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Die verfluchte Parität: Sandra Maischberger hat mit Frauke Petry den Talkgast der Stunde und verschenkt die Gelegenheit

Chaotischer „Maischberger“-Talk: Wenn’s nicht weitergeht, fragt den Giovanni
Chaotischer "Maischberger"-Talk: Wenn's nicht weitergeht, fragt den Giovanni

Kurz sah es so aus, als hätte die Redaktion von „Maischberger“ einen Coup gelandet. Neben der potenziellen Jamaika-Koalition bestimmt der Einzug der AfD in den Bundestag und der Austritt deren ehemaliger Galionsfigur Frauke Petry die politische Debatte. Und Petry war bei „Maischberger“ zu Gast. Was hoch interessant hätte werden können, entwickelte sich unter der Leitung einer überforderten Moderatorin zum Tohuwabohu-Talk.

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In trauriger Tradition öffentlich-rechtlicher Talkshows traute man sich bei „Maischberger“ nicht, nur auf die AfD-Abtrünnige als Gast zu setzen oder ihr maximal noch einen Widerpart gegenüberzustellen. Stattdessen war die Runde mal wieder übersetzt mit Petry, dem SPD-Granden Klaus von Dohnanyi, Linken-Schwadroneur Gregor Gysi, Renate Künast von den Grünen und Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo. Zu allem Überfluss wurde dann auch noch der bayerische Finanzminister und ewige Seehofer-Kronprinz Markus Söder zugeschaltet. Man musste fast froh sein, dass nicht noch ein Politikwissenschaftler und jemand von der FDP anwesend war.

Die berüchtigte „Parität“, an der Sandra Maischberger so viel liegt, war also mehr als hergestellt und eine sinnvolle Diskussion von Beginn an praktisch unmöglich. Das lag nicht nur an der übervollen Gästeliste, sondern in erster Linie an der Moderatorin. Frau Maischberger legte viel Wert darauf zu „sortieren“, würgte Aussagen ab und war fast permanent damit beschäftigt, ordnende Handbewegungen in die Runde zu machen, wo doch keine Ordnung hergestellt werden konnte. Jedenfalls nicht von ihr. Sie stellte banale Fragen, bei denen von Beginn an klar war, dass sie darauf keine Antworten bekommen würde. Etwa, an Söder, ob er denn nun Seehofer ersetzen wolle. Was soll der arme Söder da sagen? „Der wäre schön blöd, wenn er das sagen würde“, warf di Lorenzo von der Seite ein. Recht hatte er. Der Zeit-Chef agierte über weite Strecken ohnehin wie eine Art Zusatz-Moderator. An einer Stelle nahm er Maischberger das Heft ganz aus der Hand, indem er Frauke Petry fragte, ob es ihr heute manchmal leid tue, den armen, gemäßigten Herrn Lucke „weggebombt“ zu haben. Gemeint war der frühere AfD-Chef Bernd Lucke, der nicht zuletzt auf Betreiben Petrys au der Partei gedrängt wurde und dann erfolglos einen eigenen Laden aufmachte.

Exakt diese Geschichte scheint sich nun mit Petry selbst zu wiederholen, was Ansatzpunkte für zig interessante Fragen gegeben hätte. Was genau planen Petry und ihr Mann, der AfD-NRW- und Europa-Abgeordnete Marcus Pretzell eigentlich genau für ein politisches Projekt? Was hat es mit den CSU-Anspielungen Pretzells auf sich? Wer sind Mitstreiter? Bei der berechtigten Frage von Gysi, wann Petry den Entschluss gefasst hat, der AfD den Rücken zuzukehren, drückte sich die AfD-Abtrünnige und wurde von Maischberger schnell vom Haken gelassen. Denn leider, leider: Es war ja keine Zeit. Immer musste zum nächsten Gesprächspartner gehuscht, die verfluchte Parität hergestellt werden. Ganz egal, ob es zu einem Komplex nun eine befriedigende Antwort gegeben hatte, oder einer einfach nur irgendwas dahersalbadert (meistens Gysi) hat. Wenn Sandra Maischberger nicht mehr weiter zu wissen schien, was durchaus mehr als einmal vorkam, wandte sie sich an den neben ihr sitzenden Zeit-Chef: Giovanni, was sagen Sie dazu? Blöd halt, dass „Giovanni“ auch kein Wahrsager war, wie er an der einen oder anderen Stelle bekannte. Di Lorenzo konnte ihr also weder verbindlich mitteilen, ob eine Jamaika-Koalition halten wird, noch ob die Volksparteien nun endgültig dem Untergang geweiht sind.

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Drollig übrigens, wie sich Frau Petry gegen Ende der Sendung kurz echauffierte, dass über das eigentlich angekündigte Thema „Haben die Volksparteien ausgedient?“ und ihr neues politisches Projekt so gut wie kein Wort gefallen war. Frau Maischberger hatte sich über die 75 Minuten gerettet und ging über zur Schlussrunde, bei der jeder Anwesende noch einmal schön der Reihe etwas mehr oder weniger Sinnvolles zum möglichen Untergang der Volksparteien sagen sollte.

Der frühere Hamburger Bürgermeister von Dohnanyi sagte im Laufe der Sendung übrigens auch interessante Dinge. Zum Beispiel rechnete er auf bisher nicht gehörte Art und Weise mit Martin Schulz ab, dem er einen baldigen Rücktritt nahelegte. Das wurde aber nicht weiter vertieft, wozu auch? Für eine aufgeregte Agenturmeldung nach der Sendung reicht das auch so. Minimalziel erfüllt, Parität nicht gefährdet, gute Nacht. Wie hätte man solch eine Sendung besser machen können? Nur von Dohnanyi und Petry als Gäste, Giovanni die Lorenzo als Moderator dazwischen. Das wäre spannend gewesen. Aber wie pflegte der berühmte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu sagen: Hätte, hätte, Fahrradkette.

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Alle Kommentare

  1. Abgesehen von der politischen Einförmigkeit des Zwangsgebührenstaatsfernsehens stört mich, daß die Moderatoren – vielleicht mit Ausnahme von PHÖNIX – niemanden ausreden lassen.
    Sie stellen eine Frage und beantworten sie schon selbst.
    Als Gast wäre ich spätestens nach 10 Minuten aufgestanden.

  2. Danke, ich stimme Herrn Winterbauer zu.wirklich Danke! Wäre nicht Herr di Lorenzo in der Runde gewesen, hätte ich wieder abgeschaltet. Für mich ist Frau Maischberger jedesmal überfordert gewesen. Sie klammert sich an ihre Fragen. Ihr Herumgefuchtel mit den Händen nervt, genauso die Riesenzettel. Ich hätte mir Herrn di Lorenzo als Moderator gewünscht. Wann, ich frage wann, merken es die Verantwortlichen endlich, wie schwach die Sendung ist. Aber es läuft ja wohl. Oder? Muss ich jetzt mit den drei Talk—Show Moderatorinnen alt werden. Ich tue mir leid.

  3. Ich stimme Winterbauer vollständig zu. Was Maischberger da mal wieder geboten hat, war miserabel. Wie schon beim sogenannten „Duell“ und danach bei Will. Aber die anderen ModeratorInnen sind auch nicht besser. Die Talkshows gehören genauso durchgelüftet wie Regierung und Parlament.

  4. Frau Maischberger kann es nicht, Frau Illner kann es nicht, auch Frau Will nicht – aber mit jener hat der öffentich-rechtliche Sender soeben auf weitere Jahre verlängert. Noch Fragen an das öffentiche Zwangsabgaben-Fernsehen? Wieder war die AfD der Themenschwerpunkt – die Herren Chefredakteure von ARD und ZDF leugnen zwar ihre Affinität zu den Rechtsaußen, aber das politische und journalistische Versagen der Sender wird jeden Tag offenbar. Gab es etwa einen Hintergrund, einen gescheiten Beitrag zur Europa-Vision des französischen Staatspräsidenten Macron: Eine Zeitung schrieb: „Er hat klar gesagt, was Juncker nicht gesagt hat . . . „. Das wäre ein Thema gewesen, eines von Relevanz – und nebenbei dem Grundversorgungsauftrag der Sender entsprechend. Stattdessen: AfD, immer wieder AfD, immer wieder – und dies auch noch als journalistisches Dünnbier. Furchtbar.

  5. Warum sollte Frau Petry auch auf Gysis Frage direkt antworten?
    Denn Maischberger ‚ging‘ sofort weiter und von Dhonanyi sagte dann schon die Erklärung, nämlich dass man es überhaupt nicht nötig hat, auf solche Fragen jetzt schon, in diesem noch sehr frühen Stadium zu antworten.
    Die Öffentlichkeit wird es schon früh genug erfahren, wenn alle Aspekte ihres und ihres Mannes handeln bis zu Ende durchdacht oder auch evtl. schon zu Ende gedacht sind.

    Im übrigen sind die Sendungen „Maischberger“ Gott sei Dank, immer frei von im Studio sitzenden sog. Klatschaffen! Wobei ich mich oft genug frage, in welcher Welt wir eigentlich leben.
    Allein schon deshalb sind ihre Talkshows für mich immer sehenswert!

  6. Vielleicht habe ich es übersehen aber hiess es nicht irgendwann dieses Jahr, das die Gästeliste zeitnah
    zusammengestellt wird. Dann entfallen Ausreden, man hätte nicht so schnell reagieren können.

    Allerdings haben vermutlich alle Talkshows alle Parteien jetzt da sitzen um herumzudiskutieren und sich selbst zu präsentieren und wer nicht eingeladen ist schickt vielleicht seine Anwälte usw.
    Sendungen mit Content und mehr Kommentierern und weniger Partei-PR-Vertretern sind hingegen ähnlich unbeliebt wie gutes Vollkorn vs. Weißbrot also bleibt man (auch wegen der Quoten) dabei um nicht auf Arte oder 3sat 1 Uhr Nachts abgeschoben zu werden.

    Solche Sendungen und auch Duelle bringen das Land nicht voran. Wer älter ist (weil er den neuen Markt mitbekommen hat), (wieder)erkennt die häufige Selbstbedienungs-Mentalität.

    Gute Sendungen sammeln anonym und ohne Speicherung der IP-Nummer Knallerfragen aus dem Internet.
    Die Kommentar-Ideen mit echter Townhall und auch mit DAX-Konzern-Direkt-Befragung waren ja sofort ein Erfolg.

  7. Überzeugende Beweisführung, warum es reine Stromverschwendung ist, sich billig zu produzierende Talkrunden der GEZ-Medien anzuschauen. Die Bestätigung dafür kann man bei Winterbauer nachlesen.

  8. Genau. Noch mehr und immer mehr PR für Rechtsextreme. Nein, ich glaube nicht mehr an bloße Dummheit bei euch „Journalisten“.

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