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„Big T“ und sein Leidmedium: Middelhoff keilt weiter gegen den Spiegel und nennt Redakteure „weinerlich“

Im Bilanz-Interview legt der zur Zeit inhaftierte frühere Bertelsmann-Chef gegen den Spiegel nach: Thomas Middelhoff ist von Bertelsmann enttäuscht, weil der Konzern nicht Druck auf das Nachrichtenmagazin ausgeübt hat
Im Bilanz-Interview legt der zur Zeit inhaftierte frühere Bertelsmann-Chef gegen den Spiegel nach: Thomas Middelhoff ist von Bertelsmann enttäuscht, weil der Konzern nicht Druck auf das Nachrichtenmagazin ausgeübt hat

Vom Jetset-Leben als Star-Manager und Konzernchef zum Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung – Thomas Middelhoff hat einen tiefen Fall erlebt. Jetzt geht der ehemalige Bertelsmann-CEO im Interview mit sich selbst ins Gericht. Doch auch dabei spart er nicht mit Kritik am Spiegel. Er hätte sich gewünscht, dass die Redakteure des Nachrichtenmagazins irgendwann von oben gestoppt worden wären.

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Einst galt Thomas Middelhoff als gefeierter Supermanager. Der ehemalige Vorstandschef brachte dem Gütersloher Medienriesen Bertelsmann auf dem Höhepunkt des Internetbooms durch einen geschickten Deal einst Milliarden ein. Seither trug er nur noch den Spitznamen: „Big T“, Thomas, der Große. Doch als Chef des Handelsriesen Arcandor bekommt sein Nimbus zunehmend Risse. Mit der Finanzkrise 2008 gerät das Unternehmen in schwere finanzielle Turbulenzen. 2009 scheidet er bei Arcandor aus. Damit beginnt zunehmend sein Abstieg. Er erreicht im Februar 2016 seinen Höhepunkt. Middelhoff wird rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilt und verbüßt seither eine dreijährige Haftstrafe. Zuvor hatte der Manager bereits Privatinsolvenz angemeldet – eine Schmach für den Geschäftsmann.

Jetzt arbeitet der gefallene Starmanager sein Scheitern in der Öffentlichkeit weiter auf. Erst beschreibt er in seiner Autobiographie „A 115: der Sturz“ seinen Fall vor den Gerichten und die anschließenden Schattenseiten seines Gefängnis-Aufenthalts. Nun zeigt er in einen mehrseitigen Interview mit dem Springer-Wirtschaftsmagazin Bilanz verstärt seine persönliche Seite. Selbstkritisch gesteht er viele seiner Verfehlungen ein – wie etwa: „Meine Sünden liegen im Bereich meines persönlichen Verhaltens. Und wenn man diese Sünden umschreibt, dann finden sich schon Todsünden darunter: Eitelkeit, Selbstverliebtheit, Narzissmus, Völlerei – also Gier …“, so Middelhoff. Auch an anderen Stellen wird dies deutlich: „Ich bereue, dass ich zu eitel und zu selbstverliebt war.“ Auch bedauere er, was er seiner Familie angetan habe, die aber während seiner Inhaftierung fest zu ihn gestanden hätte. „Es war eine Katastrophe für sie. Aber meine Frau und meine Kinder haben sich untergehakt und zusammengehalten. Das sind die Stärken, die eine Familie halt auszeichnen, eine gute Familie. Sie haben mich aber diese Herausforderung und die Last, die auf ihnen lag, nie spüren lassen“.

Doch Middelhoff kann es nicht lassen. Schuld an seiner Misere und seinem zerstörten Ruf seien auch die Medien. Als Speerspitze sieht er hier vor allem den Spiegel, sein offenbar ganz spezielles „Leidmedium“. Middelhoff wörtlich: „Namentlich der Spiegel als Leitmedium und dort das Ressort „Deutschland 2“ mit den Herren Dahlkamp, Latsch, Schmitt. Sie scheinen sich als Moralinstitution Deutschlands zu fühlen, reagieren aber auf Kritik weinerlich und dünnhäutig.“ Der Geschäftsmann hätte es sich deshalb gewünscht, dass das Eigentümer des Nachrichtenmagazins der Berichterstattung Einhalt geboten hätten. „Am meisten enttäuscht hat mich wahrscheinlich Bertelsmann als Eigentümer von Gruner + Jahr und damit als Mitgesellschafter des Spiegels. Es wäre ein Leichtes gewesen, zu sagen: Jetzt reicht’s. Mindestens aber die Chefredakteure des Spiegels hätten eingreifen müssen“, betont Middelhoff.

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Anschließend gefragt von Bilanz-Chefredakteur Klaus Boldt, ob es nicht Gruner und Jahr und den Spiegel ehre, dass man dort die innere Pressefreiheit respektiere, also die Unabhängigkeit der Redaktion auf Verlag und Herausgeber, antwortet er kühl. „Soll die Frage ein Witz sein?“ Unterdessen geht der Zoff zwischen dem Spiegel und Middelhoff munter weiter. Erst kürzlich musste der frühere Arcandor-Chef erneut eine Schlappe gegen das Nachrichtenmagazin hinnehmen. Der Verlag hatte gegen seine bei LangenMüller veröffentlichte Autobiographie eine Unterlassungsverfügung eingefordert. Demnach sollen einige Passagen in Auflage zwei überarbeitet werden. Eine erneute Blamage für Middelhoff.

Jetzt will der Manager aber offenbar seine Karriere als Buchautor fortsetzen. So plant er diverse Projekte. Dazu gehört ein Buch, dass von „Medien in der digitalen Welt“ handelt. Zudem beabsichtigt er, einen Roman über einen Kriminalfall zu verfassen. Einzelheiten nennt er hierzu aber nicht. Das Schreiben der Autobiographie jedenfalls habe ihm geholfen, die Geschehnisse zu bewältigen. Middelhoff: „Es mag sein, dass das Buch, das ich geschrieben habe, eine selbstbefreiende Wirkung hatte. Es war mein Versuch, mit meinem Schicksal fertig zu werden und zu verarbeiten, was mit mir geschehen war.“

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Alle Kommentare

  1. „… hätte sich gewünscht, dass die Redakteure des Nachrichtenmagazins von oben gestoppt worden wären.“

    Ein lichtvoller Einblick, wie es unter den Geldwichtigen normalerweise zugeht. Dann ruf‘ ich da den Eigentümer an, und der bringt seine Unterlinge zum Schweigen. Wie’s sich gehört in der … der … wie hieß nochmal die Staatsform hier?

    Dringender Rat an Herrn Middelhoff: auswandern in die Türkei, nach Ungarn oder Russland. Da funktioniert das, da herrschen noch Zucht und Ordnung.

    Obwohl: Wer wollte ihn haben, den Mann, der immer nur Verluste erwirtschaftet hat?

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