Netflix-Fantasie: Streaming-Box-Anbieter Roku gelingt bei Börsendebüt Kursplus von 68 Prozent

So sehen glückliche Aktionäre aus: Roku startet an der Technologiebörse Nasdaq © Roku / Facebook

Fernsehen Das Umfeld für Börsengänge aus dem Internet-Sektor hatte sich zuletzt spürbar eingetrübt. Bei den letzten IPOs mit Milliarden-Bewertung zahlten Anleger drauf: Die Anteilsscheine von Snap und dem Kochbox-Anbieter Blue Apron brachen schnell ein. Entsprechend kritisch beäugt wurde gestern der Börsengang vom Streaming-Box-Anbieter Roku, der gleichzeitig als Senderplattform Werbeerlöse erzielt. Anleger, die Aktien gezeichnet haben, konnten sich über spektakuläre Kursgewinne freuen, die Roku einen Börsenwert von mehr als zwei Milliarden Dollar bescheren.

von Nils Jacobsen

Der Kampf um das Wohnzimmer spitzt sich zu. Apple (Apple TV), Amazon (Amazon Fire TV) und Google (Chromecast) bieten seit Jahren sogenannte Set-Top-Boxen an, mit denen die Zukunft des Fernsehens digital gestaltet wird.

In den USA mischt seit den Nullerjahren ein weiterer Player mit: Roku. Das von Anthony Wood 2002 gegründete Unternehmen bietet seit 2008 seine Set-Top-Box an, durch die Streaming-Pionier Netflix in den USA erstmals Verbreitung fand.

Streaming-Boxen und -Sticks erzielen Großteil der Umsätze

Bis heute erzielt Roku den Löwenanteil seiner Umsätze (75 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr) mit dem Verkauf seiner Streaming-Boxen und -Sticks, durch die Zuschauer Inhalte von Netflix, Amazon Prime, Hulu oder YouTube sehen können.

Doch Roku ist mehr als nur Hardware-Anbieter: Seit 2011 tritt das US-Unternehmen auch als Streaming-Plattform-Anbieter auf, bei dem Zuschauer kostenlose Inhalte (Serien, Filme, Sport) sehen können, die werbefinanziert sind. Das Anzeigengeschäft versucht Roku entsprechend als sein neues Wachstumsfeld herauszustellen.

„Eine Menge Leute sehen uns als Hardware-Unternehmen, aber der Grund, warum wir Hardware verkaufen, liegt darin, dass wir neue Kunden gewinnen wollen“, erklärt Wood gegenüber Business Insider – neue Kunden versprechen schließlich neue Werbeeinnahmen. Über 15 Millionen registrierte Kunden verfügt Roku inzwischen.

Roku arbeitet weiter defizitär

Allerdings beschränken sich die Nutzer-Gewohnheiten in erster Linie auf zwei Apps, an denen Roku nichts verdient, wie Tech-Blogger Neil Cybart herausarbeitet: Netflix und YouTube.

Roku IPO today. Stock up 70%. $2.2B company. Recently took deep dive into Roku for @AboveAvalonPlus members.https://t.co/K8Rw1xoWv7 ($) pic.twitter.com/WZkkE9Gkou

— Neil Cybart (@neilcybart) September 28, 2017

Entsprechend verliert Roku auch weiter Geld. Im ersten Halbjahr 2017 betrugen die Verluste 24 Millionen Dollar bei Umsätzen von 199 Millionen Dollar.

Roku’s annual revenue:

2016: $400 million
2015: $300 million
2014: $200 million
2013: $190 million
2012: $100 million
2011: $47 million https://t.co/fwwXBZwMDu

— Jon Erlichman (@JonErlichman) September 28, 2017

Die Wall Street hielt sich damit gestern indes nicht lange auf, sondern fokussierte sich auf die Fantasie des boomenden Streaming-Marktes – Netflix hat schließlich vorgemacht, wie spektakulär Kursgewinne ausfallen können. Beim Debüt an der Technologiebörse Nasdaq schossen Roku-Aktien vom Ausgabekurs bei 14 Dollar auf einen Schlusskurs von 23,50 Dollar empor.

Roku had a blockbuster performance in its first day of trade, with shares zooming 68% higher than the 14% IPO price https://t.co/bYUsGJTaws pic.twitter.com/6UWZSxFu4o

— MarketWatch (@MarketWatch) September 29, 2017

Anleger, die Roku-Aktien gezeichnet und zugeteilt bekommen haben, konnten sich binnen weniger Handelsstunden damit über ein enormes Kursplus von 68 Prozent freuen, durch das das 15 Jahre alte US-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 2,2 Milliarden Dollar bewertet wird.

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