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Die Apple Watch 3 fällt bei Kritikern wegen Verbindungs-Problemen und schwachem Akku durch – Apple vertröstet mit Software-Update

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Die Apple Watch Series 3 © Apple

Die Apple Watch 3, deren Mobil-Variante mit LTE-Chip gerade noch vermeintlich bessere Vorbestellungen verbuchen konnte, muss einen unerwarteten Rückschlag verkraften. Wie zahlreiche Testberichte bemängeln, die heute publiziert wurden, ist auch die dritte Generation von Apples Smartwatch längst noch nicht ausgereift: Ausgerechnet die LTE-Variante verursacht Verbindungsprobleme bei der Telefonie, während die Batterielaufzeit durch die GPS und LTE Nutzung stark reduziert wird. Die Apple-Aktie bricht ein.

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Apples lange Historie von Problemen bei neu eingeführten Produkten setzt sich fort. 2010 überschatteten Empfangsprobleme (das legendäre „Antennagate“) den iPhone 4-Launch, zwei Jahre später vermasselte der neu eingeführte Kartendienst Maps, der als Teil von iOS 6 alle iPhones betraf, dem neuen iPhone 5 bessere PR, wieder zwei Jahre später  sorgte das iPhone 6 wenige Tage nach dem Launch mit dem „Bendgate“  (leichte Biegbarkeit der dünnen, neuen iPhones) für Negativschlagzeilen.

Nun hat Apple einen neuen Problemfall: das Connectivity-Gate. Diesmal ist nicht das iPhone betroffen, sondern die dritte Generation der Apple Watch, die am Freitag in den Handel  kommt, im Vorfeld aber bereits von ausgewählten Kritikern getestet wurde. Die Kritiken wurden gestern veröffentlicht – und sie fielen wie schon tags zuvor beim iPhone 8 weitgehend vernichtend aus.

„Anrufe, Siri, Nachrichten funktionierten nicht“: The Verge zerlegt Apple Watch mit LTE im Test

Anders als beim als überflüssig betrachteten iPhone 8 und iPhone 8 Plus hat sich Apple bei der neuen Generation seiner Smartwatch offenbar einen Lapsus erlaubt – etwas stimmt mit dem Verbindungsaufbau der nun mit einem LTE-Chip betriebenen Apple Watch nicht, und auch der Akku macht Probleme, wie Tester zu berichten wissen.

Die vernichtendste Kritik kommt vom Tech-Portal The Verge – der Erfahrungsbericht von Redakteurin Lauren Goode liest sich wie ein schlechter Betatest. „In einem meiner ersten Tests habe ich das iPhone in den Flugmodus gestellt (damit sich keine Verbindung  aufbauen kann und die mobile Verwendung der LTE-Apple Watch getestet werden konnte) und ich habe versucht, Nachrichten zu verschicken, Siri zu benutzen und Anrufe über die Watch zu tätigen. Das funktionierte aber nicht. Ich habe Siri eingestellt. Es funktionierte nicht. Siri antworte nicht, was das neue Feature der 3er-Series der Watch sein sollte.“

The Verge-Urteil über mobile Apple Watch: „Ruft mich weiter auf dem iPhone an“

Anrufe konnte Goode nur tätigen, wenn sie direkt in die Kontaktliste  oder in die Liste der verpassten Anrufe klickte. Ärgerlicher noch: Wenn die The Verge-Redakteurin sich an Orten mit WLAN-Zugang aufhielt, versuchte die Apple Watch sofort eine Verbindung zum WLAN-Signal aufzubauen und daran festzuhalten, selbst wenn die Balkenstärke noch so schwach war und das Netzwerk als nicht sicher eingestuft wurde.  Goodes Forderung: Ihr solltet mich weiterhin auf meinem iPhone anrufen.

Und mehr noch: Auch die Batterieleistung der LTE-Modells entpuppte sich als große Enttäuschung: „Um 11:42 am Morgen, nachdem ich 60 Minuten mit der LTE-Apple Watch verbracht hatte, mehrfach versucht hatte, Siri zu benutzen und zweimal über sieben Minuten telefoniert hatte, war der Akku bereits auf 27 Prozent zusammengeschmolzen.“

LTE-Chip saugt Apple Watch-Akku schnell leer
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„Meine nicht mobile Apple Watch hält zwei Tage. Nur ein halber Tag LTE-Nutzung wäre schon ziemlich gut“, arbeitet auch Apple-Blogger Neil Cybart die großen Akku-Unterschiede der Apple Watch-Modelle heraus.

Damit nicht genug: Auch bei den renommiertesten Zeitungen der Welt fiel die Apple Watch Series 3 durch. Die New York Times etwa hält die zusätzlichen Kosten für die LTE-Version für nicht gerechtfertigt.

New York Times und Wall Street Journal: „Apple Watch Series 3 nicht zu empfehlen“

„Die Mobil-Version ist ein Luxus, den die meisten Leute nicht brauchen. Der Preis, den man für die wenigen Momente ohne das iPhone zahlt, ist hoch: wenigstens 399 Dollar (in Deutschland: 449 Euro) für die Hardware und 10 Dollar im Monat für die Mobilfunkverbindung. Ich habe sehr wenige Gründe gefunden, die Uhr ohne mein iPhone zu benutzen, die diese Extrakosten rechtfertigen würden.“

Das Wall Street Journal störte sich ebenfalls an der  mangelnden Verlässlichkeit des Verbindungsaufbaus: „Ein Mobilfunkgerät ist, manchmal sogar wörtlich, ein Rettungsanker. Daher kann ich die Apple Watch Series 3 nicht empfehlen, bis der Verbindungsaufbau verlässlicher ist. Und selbst dann dürfte die (schwache) Batterieleistung die Apple Watch für einige ein Killer sein.“

Apple vertröstet mit Software-Update

Apple selbst sah sich nach den vernichtenden Kritiken zu einem Statement genötigt und erklärte am Nachmittag: „Wenn sich die Apple Watch mit ungeprüftem WLAN-Netzwerk verbindet, ohne eine Internet-Verbindung herzustellen, kann das manchmal dazu führen, dass die Uhr keine Mobilverbindung aufbaut“, musste der wertvollste Konzern  der Welt eingestehen. „Wir arbeiten an einer Software-Lösung in der Zukunft“, teilte Apple weiter mit.

In anderen Worten: Auch die dritte Generation der Apple Watch ist erneut nicht ausgereift. Anleger reagierten schockiert auf die Test-Kritiken und Apples Eingeständnis des fehlerhaften Verbindungsaufbaus und ließen die Apple-Aktie in der Spitze um 5 Dollar oder 3 Prozent fallen, ehe eine moderate Kurserholung einsetzte. Am Ende eines freundlichen Handelstags, an dem der Leitindex Dow Jones auf einem neuen Rekordhoch notierte, schloss Apple knapp zwei Prozent tiefer bei nur 156 Dollar.

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