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Wochenrückblick: Was es mit der mysteriösen Merkel-Moderationskarte von ZDF-Chefredakteur Frey auf sich hatte

iPhone X, Merkel-Moderationskarte, T-Online.de-Chefredakteur Florian Harms
iPhone X, Merkel-Moderationskarte, T-Online.de-Chefredakteur Florian Harms

In sozialen Netzwerken machte ein vermeintliches Skandälchen zur ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ die Runde. Ex-SpOn-Chef Florian Harms versucht, aus T-Online.de eine Marke mit journalistischem Wumms zu machen und das iPhone ist das wohl teuerste Wegwerfprodukt aller Zeiten. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Hat der allseits bekannte Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel da etwa einen handfesten Medienskandal aufgedeckt? Steinhöfel verbreitete an diesem Freitag via Twitter einen Screenshot aus der gestrigen ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“, einem weiteren Townhall-Format, in dem die Bundeskanzlerin Fragen von Bürgern beantwortete. Auf dem Screenshot sieht man die Hand von ZDF-Chefredakteur Peter Frey, der die Sendung zusammen mit Bettina Schausten moderierte. In der Hand hält Frey eine Moderationskarte auf der verschiedene Köpfe samt Notizen zu sehen sind. Augenscheinlich hat jemand die gedruckten Notizen handschriftlich ergänzt.

Steinhöfel schreibt dazu: „Anleitung zur Inszenierung ‚Bürger fragen, Merkel antwortet‘“. Der Screenshot mit der Moderationskarte machte auch an anderen Stellen im Social Web die Runde. Gerne garniert mit den üblichen Vorwürfen von den angeblichen „Lügenmedien“. „Betrug am Fernsehzuseher“, heißt ein weiterer Befund. Einige malten rote Kringel um die Karte. Geradeso, als ob es sich um ein wichtiges Beweisstück handle. Subtext: Das ZDF wurde beim Manipulieren erwischt, die Fragen und die Fragesteller waren vorher abgesprochen. Das ist schon interessant, wie solche Wellen entstehen, denn offensichtlich konnte keiner der Empörten lesen, was auf der Karte von Frey steht – die Screenshots sind allesamt zu unscharf.

Auf Nachfrage beim ZDF heißt es, es habe sich um eine Moderationskarte gehandelt, die der Orientierung im Sendeablauf gedient habe. „Zu den Fragestellern gehörten unter anderem auch Personen, die bereits im crossmedialen ZDF-Projekt #ichbindeutschland ihre Sicht auf die politische Stimmung in Deutschland kundgetan haben“, so ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn zu MEEDIA. Weiter sagt er: „Die Redaktion hat in der Vorbereitung der Sendung selbstverständlich auch geprüft, welche der eingeladenen Gäste zu welchen Themenkomplexen Fragen stellen könnten. In einer 90-minütigen, dynamischen Livesendung kann das aber nicht viel mehr sein als eine grobe Orientierung für die Moderatoren. Es war verabredet, dass die Protagonisten, die in einem Film vorgestellt werden und in einen Themenkomplex einführen, auch zu Wort kommen. Alle anderen Entscheidungen fielen während der Sendung.“

Das ist nun tatsächlich ein ganz normaler Vorgang, dass Redaktionen Fragesteller und Gesprächspartner vorab zu bestimmten Themenfeldern auswählen, etwa zu Bildung, sozialer Gerechtigkeit, innerer Sicherheit oder Steuern. Was die Bürger dann tatsächlich fragen oder nachfragen bleibt ihnen überlassen. Und natürlich werden vorab vor allem keine Fragen mit der Kanzlerin oder dem Kanzleramt abgesprochen – alles andere wäre ein echter Skandal. Dass ZDF-Chefredakteur Frey auf einer Moderationskarte Köpfe und kurze Stichpunkte zu Fragestellern hat, die als Gedächtnisstütze während der Livesendung dienen, das ist ebenso normal wie unspektakulär. Am einfachsten hätte das ZDF den Kritikern hier den Wind aus den Segeln nehmen können, indem man die Moderationskarte oder einen lesbaren Screenshot davon veröffentlicht hätte. Das aber wollte das ZDF auf Nachfrage dann leider doch nicht tun. Schade.

Was ist denn so Ihre erste Adresse für tiptop Qualitäts-Content journalistischer Natur in diesem Internetz? Spiegel Online? Zeit Online? Welt.de? Tagesschau.de oder heute.de? Ab dieser Woche buhlt ein neuer Mitspieler um das rare Gut Aufmerksamkeit: T-Online.de Wie? Was? Neu? T-Online.de gibt es doch gefühlt schon ewig. Stimmt, aber die Website hat nicht nur seit 2015 mit dem Werbevermarkter Ströer einen neuen Besitzer, sondern seit Anfang September dieses Jahr mit dem ehemaligen Spiegel Online-Chef Florian Harms auch einen neuen Chefredakteur. Und beide, Besitzer und Chefredakteur, haben erkennbare Ambitionen, aus T-Online.de eine journalistische Marke zu machen. T-Online.de war zwar schon immer eine der meist besuchten Websites der Republik, was aber nicht zuletzt daran liegt, dass die Seite bei Telekom-Internetkunden als Startseite im Webbrowser voreingestellt war. Nun soll Harms offenbar aus T-Online.de eine „richtige“ Medienmarke machen. Er startete diese Woche einen dieser Chefredakteurs-Früh-Newsletter, er verpflichtete eine Reihe namhafter Kolumnisten (u.a. Spiegel-Online Star-Autorin Anja Rützel), er heuerte einen Washington-Korrespondenten an und führte Interviews mit SPD-Außenminister Sigmar Gabriel und FDP-Chef Christian Lindner. So ein bisschen wirkt das, als ob Harms Spiegel Online bei T-Online.de nachbaut. Ob es dem neuen Mann mit teilweise neuer Mannschaft gelingen wird, tatsächlich publizistische Akzente zu setzen? Ganz leicht wird das nicht werden. More of the same braucht im heutigen Medienzirkus kein Mensch.

Diese Woche hat Apple das neue Wunder-iPhone mit der Typenbezeichnung X (sprich: Ten) vorgestellt. Endlich: kabelloses Laden! Gesichtserkennung! Fast randloses Display! Öhm, Moment. Das gab es doch alles schon anderswo. Aber halt nicht so toll und nicht so schick, mögen die Freunde des Apfels erwidern. So toll und schick ist das neue iPhone X, dass es in Deutschland selbst in der kleinen Variante mit 64 GB Speicher über 1.000 Euro kosten wird. Natürlich ist das unverschämt teuer und natürlich braucht sowas kein Mensch. Trotzdem gehe ich jede Wette ein, dass sich auch dieses Teil verkaufen wird, wie geschnitten Brot. Und beim nächsten DLD werden gefühlt 90 Prozent der Mover und Shaker mit dem neuesten iPhone X herumrennen. In zwei Jahren ist das megaschicke Science-Fiction-iPhone X dann schon wieder eine olle Kamelle und es gibt das nächste „beste iPhone aller Zeiten“ für 1.000 Euro plus X. Keine andere Branche hat es geschafft, dass Verbraucher derartig teure Produkte in derartig kurzer Zeit verschleißen. Smartphones im Allgemeinen und iPhones im Besonderen sind die wohl teuersten Wegwerf-Produkte aller Zeiten.

Und zum guten Schluss noch den lustigsten Film zur Bundestagswahl, den ich bisher gesehen habe, präsentiert vom Bohemian Browser Ballett:

Schönes Wochenende!

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