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Die Facebook-Wahlkampf-Sieger 2017: Martin Schulz, Christian Lindner und die AfD

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Auch wenn die Umfragen weiterhin überhaupt nicht für Martin Schulz und die SPD sprechen: Im Facebook-Wahlkampf hat er viel richtig gemacht. Laut einer MEEDIA-Auswertung liegt er unter allen deutschen Politikern in Sachen Interaktionen vorn, schlug zudem alle Konkurrenten in Sachen Video Views und Pagelike-Zuwachs.

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Für unsere Analyse kurz vor der Bundestagswahl haben wir die heiße Phase des Wahlkampfs ausgewertet – den Zeitraum vom 1. August bis 22. September. Mit Hilfe des Facebook-Tools Crowdtangle haben wir die relevanten Zahlen aller auf Facebook aktiver Bundestagsabgeordneter, zudem zahlreicher Spitzenpolitiker der nicht im aktuellen Bundestag vertretenen Parteien, sowie die der Partei-Seiten ausgewertet.

 

  • Interaktionen / Politiker

Martin Schulz sammelte im oben genannten Zeitraum 1,229 Mio. Likes, Reactions, Shares und Kommentare mit seinen Facebook-Posts ein – so viele wie kein anderer deutscher Politiker und rund eine halbe Million mehr als die beiden Haupt-Konkurrenten. Die heißen Alice Weidel und Angela Merkel – und sie trennen nur 2.000 Interaktionen. Auf den weiteren Rängen folgen mit Christian Lindner und Sahra Wagenknecht die Spitzenkandidaten von FDP und Linken. Frauke Petry folgt als erste Nicht-Spitzenkandidatin auf Platz 6, auch Jörg Meuthen, Petr Bryston und Björn Höcke haben es von der AfD noch in die Top Ten geschafft. Nicht auf den ersten zehn Plätzen vertreten sind die beiden Spitzen der Grünen: Cem Özdemir kam auf 85.800 Interaktionen, Katrin Göring-Eckardt nur auf 23.800.

Facebook: Top 10 deutsche Politiker nach Interaktionen
Politiker Interaktionen*
1 Martin Schulz 1.229.000
2 Alice Weidel 730.000
3 Angela Merkel 728.000
4 Christian Lindner 601.500
5 Sahra Wagenknecht 568.000
6 Frauke Petry 542.200
7 Jörg Meuthen 533.200
8 Gregor Gysi 173.200
9 Petr Bryston 88.100
10 Björn Höcke 87.900
*: 1. August bis 22. September 2017 / Daten-Quelle: Crowdtangle / Recherche+Tabelle: MEEDIA
  • Interaktionen / Parteien

Bei den Parteien ist die AfD die klare Nummer 1. Mit 1,282 Mio. Likes & Co. erreichte sie mit ihren Posts fast so viele wie die vier nächsten Parteien zusammen. Die heißen SPD, Linke, Die Partei und CSU. Schwach schneiden hier die CDU und Bündnis 90 / Die Grünen ab, die sich sogar noch hinter der NPD einreihen.

Facebook: Top 10 deutsche Parteien nach Interaktionen
Partei Interaktionen
1 AfD 1.282.000
2 SPD 408.500
3 Die Linke 341.500
4 Die Partei 306.800
5 CSU 303.400
6 FDP 269.900
7 NPD 229.100
8 CDU 227.600
9 Bündnis 90 / Die Grünen 164.900
10 Freie Wähler 47.400
*: 1. August bis 22. September 2017 / Daten-Quelle: Crowdtangle / Recherche+Tabelle: MEEDIA
  • Video Views

Auch in Sachen Bewegtbild liegt Martin Schulz vorn: 15,37 Mio. Views sammelte er mit seinen Videos zwischen dem 1. August und dem 22. September ein. Christian Lindner erreichte ebenfalls eine achtstellige Zahl: 11,78 Mio. Dahinter gibt es dann eine Überraschung: Die Grünen, die bei den Interaktionen recht abgeschlagen ins Ziel kamen, schlagen hier sogar die AfD und liegen mit 6,23 Mio. Abrufen auf Platz 3. Allein der offizielle Wahl-Werbespot der Grünen kam auf 2,41 Mio. Views. Wie immer gilt übrigens: Aus den Zahlen ist nicht herauszulesen, wie viel für einzelne Posts, Videos, etc. mit monetärem Einsatz geworben wurde. Die hohe Zahl von Views und die vergleichsweise geringe Zahl an Interaktionen lässt zumindest die Spekulation zu, dass der Grünen-Werbespot auf Facebook beworben wurde. Nicht in die Top Ten nach Video Views geschafft haben es die CDU und Angela Merkel.

Facebook: Top 10 deutsche Politiker/Parteien nach Video-Views
Politiker / Partei Video Views
1 Martin Schulz 15.370.000
2 Christian Lindner 11.780.000
3 Bündnis 90 / Die Grünen 6.230.000
4 AfD 6.200.000
5 Die Linke 5.650.000
6 SPD 4.930.000
7 Alice Weidel 4.370.000
8 Sahra Wagenknecht 3.700.000
9 FDP 2.350.000
10 Cem Özdemir 1.900.000
*: 1. August bis 22. September 2017 / Daten-Quelle: Crowdtangle / Recherche+Tabelle: MEEDIA
  • Pagelike-Zuwachs

Als letztes Kriterium haben wir uns angeschaut, wie sich die Zahlen der Facebook-Pagelikes entwickelt haben, der Fans also, wie es früher hieß. Das Wachstum ist dabei unserer Meinung nach das entscheidendere Kriterium für Erfolg im Wahlkampf als die Gesamtzahl der Pagelikes. Hier führt Angela Merkel ohnehin uneinholbar mit 2,5 Mio., weil sie als Staatschefin extrem viele Interessenten im Ausland auf ihre Facebook-Seite lockt.

Beim Zuwachs hingegen bleibt Merkel nur Rang 10 mit einem Plus von 21.900. Die meisten neuen Freunde hat hingegen wiederum Martin Schulz gewonnen: 108.100. Auf den weiteren Plätzen folgen Christian Lindner und Alice Weidel. Sehr erfolgreich auch hier: die Satire-Partei Die Partei mit einem Plus von 40.000. Und auch hier verpasste die CDU den Sprung in die Top Ten – mit einem Zuwachs von 19.000 Likes.

Facebook: Top 10 deutsche Politiker/Parteien nach Pagelike-Zuwachs
Politiker / Partei Pagelike-Zuwachs
1 Martin Schulz 108.100
2 Christian Lindner 68.300
3 Alice Weidel 52.100
4 AfD 42.600
5 Die Partei 40.000
6 FDP 36.400
7 Die Linke 35.000
8 Jens Spahn 28.000
9 SPD 25.600
10 Angela Merkel 21.900
*: 22. September vs. 1. August 2017 / Daten-Quelle: Crowdtangle / Recherche+Tabelle: MEEDIA
  • Die Interaktions-reichsten Posts
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Die zwei Politiker- oder Parteien-Posts mit den meisten Likes & Co. kamen ebenfalls von Martin Schulz, dahinter folgen jeweils einer von Christian Lindner,  und einer von Sahra Wagenknecht:

Ich wünsche allen, die jetzt das Opferfest feiern, segensreiche und friedliche Feiertage im Kreise ihrer Nächsten.Wer…

Posted by Martin Schulz on Donnerstag, 31. August 2017

Der AfD und ihrem Spitzenhetzer Gauland muss man klar entgegentreten. Dafür steht meine Partei, dafür stehe ich….

Posted by Martin Schulz on Montag, 4. September 2017

Ich bin Politikwissenschaftler – ich weiß nicht, welcher Antrieb der Beste ist und sich in Zukunft durchsetzt. Der Cem Ö…

Posted by Christian Lindner on Donnerstag, 14. September 2017

An alle Rassisten: „I AM NOT YOUR NEGRO!“„Ein schwarzer Affe“, „Volksverräter“ und das „N-Wort“ sind nur einige der…

Posted by Dr. Karamba Diaby on Montag, 21. August 2017

Behauptung von Olaf Scholz gestern Abend bei Anne Will: Ich sei genau wie Trump eine Verschwörungstheoretikerin, weil…

Posted by Sahra Wagenknecht on Montag, 28. August 2017

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Alle Kommentare

  1. „Bündnis 90 / Die Grünen ab, die sich sogar noch hinter der NPD einreihen.“
    Denen verdanken wir das heutige Internet und beispielsweise die UMTS-Versteigerung also UMTS-Preise. Zukunftsfähig sind die also nicht besonders.

    „Bei den Parteien ist die AfD die klare Nummer 1.“. Da hätte man vielleicht auf das Visits-vs.-Visitors-Problem hinweisen können. Wenn sich dort viele Unzufriedene tummeln muss das nicht mit den Wahlprozenten korrelieren. „Der durchschnittliche CDU/AFD/FDP/…-Fan liked im Schnitt X Partei-Beiträge und Y Partei-Politiker seiner Lieblingspartei“ bzw. nicht die Zahl der Likes sondern der Likers wären vielleicht mal interessante Analysen.

    Schlimm ist angesichts der Offensichtlichkeit durch http://www.wahlrecht.de/umfragen/ der überflüssige Hype in der Presse (und speziell am Wahlabend) der stark an Phelbs vs. Shark oder die riesige Werbekampagne vor dem Mayweather-Kampf erinnert.
    Beim „Dritten“ geht es nicht um „darf Championsleague spielen oder nur Europe-League“ sondern wer von AfD, FDP, Linke auf 11%, 10.5%, 10% kommen als ob das ein Unterschied wäre.

    Die Selbstbedienungsmentalität wird wohl nicht aufhören. Das System versagt täglich und die Hälfte aller Krisen war VORHERSEHBAR.
    http://meedia.de/2016/10/13/die-gesamte-raffke-liste-gericht-gibt-bild-in-der-montblanc-affaere-recht/
    Und bei der nächsten Wahl erinnert sich keiner mehr an die leeren Versprechen von heute.

    Ihr solltet mal die Sterbetabellen nehmen und durchrechnen wie viele Rentner jährlich wegsterben und wie viele Millenials jährlich nachrücken. Vielleicht hat auch die Wahlbehörde solche Infos. Im aktuellen Bundestag ist Internet wohl noch nicht so wichtig und bald sind die ersten Millenials 30 und erkennen endlich, das Politik und Boni-Management oft genug nicht liefert und ein Studium weniger einbringt als nach dem Krieg ein Realschul-Abschluss beim Autokonzern (Haus, zwei Kinder, Frau muss nicht arbeiten).
    http://meedia.de/2017/09/21/wie-feste-freie-bei-der-ard-arbeiten-eindruecke-vom-unteren-ende-der-oeffentlich-rechtlichen-nahrungskette/

  2. Innenpolitisch sind einige Korrekturen notwendig – aber bitte keinesfalls durch die AfD. Frische Impulse und fähige Macher müssen hierzulande die künftige Politik bestimmen; die eingelatschten Trampelpfade müssen verlassen werden!

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