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“Türkei ist für uns momentan kein sicheres Land”: Springer spricht Reisewarnung für Verlagsmitarbeiter aus

Springer-Vorstände Julian Deutz (li.), Mathias Döpfner und der inhaftierte Welt-Reporter Deniz Yücel
Springer-Vorstände Julian Deutz (li.), Mathias Döpfner und der inhaftierte Welt-Reporter Deniz Yücel

Dieser Fall ist wohl ein Novum: In einem Intranet-Beitrag richtet sich Axel Springer-Personalvorstand Julian Deutz an alle Mitarbeiter des Medienhauses warnt eindringlich vor Reisen in die Türkei. Wer derzeit das Land besuche, der begebe sich “in eine unsichere Situation. Die Türkei ist für uns momentan kein sicheres Reiseland.”

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Das Verhältnis zwischen Springer und der Türkei, ist derzeit alleine schon wegen der Vorgänge um den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel, der seit nunmehr über 200 Tagen in der Türkei in Einzelhaft sitzt, sehr belastet. “Wir machen uns aber angesichts der Lage von Deniz Yücel, um dessen Freiheit wir mit allen Mitteln kämpfen, aber auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Verhaftungen deutscher Staatsangehöriger in der Türkei Sorgen”, erklärt der Personalvorstand in einem kurzen Interview mit dem Mitarbeiter-Magazin Inside.net.

Der Manager sagt auch, dass es derzeit keine konkreten Hinweise auf eine akute Bedrohung von Mitarbeiter des Medienhauses gebe.

Mit dieser Entscheidung wollen die Berliner jedoch keinesfalls die Berichterstattung aus und über die Türkei einstellen. “Wir dürfen uns gerade jetzt nicht wegducken, das wäre Verrat an unserem Auftrag als kritisches und unabhängiges Medienunternehmen”, sagt Deutz dazu. “Gerade jetzt sind kompetente, mutige Journalisten, die aus Krisengebieten berichten, besonders wichtig.”

Man müsse allerdings sicherstellen, dass sich alle der Gefahren bewusst sind. “Unser Kompass war immer: Überall dort, wo Presse- und Meinungsfreiheit unerwünscht ist, müssen wir abwägen, was kann, was muss man riskieren, um der Wahrheit willen.” Am Ende müsse jeder Journalist selbst die Entscheidung für oder gegen einen Einsatz treffen.

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Die Reisewarnung des Unternehmens ist natürlich keine amtliche oder gar bindende Anordnung. Allerdings gibt es ja bereits ein gewisses politisches Wettbieten in Sachen Reisewarnung.

So hatte die türkische Regierung am Samstag eine „Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland“ ausgesprochen. Darin ruft das türkische Außenministerium in Deutschland lebende oder dorthin reisende Türken zur „Vorsicht“ auf. Der Schritt wurde allgemein als eine Retourkutsche für die Verschärfung der Reisehinweise des Auswärtigen Amtes für die Türkei gewertet.

Das Außenministerium in Berlin hatte in der vergangenen Woche einen Reisehinweis für das Land dahingehend verschärft, dass auch in Urlaubsgebieten willkürliche Festnahmen möglich seien. Eine offizielle Reisewarnung von deutscher Seite für die Türkei gibt es jedoch nicht. Diese spricht das Auswärtige Amt nur für wenige Länder aus. Derzeit sind das Irak, Afghanistan oder auch der Jemen.

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