Anzeige

#trending: Frauke Petry und die AfD, die Politisierung der Gesellschaft, „Rockstar“ und der Wahlkampf in Österreich

jens-trending-newsletter-NL-grafik.jpg

Guten Morgen! Spätestens seit der "Berliner Runde" am Sonntagabend freue ich mich massiv auf die neue Legislaturperiode des Bundestags. Sicher nicht wegen der bevor stehenden Provokationen der AfD, aber deswegen, weil die eine oder andere Partei nach dem Wahlergebnis aufgewacht zu sein scheint. Sollte es eine Jamaika-Koalition geben - und eine Opposition von Links und Rechts - dann könnten Phoenix Rekordquoten bevor stehen.

Anzeige
Anzeige

#trending // News & Themen

Auch am Tag nach der Bundestagswahl spielte der Einzug der AfD in das Parlament die entscheidende Rolle in den sozialen Netzwerken. Drei Themen-Aspekte ragten dabei besonders heraus: Frauke Petrys Verlassen der Fraktion, bevor diese überhaupt gegründet wurde, das stärkste Wahl-Ergebnis der Partei in Sachsen – und das schlechteste in Münster.

Der nach Social-Media-Interaktionen erfolgreichste journalistische Artikel war am Montag im deutschsprachigen Raum die Spiegel-Online-Story „Verzicht auf Fraktionsmitgliedschaft: AfD-Chefin Petry sorgt für Eklat„. 24.200 Likes, Reactions, Shares, Kommentare und Retweets kamen bei Facebook und Twitter zusammen. Ebenfalls mit Petry gepunktet haben Focus Online (8.900) und Zeit Online (4.400).

Platz 2 der Social-Media-Charts ging an die Welt, die in „Bundestagswahl 2017: In dieser Stadt hat die AfD keine Chance“ über Münster berichtete, den laut Welt einzigen Wahlkreis, in dem die AfD unter 5% blieb. 22.800 Interaktionen gab es für den Artikel. Das Gegenteil war in Sachsen der Fall: Dort wurde die AfD sogar stärkste Partei vor der CDU. Artikel zu diesem Ergebnis schafften es gleich fünfmal in die Top 15. Spiegel Online erreichte hier 8.700 Interaktionen, Tag24 rund 6.000, Focus Online 5.900, die Welt 5.200 und n-tv 5.000.

#trending // Social Media

Was ich momentan sehr spannend finde, ist die offensichtliche Politisierung der Gesellschaft. Längst nicht nur durch die AfD lässt sich das erkennen. In den vergangenen Wochen dominierte der Wahlkampf die Diskussionen in den sozialen Netzwerken, die Interaktionen der Politiker und Parteien wuchsen in diesen Wochen massiv.

Insbesondere im jungen Publikum scheint es ein erhöhtes Interesse für Politik zu geben. Indizien gibt es dafür zumindest einige: So war der Wahl-Livestream von RTL II am Sonntagabend auf Facebook der erfolgreichste aller deutschen Medien – vor Bild, „Tagesschau“, etc. 830.000 Views verzeichnete er. Die Nummer 1 der YouTube-Trends war in Deutschland am Montag mit über 520.000 Views eine neunminütige hoch-seriöse, aber leicht verständliche, junge Zusammenfassung der Wahlergebnisse des YouTubers MrWissen2go.

Auch im linearen Fernsehen gibt es erstaunliche Zahlen: Bei den 14- bis 19-Jährigen erreichte die „Berliner Runde“ von ARD und ZDF am Sonntagabend einen gemeinsamen Marktanteil von 28%. Bei den 20- bis 29-Jährigen ähnliche 28,1%. Und das u.a. gegen „Ninja Warrior“ auf RTL und Blockbuster bei ProSieben und Sat.1.

Spannend wird nun, wie sehr sich diese Politisierung auch in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren fortsetzt. Der Einzug der AfD in den Bundestag, die stzarken Zahlen für FDP, Linke und Grüne – und die damit vorhandene wohl größte Meinungsvielfalt seit Ewigkeiten könnte der Politik und der Demokratie zu einem neuen Frühling verhelfen.

Anzeige

#trending // Entertainment

Kleine Pause von der Politik in #trending: Der Song der Stunde heißt „Rockstar“ und stammt vom Rapper Post Malone. Der Song ist seit wenigen Tagen auch die Nummer 1 der deutschen Spotify-Charts, zudem die Nummer 1 in 19 anderen Ländern inklusive der USA und Großbritannien, sowie der Welt-Charts. 5,5 Millionen mal wurde „Rockstar“ am Sonntag weltweit bei Spotify abgespielt – rund 2 Millionen mal mehr als die Nummer 2 der Charts. Für Post Malone ist das der größte Hit seiner bisherigen Karriere. Interessante Zusammenhänge zum Thema, ob Rapper die neuen Rockstars sind, bietet ein Video von Genius News.

#trending // Worldwide

In Deutschland ist der Wahlkampf nun zu Ende, bei unseren Nachbarn in Österreich beginnt gerade erst die heiße Phase. Dort wird am 15. Oktober ein neues Parlament gewählt. Seit der Verkündung von Neuwahlen und dem Antritt des neuen ÖVP-Kandidaten Sebastian Kurz hat sich in den Umfragen extrem viel getan. So droht der SPÖ ein neuer Minusrekord, die Grünen könnten die Hälfte ihrer 12,4%verlieren, aber auch die FPÖ von Heinz-Christian Strache ist im Vergleich zum Sommer von bis zu 35% auf nun 25% zusammen geschrumpft. Kurz scheint der Sieg schon sicher.

Bei einigen Akteuren liegen daher offenbar die Nerven blank, angesichts einer harten Boulevardpresse in Form von „Krone“ und „Österreich“ ist das aber auch kein Wunder. Noch-Bundeskanzler Christian Kern hat auf Facebook am Montagabend nun seinen kompletten Bruch mit der Zeitung „Österreich“ von Wolfgang Fellner verkündet und damit in zwei Stunden mehr als 4.000 Interaktionen eingesammelt. „Die Tageszeitung ‚Österreich‘ führt eine Kampagne gegen meine Person. Jeden Tag werden verleumdende Texte und abwertende Fotomontagen veröffentlicht. Offenbar erwartet sich der Herausgeber dadurch mit anderen Kandidaten bessere Geschäfte. Die moralische Qualifikation in diesem Fall überlasse ich gerne anderen. Aber es ist mein gutes Recht zu sagen: Ich mache da nicht mehr mit. Keine Interviews mit mir in ‚Österreich‘, keine TV-Diskussionen auf oe24. Und natürlich auch keine Wahlkampf-Inserate“, so Kern.

Auslöser war offensichtlich die Titelstory der Sonntags-Ausgabe von „Österreich“, in der aus einem „geheimen Kern-Dossier“ zitiert wird, das die SPÖ vor einigen Monaten selbst in Auftrag gegeben habe. Über Kern steht dort u.a. zu lesen: „Er hat ein äußerst schwaches Nervenkostüm und ein Glaskinn. Er ist eine Prinzessin und ungemein eitel. Er ist sehr unsicher. Er hat ein Vertrauensproblem und will unbedingt geliebt werden. Er hält Kritik (mediale Schelte) nicht aus und reagiert nervös, um nicht zu sagen panisch.“

Ich bin vor 16 Monaten in die Politik gegangen, um Verantwortung für die Zukunft unserer Landes zu übernehmen. Nach all…

Posted by Christian Kern on Montag, 25. September 2017

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – „Fünf-Prozent-Hürde geschafft: Sonstige ziehen in Bundestag ein“ (42.800 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Der Postillon – „Fünf-Prozent-Hürde geschafft: Sonstige ziehen in Bundestag ein“ (1.700 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Der Tagesspiegel – „Sturm auf die Grenzen

Google-SuchbegriffAnne Will (50.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteBundestagswahl 2017(133.700 Abrufe)

Youtube-Video: MrWissen2go – „AfD im Bundestag! Wahl vorbei! Und jetzt? #analyse

Song (Spotify): Post Malone – „Rockstar“ (327.400 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon): Kollegah & Farid Bang – „Jung Brutal Gutaussehend 3 (JBG3 Limited Steelbox) Box-Set, Limited Edition“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ [Blu-ray]

Game (Amazon): „FIFA 18 – Standard Edition“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Manuela Herzfeld und Joelle Herzfeld – „Unsere Lieblingsrezepte: Vier Hände, zwei Herzen, ein Thermomix“ (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „das sind nur 200 Leute“ oder so ähnlich meinte Stefan Raab neulich über manche Twitter-Storms.
    War die Wahlbeteiligung höher ? Dann ist mit Zuname im Internet durch Wegsterben und Nachwachsen zu rechnen.
    Und wie sich Rechte im Landtag blamiert haben wissen die Archive. Und das „mal endlich echte Opposition“ von SPD unter schwarz-gelb und von FDP unter Schwarz-Rot schon nicht geliefert wurde (oder kann sich hier jemand erinnern ?) und Füller wichtiger sind, ist allgemein bekannt.
    Und die „echte wirksame überlegene Opposition“ wäre nicht von 24% ist auf 13% abgesunken.
    http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/sachsen-anhalt.htm
    Wäre sie wirklich so gut, hätten sie längst 30%. Die halten sich also demnächst dauerhaft bei 5%+x% weil sie nur durch Protest auf 13% gekommen waren wie schon jemand anders hier woanders kommentierte. Und die Abspaltung zwischen Konservativen und Rechten erinnnert an die jahrzehnt(e?)lange Realos-vs-Fundis-Debatten der Grünen. Waren das damals die Fraktion mit der keiner was zu tun haben wollte ? Fragt Eure Eltern oder Großeltern.

    http://meedia.de/2016/10/13/die-gesamte-raffke-liste-gericht-gibt-bild-in-der-montblanc-affaere-recht/ oder natürlich wikipedia:Bonusmeilen-Affäre oder „(CSU)“ in wikipedia:Visa-Affäre
    Da bleibt ja nur noch Protestwahl.

    Und wofür FDP steht, kümmert wohl keinen:
    – Krim-Annektierungs-Anerkennung: http://meedia.de/2017/08/07/lindner-auf-populistischen-abwegen-oder-mit-gelungener-provokation-des-gegners-das-medien-echo-auf-die-krim-aeusserungen-des-fdp-chefs/
    – Sozial-Abbau
    – Autobahnverkauf (?)
    – Politik nicht wirklich für den Mittelstand sondern für die Großkonzerne. In den USA gibts keinen Mittelstand mehr ist häufiger Spruch bei bei CNBC.
    http://www.golem.de/news/german-datacenter-association-betreiber-von-rechenzentren-gruenden-lobbygruppe-1708-129450.html
    Im Sinne des Großkonzernes soll also Vektoring mit Zillionen gefördert werden und DSL-50.000 ist für Familien, Unternehmen und natürlich Wohngemeinschaften angeblich „gut genug“ weil der Großkonzern es will und die meisten andern (sogar CDU-Anhänger) wohlweislich wissen was der wahre Weg wäre ? http://www.golem.de/news/foerderung-50-mbit-s-sind-deutlich-zu-wenig-1708-129317.html
    Ist Lindner also für „Vektoring statt Glasfaser“ und Straßen in ein paar Jahren doppelt aufzureissen ? Jeder wahre (angeblich politisch interessierte) Internet-Aktivist unterstützt durch FDP also womöglich „Vektoring statt Glasfaser“ über Jahrzehnte weil das womöglich die Abschreibungsfristen sind und die KabelTVKabel oft seit den 70ern(?) in der Erde liegen und man folglich eher den Tesla-Zwei mit 30Minuten-Voll-Ladung und 500km-Reichweite und das iPhone-X12 hat als jemals für die Familie oder Firma Glasfaser bekommt und ganze Stadtteile von der Zukunft ausgeschlossen sind.
    Und weil die IT-Branche das mooresche Gesetz hat und die Kosten sich alle zwei Jahre halbieren, sind jegliche Subventionen überflüssig. E-Bikes haben auch keine Subventionen bekommen und sich auf 10%-20% durchgesetzt.

    http://meedia.de/2017/03/15/die-medienwg-burdaforward-lockt-mit-wohngemeinschaften-neue-mitarbeiter-nach-muenchen/
    Wie viele Wohnungen haben die also in Hamburg oder München gebaut ? Damit ist klar ob sie für Vermieter (also eine Minderheit) oder Mieter (also das Volk) arbeiten. Keinen kümmert es.
    http://www.golem.de/news/vectoring-landkreise-kritisieren-ueberbauen-von-glasfaser-1707-128953.html
    http://www.golem.de/news/verbaende-telekom-will-nur-unter-druck-glasfaser-breit-ausbauen-1709-129904.html

    Und das die Opposition nur die Hälfte kriegen sollte, sollte angesichts des Verzichtes der SDP klar werden. Opponieren geht auch von zu Hause.

    Hoffentlich setzt sich Facebook Life als Alternative zu Pressekonferenzen endlich mal durch. Dann muss man sich endlich mal hoffentlich den Fragen vom Volk stellen.

    Wer also schlau ist dokumentiert die damaligen Rechten in den damaligen Landtagen, damit man vorher Bescheid weiss und nicht überrascht tut, weil man sich nicht erinnert. Damit könnte man morgen/übermorgen Trending-Thema hier werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*