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Peinlicher Fehler bei Mopo-Protestaktion: DuMont rügt Schreiben der Hamburger Politik

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Der Brandbrief der Hamburger Bürgerschaft, der sich gegen die geplanten Personalschnitte der Hamburger Morgenpost wendet, stößt der Kölner DuMont Mediengruppe sauer auf. In ihrer Protestaktion hatten die Fraktionsvorsitzenden mit falschen Angaben den Stellenabbau bei der Boulevardzeitung gerügt. Zudem kritisieren die Kölner Mopo-Eigner in einer Replik, dass die Politik in „Vogel-Strauß-Manier“ die Probleme der Medienhäuser ignoriere.

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Es war ein Appell aller Hamburger Parteien, den geplanten Stellenabbau bei der Hamburger Morgenpost zu überdenken. „Die angekündigten Kürzungen bei der Mopo sind ein schwerer Schlag für den Medienstandort Hamburg. Unsere Demokratie braucht die Kontrolle der Medien. Eine massive personelle Schwächung der Traditionszeitung wie die Mopo gefährdet dieses wichtige Zusammenspiel zwischen Politik und Medien für die Demokratie“, heißt es in dem Brief, den die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien unterzeichnet haben.

Doch das Schreiben stößt dem Eigentümer der Mopo, der Kölner DuMont Mediengruppe, sauer auf. Irrtümlicherweise hatten die Fraktionschefs der Hamburger Bürgerschaft in ihrem Brief an DuMont den „Abbau von 65 Stellen“ kritisiert, tatsächlich sind es aber nur elf Arbeitsplätze. DuMont geht daher mit den Unterzeichnern des Schreibens hart ins Gericht: „Offenkundig haben sie sich von gezielt platzierten Falschinformationen leiten und damit instrumentalisieren lassen. Dies erstaunt umso mehr, da die Chefredaktion ihre medienpolitischen Sprecher bereits am 23. August detailliert über unser Vorhaben informiert haben“, erklärt der DuMont-Vorstand – und erklärt weiter: „Ihr auf falsche Angaben basierender Appell ist offenbar ungeprüft von allen Fraktionen in der Hamburger Bürgerschaft übernommen und gezeichnet worden. Ein bemerkenswerter Vorgang angesichts der aktuellen politischen Debatten in unserem Lande – populistisch, faktenfrei, undifferenziert“. Mach MEEDIA-Informationen haben die Parteien das Schreiben in korrigierter Fassung bereits nachgereicht.

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Doch das ist nicht alles, was die DuMont-Führung Hamburgs Fraktionsspitzen ankreidet. So würde die Politik zu wenig tun, um die Rahmenbedingungen für die Medien zu verbessern, die zunehmend unter der digitalen Transformation litten. „Wir lehnen es jedoch ab, in Vogel-Strauß-Manier den digitalen Wandel in der Hoffnung zu ignorieren, dass sich die Herausforderungen von selbst lösen. Wir von Seiten DuMonts haben uns dazu entschieden, für die nachhaltige Zukunftssicherung der Mopo einzutreten“, heißt es in dem Schreiben. „Wenn wir die regulativen Rahmenbedingungen und Äußerungen vieler Vertreter der politischen Klasse beobachten, lässt sich dieser erforderliche Wille von Seiten der Politik jedoch noch nicht zwingend ablesen – aber es bleibt zu oft bei Lippenbekenntnissen, ohne sich mit der Thematik differenziert auseinanderzusetzen“.

Wie berichtet, plant DuMont nach mehreren Sparrunden in der Vergangenheit, erneut elf Stellen abzubauen. Davon neun in der Redaktion sowie dem Layout und zwei weitere im Verlag. Doch es gibt nicht nur personelle Einschnitte. Auch die Struktur ändert sich. Ab dem 1. Januar nächsten Jahres wird der Politikteil der Zeitung nicht mehr in der Hansestadt produziert, sondern in Berlin. In Branchenkreisen kursieren Befürchtungen, dass die Zeitung durch die jetzigen Maßnahmen weiter an verkaufter Auflage verlieren wird. Diese sank in den vergangenen beiden Jahren um rund 18 Prozent auf inzwischen nur noch 71.313 Exemplare. Die Hamburger Morgenpost gehört zu einem der traditionsreichsten Boulevardblätter des Landes. Die Erstausgabe erschien am 16. September 1949. Bis 1980 war das Blatt fest in der Hand der SPD. Nach zahlreichen Eigentümerwechseln ging die Zeitung 2009 zur Mediengruppe DuMont. Mopo-Geschäftsführer sind Susan Molzow und Michael Braun. Chefredakteur ist Frank Niggemeier.

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