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Avancen für Gruner + Jahr in Amsterdam: Hamburger Firma schielt auf niederländische Auslandstochter

G+J-Chefin Julia Jäkel
G+J-Chefin Julia Jäkel

Das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr will seine niederländischen Verlagstochter veräußern. Der Gütersloher G+J-Konzernmutter Bertelsmann hat dazu einen strukturierten Verkaufsprozess eingeleitet. Jetzt meldet sich ein erster Interessent: die Hamburger Investmentfirma Axos MidCap. Sie hatte bereits Ende vergangenen Jahres die Auslandsaktivitäten des Magazinhauses in Spanien geschluckt.

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Von Österreich bis Russland, von China bis Polen – in den vergangenen Jahren hat sich das norddeutsche Magazinhaus Gruner + Jahr (Stern, Geo) immer stärker aus dem Ausland zurückgezogen. Nachdem Gruner + Jahr jüngst seinen Firmenanteil in China an den lokalen Miteigner Boda verkauft hat, steht nun eine weitere Tochter im Ausland zur Disposition: G+J in den Niederlanden. Hierfür hat der G+J-Mutterkonzern Bertelsmann „einen strukturierten Veräußerungsprozess“ eingeleitet. Dies verriet Konzernchef Thomas Rabe vergangene Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen. In Amsterdam verlegt Gruner + Jahr Magazine wie Glamour, National Geographic, Quest und die Modezeitschrift Vogue.

Jetzt hat ein erster Interessent den Finger für das reichhaltige Magazinportfolio gehoben: Axos MidCap. Die Hamburger Investmentgesellschaft liebäugelt offenbar mit einem Einstieg bei G + J in Amsterdam, wenn der Preis stimmt. „Wir finden das Thema interessant“, erklärt Hans-Gereon Früh, Geschäftsführer von Axos MidCap, gegenüber MEEDIA. Der Investor ist für Gruner + Jahr kein Unbekannter. Die Gesellschaft hatte Ende vergangenen Jahres die G+J-Aktivitäten in Spanien geschluckt. Dazu gehören Magazine wie Beef, Alberto Chicote, Geo, divinity, Marie Claire, Mia, Ser Padres und Muy Interesante, das Pendant zum deutschen PM-Magazin. Mia und Muy Interesante sind eigene Titel mit vielen Line-Extensions. „Sie bilden den größten Teil unseres Zeitschriften-Portfolios“, erklärte Früh einst gegenüber MEEDIA. Axos MidCap investiert vor allem in mittelständische Gesellschaften, die zwischen fünf bis 150 Millionen Euro umsetzen. Sie stellen die übernommenen Firmen neu auf und bauen das bestehende Produktportfolio aus.

Der Rückzug von Gruner + Jahr aus den Niederlande ist kein Einzelfall. G+J-Chefin Julia Jäkel verabschiedet seit Jahren aus dem Ausland. So verkaufte Jäkel 2016 die damals verlustreiche News-Gruppe an den Medienmanager Horst Pirker, der dort seit 2014 Geschäftsführer ist. Auch vielen anderen Ländern kehrte Firmenchefin den Rücken zu. Dazu gehören die USA, Russland und Polen. In Polen veräußerte das Medienhaus 2013 das Magazin-Geschäft an den Konkurrenten Burda. Ein Jahr später gab der Verlag seine US-Drucktochter Brown Printing an den Wettbewerber Quad/Graphics, Inc. ab. Dabei galt das Auslandsgeschäft noch vor einigen Jahren als die wichtigste Säule von Gruner + Jahr. Es trug 2004 noch mehr als 63 zum Gesamtumsatz bei, doch 2015 sind es nur noch rund 45 Prozent.

Dass die norddeutsche Bertelsmann-Tochter vielen Ländern weltweit die kalte Schulter zeigt, hat mehrere Gründe. In diversen Märkten sind die konjunkturellen Aussichten schlecht. Zudem ist das Management der Tochterfirmen von der Konzernzentrale nicht leicht zu steuern. Dafür hatte das Magazinhaus jahrelang einen eigenen Auslandsvorstand, der das Geschäft steuerte. Mit dem Ausscheiden des G+J-Auslandschefs Torsten-Jörn Klein verlagert die Gruner + Jahr-Chefin den strategischen Fokus des Hauses deutlich auf das Inland- und Frankreichgeschäft. Sie baut das Digitalgeschäft aus und stärkt die Markenfamilien (Community of Interests), indem sie eine ganze Reihe neuer Titel auf den deutschen Markt bringt. So ist beispielsweise für Anfang nächsten Jahres das Männer-Magazin Joko geplant, weitere Titel dürften folgen. In diesem Jahr hatte die Geschäftsführerin bereits einige neue Zeitschriften gelauncht – zuletzt den Lifestyle-Titel Hygge. Neben dem Magazingeschäft erweitert Jäkel auch das Geschäft mit Corporate Publishing (CP). Anfang 2016 übernimmt die Geschäftsführerin die zum Bertelsmann-Konzern gehörende Medienfabrik. Daraus schmiedet sie zusammen mit den G+J eigenen CP-Aktivitäten den neuen Kommunikationsdienstleister Territory.

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