kann nicht von großen Zentralen beigesteuert werden. So groß können die absehbaren Änderungen also nicht werden.

  3. Na ja: Die Verkäufe der gesamten Zeitungsbranche schrumpfen, die Einnahmen schrumpfen, die Leistungen werden verringert, das Personal wird eingespart.

    Wie genau die Übertragungsmechanismen sind, ist tatsächlich von nachgeordneter Bedeutung, denn das Ergebnis ist unabänderlich. Die Ermöglichung von Kooperationen zwischen den Konzernen ist ein großes Missverständnis, denn so wird der Schrumpfungsprozess noch beschleunigt. Mit der Vermeidung von Parallelarbeit durch Zusammenlegung von Redaktionen kann man vielleicht den Übergang etwas geschickter gestalten, aber am Ergebnis wird das auch nicht viel ändern.

    Am Ende wird es von Zeitungen und Zeitschriften immer weniger journalistische Leistung geben und immer weniger Journalisten. Dass dadurch der einzelne Journalist mächtiger und wirkmächtiger werden wird, glaubt nicht mal ein Milchmädchen. Tatsächlich werden sie immer nur gehetzter, vor Ergebnisdruck und vor Angst.

    Die Ursache sind aber nicht die Anpassungsmechanismen, sondern die ausbleibenden Einnahmen. Wenn’s beim Klickiklicki auf das bunte Internet halt alles gratis gibt … Wer nicht anständig zahlen will, bekommt am Ende auch nichts Anständiges. So einfach ist das.

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