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Vier Millionen Abonnenten und 256 Millionen Views bei YouTube: Die erste Bilanz vom ARD/ZDF-Jugendangebot Funk

Bunte Funk-Vielfalt: Vom Bohemian Browser Ballet (re. unten) bis zu den Datteltätern (li. oben)
Bunte Funk-Vielfalt: Vom Bohemian Browser Ballet (re. unten) bis zu den Datteltätern (li. oben)

Für die meisten Beobachter und Zuschauer ist funk wohl noch immer so etwas wie ein öffentlich-rechtliches Phantom. Denn obwohl immer vom “Jugendsender” der ARD und des ZDF gesprochen wird, ist er im Fernsehen gar nicht zu sehen. Das Projekt existiert nur bei YouTube, Facebook, Instagram und Snapchat. Am 1. Oktober feiert funk seinen ersten Geburtstag und die Macher nennen deshalb erstmals konkrete Zahlen.

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Anders als im normalen Fernsehen, sind es jedoch keine klassischen Zuschauerzahlen, sondern vielmehr Video-Views, Abonnenten und Page-Likes, über die Funk seine Reichweite definiert. So kamen die Mainzer bis Ende August auf 256 Millionen Gesamtvideo-Abrufe bei YouTube und rund 90 Millionen bei Facebook. Die Zahl der YouTube-Abonnenten liegt bei ca. vier Millionen und die Facebook Pagelikes bei über 603.000.

In ihrer ersten Bilanz erklärt Sophie Burkhardt, die zusammen mit Florian Hager als Programmgeschäftsführer Funk führt gegenüber MEEDIA: „Wir sind weiter gekommen, als wir vor einem Jahr gedacht hätten. Natürlich sind wir aber auch noch nicht an dem Punkt, an dem wir sagen könnten: Wir haben es geschafft“. Ihr Kollege Hager ergänzt: „Das Hauptziel ist, dass wir mit dem Angebot die 14- bis 29-Jährigen mit öffentlich-rechtlichen Inhalten erreichen sollen.“

Aus ihrer Sicht ist das schon deshalb gelungen, weil internen Untersuchungen würden zeigen, dass rund 20 Prozent der Kernzielgruppe mit dem Markennamen Funk etwas anfangen können.

Auch ihre Chefs geben sich zufrieden. So zeige Funk nach Ansicht SWR-Intendant Peter Boudgoust „dass die Öffentlich-Rechtlichen sehr wohl im Leben von jungen Menschen relevant sind“. Nach Ansicht von ZDF-Intendant Thomas Bellut hätte das Projekt mit innovativen Ansätzen und dem Mut, Neues auszuprobieren, einen erfreulichen Weg eingeschlagen. „Das Content-Netzwerk hat jungen Menschen einen neuen Zugang zu öffentlich-rechtlichen Inhalten verschafft.“

„Für das erste Jahr waren wir allein schon deshalb erfolgreich, weil wir über 60 Formate auf die Reihe bekommen haben“, sagt Hager. „In der Branche und in der Web-Video-Szene sind wir angekommen. Das zeigen allein schon die Preise, die wir bekommen haben.“ Der Geschäftsführer weiß aber auch: „In der Zielgruppe haben wir noch viel Potential.“

Denn tatsächlich bieten sich sowohl bei Facebook, als auch bei YouTube noch unzählige Bereiche in denen das Projekt massiv wachsen und eigene Akzente setzen kann. Selbst das Potential der Erfolgsformate ist sicherlich noch lange nicht ausgereizt, wie ein Blick auf die Reichweiten-Könige und ihre Zugriffszahlen zeigt:

Das erfolgreichste Funk-Angebot in der Kategorie Unterhaltung bei YouTube ist Coldmirror mit 897.500 Abonnenten.

Das meistgesehene Video aus dem Bereich Orientierung & Information ist ein Stück über den Schwarzen Block vom Y-Kollektiv mit über 900.000 Abrufen.

Das mit abstand erfolgreichste Video kommt von offen und ehrlich. Es erreichte 3,3 Millionen Abrufe.

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Das erfolgreichste Format bei Facebook ist das Bohemian Browser Ballett mit über 24 Millionen Video-Views (stand Ende August) gefolgt von Wumms! mit über 16,4 Millionen.

Burkhardt und Hager stehen strategisch immer wieder vor der Herausforderung, dass sie eigentlich zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen bespielen müssen, die junge Zielgruppe und die interessierte mediale und politische Öffentlichkeit: „Gerade in der Öffentlichkeit, ist es für uns wichtig zu vermitteln, dass wir nicht YouTuber einkaufen oder Katzenvideos machen. Da helfen auch Preise ungemein.“

Allein für Wishlist gab es einen Deutschen Fernsehpreis, einen Webvideopreis und einen Grimme Preis.

Ebenfalls mit einem Grimme Preis wurden die Datteltäter ausgezeichnet. Bislang sammelte Funk insgesamt 43 Nominierungen und 17 Preise ein.

Ein Feld, das die Macher noch gar nicht beackern, ist die Durchlässigkeit ins klassische öffentlich-rechtliche Fernsehen. So ließe sich das YouTube- und Facebook-Angebot durchaus auch als Spielwiese und Biotop verstehen, in dem sich junge TV-Talente entwickeln und ausprobieren können.

Im Vergleich zum klassischen TV ist es bei Funk nämlich auch so, dass die Marke gar nicht im Vordergrund steht: „Die einzelnen Protagonisten sind stärker als die Marke Funk“, sagt Burkhardt gegenüber MEEDIA.

Mit dem gesamten Markenaufbau hatten die Macher am Anfang jedoch auch am meisten zu kämpfen. So antwortet Hager auf die Frage, welchen Fehler er aus dem ersten Jahr keinesfalls mehr wiederholen wolle: „Die Namensdiskussion. Unsere Aussage, dass der Name für uns unwichtig sei, führt dazu, dass er dann erst richtig wichtig wurde. Dieser Debatte hätten wir früher ein Ende setzen soll. Das beschäftigte uns zu viel und zu lange.“

Für das kommende Jahr wollen die Mainzer einfach erst einmal ruhig weiterarbeiten und so weiter an der Umsetzung ihres Auftrages werkeln, mehr jungen Menschen einen Zugang zu öffentlich-rechtlich Inhalten zu verschaffen und auch bei den Älteren etwas bekannter zu werden, damit das Sender-Phantom etwas sichtbarer wird.

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