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Skandalbuch von Maschmeyers „Rufmörder“ ein Flop: Stefan Schabirosky, der unerhörte Enthüller

Wurde vom AWD fallen gelassen und zettelte anschließend eine Rufmord-Kampagne an: Stefan Schabirosky
Wurde vom AWD fallen gelassen und zettelte anschließend eine Rufmord-Kampagne an: Stefan Schabirosky

Nach dem Rauswurf beim dubiosen Finanzdienstleister AWD wollte Stefan Schabirosky dessen Gründer Carsten Maschmeyer fertig machen. Im Buch „Mein Auftrag: Rufmord“ erklärt er, wie er mit Hilfe der Konkurrenz eine Kampagne forcierte. Es sollte ein Bestseller und der Aufreger des Sommers werden. Doch die Story war ein Rohrkrepierer, das Skandalbuch ein Flop. Zurück bleibt ein unerhörter Enthüller.

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Während Schabirosky in seinem Buch bereits über eine Verfilmung nachdenkt, flog das Werk nach einer Woche auf Rang 17 wieder aus der Spiegel-Bestsellerliste (Ausgabe 35/17). Wie Media Control auf Nachfrage von MEEDIA mitteilt, liegt das Buch in der aktuellen Erhebung (KW 35) auf Rang 1.975 der Sachbücher Hardcover. Rechnet man die Angabe des Marktforschungsunternehmens und die bisherigen Platzierungen im Verkaufsranking zusammen, dürfte Branchenexperten zufolge im offiziellen Handel insgesamt allenfalls eine niedrig vierstellige Zahl von Büchern abgesetzt worden sein. Amazon listet „Mein Auftrag: Rufmord“ aktuell auf Platz 45.868 (aller Bücher). Ernüchternde Zahlen.

„Mir war klar, dass eine Buch-Vermarktung kein Sprint wie bei einer Tageszeitung ist, sondern ein Langstreckenlauf. Bilanz werde ich deshalb erst in einem Jahr ziehen können und diese für mich bewerten“, sagt Schabirosky. Das klingt defensiv, als ließe der einst virtuose Intrigant die Wahrheit in eigener Sache nur scheibchenweise zu. Dass die mediale Aufmerksamkeit für seine Story so schnell in sich zusammenfiel, dürfte den Mann, der sich unverkennbar für einen Medien-Profi hält, kalt erwischt haben. Obwohl er den Journalisten übel mitgespielt hat, ist er nun verwundert über deren Reaktionen. Er hat mit mehr Selbstkritik gerechnet. 

Stefan Schabirosky könnte einem fast schon leid tun, so viel Unrecht wie ihm widerfahren ist. Von der Liebe enttäuscht, geriet der Verehrer einer hübschen Kollegin auf einer Firmenveranstaltung mit ihrem Lover aneinander, verlor nach dem emotionalen Ausraster auch noch seinen Job. Als er anschließend zur Konkurrenz wechselte, gab es dann einen Hoffnungsschimmer – man bot ihm eine Menge Geld. Wenn es mit der Liebe nichts wird, dann wenigstens mit der Karriere? Mitnichten. Entgegen aller Absprachen verwehrte der neue Arbeitgeber Schabirosky trotz erbrachter Leistung seinen „Jackpot“, wie er es nennt. Auf der Suche nach Erfolg und irgendwie auch Erlösung schrieb Schabirosky seine Geschichte auf. Und: Es passiert nichts. Sein Enthüllungsbuch liegt wie Blei in den Regalen. Gegen Schabirosky, so scheint es, hat sich einfach das Schicksal verschworen.

So tragisch könnte die Geschichte des Stefan Schabirosky klingen, lässt man Teile der Wahrheit einfach weg. Er selbst kennt sich damit bestens aus. Jahrelang hat Schabirosky wissentlich nur halbe Wahrheiten verbreitet, angetrieben von den immer gleichen negativen Motiven: Geld und Vergeltung.

Zum ersten Mal traten sie nach seinem emotionalen Kontrollverlust auf, als der ehemalige AWD-Finanzberater Schabirosky eine geringere Abfindung erhielt als er sich vorgestellt hatte. Und sie wurden stärker, als der AWD ihn auch noch wegen Erpressung anzeigte und ein Gericht ihn schließlich für schuldig befand. Und sie blieben, nachdem er bei der Konkurrenz angeheuert hatte und am Ende auch dort weniger Geld für seine Leistungen erhielt als ursprünglich erhofft. Dabei hatte er der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) nichts Geringeres versprochen, als deren Konkurrenten AWD aus der Welt zu schaffen, so Schabirosky. Mittels Rufmord am Unternehmen und Gründer Carsten Maschmeyer. Ein unappetitliches Unterfangen, an dem Schabirosky eigenen Aussagen zufolge zwölf Jahre lang gearbeitet hat. Im August hat er ein Buch veröffentlicht, mit dem er reinen Tisch machen will, wie er sagt.

In einem Büro mit vier Psychotherapeuten

Hausbesuch beim selbsternannten Rufmörder: Stefan Schabirosky sitzt in seinem spärlich eingerichteten Büro hinter seinem mit Bildschirmen überladenem Schreibtisch. Gegenüber ragt ein an der Wand befestigter Fernseher in den Raum, das herunterhängende Kabel sucht den direkten Weg in die Steckdose. Es läuft ein Nachrichtensender. Neben der Tür lehnt ein körpergroßer Spiegel an der Wand, davor stehen Umzugskartons, im ganzen Raum sind Unterlagen verteilt. „Das Sofa ist noch nicht da“, erklärt Schabirosky fast schon entschuldigend. Er sei erst vor einigen Wochen hier eingezogen.

Hier in einem schmucklosen Bürogebäude am Ende eines Einkaufszentrums in Norderstedt bei Hamburg hat er sich ein paar Quadratmeter in einer Bürogemeinschaft angemietet. Dass sich unter seinen Mit-Mietern gleich vier Psychotherapeuten befinden, nimmt er mit Humor, wenn man ihn darauf anspricht. Für seinen Job ist das alles egal. Mehr als seinen Schreibtisch und ein paar Bildschirme braucht Schabirosky eigentlich nicht. Auf seinem Desktop beobachtet er sekündlich grün und rot blickende Feldchen, steigende und fallende Kurse. Er ist heute als selbstständiger Day Trader tätig, spezialisiert auf den kurzfristigen, spekulativen Wertpapier-Handel. Diesen Job beherrscht er eigenem Bekunden zufolge bestens, wie er mit Verweis auf seinen „Star-Trader“-Status bei seiner Bank mehrfach zu verstehen gibt. Was auch immer das heißen mag.

Neben dem kurzfristigen Handel mit Papieren hat hat Schabirosky aber noch eine längere Wette am Laufen. Hier im Büro hat er auch an Teilen seines Buches geschrieben, in dem er von seinem Einstieg in die hoch bezahlte Beraterszene schreibt, wie er Verträge mit einem Gesamtwert von mehreren Millionen Euro abschloss, wie der AWD ihn dann fallen ließ und er beschloss, einen Rachefeldzug zu führen. Das Buch sollte ihn einer größeren Öffentlichkeit bekannt machen. Es ist erst einige Tage her, dass es erschienen ist. Der Medienrummel ist groß, noch.

Denn in „Mein Auftrag: Rufmord“ beschreibt der ehemalige Finanz-Optimierer nicht nur, wie er den AWD und Carsten Maschmeyer hinterging, sondern auch wie er namhafte Medienhäuser und Journalisten mit halb-garen Informationen für sich und sein Anliegen vereinnahmen konnte.

Schabirosky, etwas unter 1,80 Meter groß, drahtige Statur, hohe Stirn samt Geheimratsecken, helles, locker nach hinten gegeltes Haar, an diesem Tag in Jeans, Hemd, Sacko und Turnschuhen unterwegs, ist über die Aufmerksamkeit sichtlich erfreut, nicht aber über den Tenor, der in den Medien herrscht. Über zwei Stunden nimmt er sich Zeit, um über seine „Kampagne“ gegen Carsten Maschmeyer und seine anschließende Abrechnung mit der DVAG, das Buch, zu sprechen. Sein Medien-Berater, der ehemalige Boulevard-Journalist Matthias Onken, hat den Termin arrangiert. Sein wichtigstes Anliegen: die Glaubwürdigkeit seines Klienten untermauern. Denn die Medien haben Schabirosky in den vergangenen Tagen alles andere als gefeiert – wenig überraschend, denn Schabirosky ist alles andere als ein Held.

Er legt weiteres Material vor, das seine Taten und den Einfluss auf die Berichterstattung belegen sollen. Dazu gehören E-Mails, die er mit Journalisten geschrieben hat, genauso wie aufgezeichnete Telefonate oder Rechnungen, die er an die DVAG gestellt haben will. Schabirosky will damit zeigen, dass er dieses Mal aufrichtig ist. Er will unterstreichen, dass er kein Lügner ist und vor allem kein Lügner war. 

Er will nicht gelogen haben

Doch hat Schabirosky nicht genau das getan, gelogen? Er hat Journalisten Daten-Material zugespielt und die Verschuldung von AWD-Kunden vorgerechnet, ohne gegenzurechnende Werte zu berücksichtigen. Er hat Anzeigen bei Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden gestellt, obwohl er wusste, dass sie unberechtigt waren. Er hat als Informant glaubhaft gemacht, AWD-Kunden hätten „Totalverluste“ erlitten, obwohl er es besser wusste.

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„Ich habe Informationen manipuliert, das räume ich ein“, sagt Schabirosky, während er sich seine Zigarette ansteckt. Selbstgedreht. Als Lügen begreift er seine Taten nicht. Er habe Dinge „schlichtweg weggelassen“. Wenn Schabirosky sein Vorgehen erklärt, schwingt ein gewisser Stolz in der Stimme mit. Er gibt sich als Schlitzohr, das moralische Grenzen ausgedehnt, aber nicht überschritten hat. „Ich habe in den Vordergrund gestellt, was meinem Ziel diente, und deshalb nur die Aspekte betont, die gegen den AWD und Maschmeyer sprachen.“ Er habe sich verhalten, wie sich „ein Verkäufer eben verhält“. Er kennt die Abgrenzung zum Berufsbild des ehrenhaften Kaufmannes. Jeder, sagt er, hätte den anderen Teil der „Wahrheit“ herausfinden können.

Dass man ihn deshalb nun als „notorischen Lügner“ oder als „Großmaul“ bezeichnet oder gar der Wahrheitsgehalt seines Buches angezweifelt wird, das habe ihm eine „schlaflose Nacht“ bereitet, sagt er. Schließlich könne er alles belegen.

Schabirosky polarisiert. Jahrelang wurde negativ über den AWD und seinen Gründer Carsten Maschmeyer berichtet, reihenweise Anleger sind aufgetaucht, die von seinen Beratern falsch informiert worden sein sollen. Sie haben vor allem die so genannten Dreiländerfonds gekauft, die vielen Tausende Euros gekostet haben. Der Imageschaden war immens. Nun kommt ein ehemaliger AWD-Berater um die Ecke und sagt: Es war alles gar nicht so schlimm, wie geschrieben worden ist. Generell wäre das alles gar nie geschrieben worden, hätte es ihn nicht gegeben. Schabirosky will die treibende Kraft hinter all den negativen Berichten sein. Er sieht sich als Strippenzieher, Spin-Doktor in eigenem Auftrag, „Top-Informant“ der Journalisten, die sich mit Maschmeyer befasst haben. Er will sie an der Nase herumgeführt haben. Kann das möglich sein? Wie sooft lautet die Antwort darauf weder ja noch nein, vermutlich liegt sie irgendwo dazwischen.

Dass er sich wegen seines Buches, in dem er den Journalisten gegenüber schwere Vorwürfe erhebt, heftigen Gegenwind ausgesetzt sehen muss, darauf hatten Berater und Verlag ihren Mandanten vorbereitet. Während des Gespräches krabbelt Medienberater Onken immer mal wieder fast schon demonstrativ über eine meterlange ausgedruckte Liste, mit der sich Schabirosky vor einigen Tagen auch schon hat ablichten lassen. Sie listet die Behauptungen aus seinem Buch auf mit Querverweisen auf die Dokumente, die sie belegen sollen. Für Nachfragen und zur Vorbereitung auf juristische Auseinandersetzungen nützlich – aber ist sie auch wirklich vollständig? 

Schabirosky bemüht sich, ein Bild der Aufrichtigkeit und Transparenz von sich zu schaffen, immer wieder öffnet er auf einem der vor ihm aufgereihten Bildschirme eine seiner 4.000 Dateien, die den Mailverkehr mit Journalisten, Anwaltsschreiben, Rechnungen an die DVAG beinhalten. Alles sorgfältig sortiert. „Wir können uns das alles anschauen, wenn Sie wollen“, sagt er immer wieder. Er erklärt, wie er die Rechnungen an die DVAG aufbereitet haben will, dass er fünfstellige Summen für „Ratings“ in Rechnung gestellt hat – ein Code für Anwalts-Spesen, die er u.a. für Anzeigen gegen den AWD angeheuert hat, so Schabirosky. Dazu zeigt er Kontoauszüge, die den Zahlungseingang dieser teils immensen Summen bestätigen.

Die Behauptung, für seine Kampagne von der DVAG bezahlt worden zu sein, ist die umstrittenste in Schabiroskys Buch. Hundertprozentige Belege gibt es dafür nicht. Es gibt eine Mail von der Assistentin der Geschäftsführung, die einen Kontakt zur Führungsspitze belegt und in der sie behauptet, dass niemand anderes mit Schabiroskys Unterlagen in Berührung kommt. Er war als beratender Controller beauftragt, der u.a. Vertriebskonzepte entwickeln sollte. Eigenen Aussagen zufolge hat er dies nie getan. Alles wirkt höchst verdächtig. Doch Schabirosky kann höchstens Indizienbeweise liefern – wenn auch keine schwachen. Doch selbst wenn Schabirosky sich offen und transparent gibt, bleibt Skepsis. Fehlt an der ein oder anderen Stelle nicht etwas? Ist das, was er zeigt, wirklich alles? Oder vielleicht wieder nur die halbe Wahrheit? Die Glaubwürdigkeit ist sein Problem, dass sich die ganze Diskussion auf jedes einzelne Details konzentriert, ebenfalls.

Einen anderen Aspekt belegt Schabirosky nicht. Im Gespräch wie auch in seinem Buch beteuert er, sich bei Journalisten als Agent der DVAG geoutet zu haben – wenn auch sehr spät. Belege für sein Outing liefert er nicht, obwohl er sich gegenüber des NDR sogar schriftlich offenbart haben will. In den Mails, die Schabirosky im Sinne der Vertrauensoffensive am Ende des Gesprächs ausgehändigt hat, ist dazu nichts zu finden. Sie existiere aber, heißt es auf Nachfrage. Es gebe eine entsprechende Audioaufnahme, die dazugehört, erklärt er weiter. Mittlerweile, drei Wochen später, habe er das Material gefunden. Aushändigen will er es aber nicht.

Niemand äußert sich – außer Schabirosky

Schabirosky und die Medien: Das war, ist und bleibt ein schwieriges Verhältnis. Trotz einiger Unstimmigkeiten, trotz der angekratzten Glaubwürdigkeit des Autoren, weil man ihm vielleicht nicht so einfach glauben will, hat er der Branche einen Spiegel vorgehalten, der eine hässliche Fratze zeigt. „Für mich waren die Journalisten Mittel zum Zweck – so wie ich es vermutlich auch für sie war“, sagt er. Er habe immer das Gefühl gehabt, was er ihnen lieferte, genau das haben sie hören wollen.

Die betroffenen Medien bestreiten den großen Einfluss Schabiroskys freilichzeigen Stellen auf, an denen er seine Rolle tatsächlich überbewertet. Es lässt sich nicht vorwerfen, dass sie sich komplett haben leiten lassen. Sie müssen sich aber vorwerfen lassen, die professionelle Distanz zur Quelle verloren zu haben. Schabirosky zeigt Mails und Audiomitschnitte, die das belegen. Sie zeigen, dass Journalisten mit ihrem Informanten Fragen absprechen, ja sogar Artikel vor Veröffentlichung zum Lesen mailen. Sie zeigen auch, dass sie sich haben vom Informanten unter Druck setzen lassen. Schabirosky hat sie gekonnt gegeneinander ausgespielt. Ein doppeltes Dilemma offenbart sich: Der Konkurrenzdruck und eben kein Experte auf dem Fachgebiet zu sein, hat sie anfällig für Manipulationen gemacht. Auch Journalisten sind nur Menschen.

Dann der Rundumschlag zur Buchveröffentlichung: Zwei Vorabdrucke seines Werks erschienen in der Welt am Sonntag und im Handelsblatt, dem er auch ein Interview gegeben hatte. Ein paar kurze Statements in den Fernsehnachrichten. Das war das höchste der Gefühle. Es seien noch ein paar Interviews geplant, auch Auftritte im Fernsehen, sagt er. Der große Wurf, das Gesprächsthema des Sommers zu setzen, gelang ihm aber nicht. „Ich möchte mich nicht als Richter der Presse aufspielen. Meine Hoffnung aber ist, dass mein Fall in Redaktionen Diskussionen auslöst. Und dass der Umgang mit Whistleblowern überdacht wird“, betont er. Doch das nachhaltige Medien-Echo blieb aus, genauso wie der Verkaufserfolg.

Den großen „Jackpot“, den sich Schabirosky bereits als vermeintlicher Agent der DVAG erhofft hat, wird er auch mit seinem Buch nicht knacken. Er habe das Buch ohnehin nur geschrieben, um auch sein Gewissen zu erleichtern und um die Öffentlichkeit über das falsche Spiel aufzuklären, sagt er. Doch an dieser geht das alles offensichtlich weitgehend vorbei. Das hängt wohl damit zusammen, dass Schabiroskys Wette von zu vielen Faktoren beeinflusst wird, die er nicht in der Hand hat. Wenn er gehofft hatte, dass die Medien nun ein Thema verfolgen, bei dem sie ihr eigenes Verhalten reflektieren müssten, kann man das idealistisch nennen – oder eben naiv. Doch geht Schabiroskys Plan auch deshalb nicht auf, weil sich die Protagonisten seines Werkes bedeckt halten.

Schon in seinem Buch beschreibt Schabirosky, dass Maschmeyer, der seine Entschuldigung angenommen und ihm sogar den Verlag vermittelt haben soll, sich zu seinem Buch nicht äußern werde. Das hat er bis heute nicht getan. Muss er auch nicht. Der AWD ist längst kein Thema mehr, Maschmeyer hat die Zeit hinter sich gelassen und über die Jahre hinweg sein Verhältnis zu den (Boulevard-)Medien wieder aufgebaut. Heute gilt er nicht mehr als geldgieriger Geier, der über den Köpfen der Kleinsparer kreist, sondern als respekteinflößender Unternehmer in der Vox-Show „Höhle der Löwen“, in der er seine Millionen verteilt, um Start-ups beim Aufbau zu helfen. Maschmeyer erreicht ein überwiegend junges Millionenpublikum, dem der AWD wohl kaum noch etwas sagen dürfte. Maschmeyer profitiert auch ohne Erfolg des Buches: Spricht ihn doch noch jemand auf diese unmoralischen Geschäfte des AWD an, auf den Untergang seines Unternehmens, hat er jetzt einen Schuldigen, den er vorzeigen kann. Es dürfte ihm aber auch mehr als recht sein, dass es kein Bestseller wurde, der die dubiosen Praktiken aus alten Drücker-Zeiten wieder hervorgeholt hätte.

Nachhaltige Reaktionen blieben auch seitens der DVAG aus. In der Woche vor der Veröffentlichung, meldete sich das Unternehmen lediglich mit einer Mitteilung zu Wort, bestätigte die Beschäftigung Schabiroskys, distanzierte sich aber von seiner „Kampagne“, für die sie nicht bezahlt haben will. Daneben erwähnte sie eine eidesstattliche Versicherung, nach der Schabirosky in Eigenverantwortung gehandelt haben soll. Schabirosky will diese Versicherung nicht kennen, von der DVAG wurde sie auch nicht offen gelegt. Danach kam nichts mehr. Im Gegenteil: Die Mitteilung wurde von der eigenen Seite sogar wieder entfernt und durch eine kürzere ersetzt. Juristische Schritte gegen das Buch blieben aus. Das kann natürlich damit zusammenhängen, dass Schabirosiy nicht unbedingt falsch liegt. Es kann aber auch schlichtweg ein Trick aus der klassische PR-Krisenkiste sein, um dem Buch weitere Aufmerksamkeit zu versagen – damit kalkulierend, dass sich der vermeintliche Skandal von selbst erledigt. Im Fall des Enthüllungsbuchs ging die Rechnung auf; verloren hat nur einer, der Autor selbst. Wie gesagt: Das Schicksal meint es einfach nicht gut mit Stefan Schabirosky.

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Alle Kommentare

  1. Finanzinvestoren, Heuschrecken und Banken sind staatliche legalisierte (via „lex“), weil ausdrücklich erwünschte Betrugs-Unternehmen, die dazu dienen, die Steuer- und Arbeits-Sklaven in „Schuld“ zu halten durch Schulden.

    Wer einmal verstanden hat, daß und wie „Geld“ auf Knopfdruck aus dem Nichts erschaffen wird als „Kredit“, der begreift sofort, daß und welches perfide System des Betrugs dahinter steckt.

    Am besten erklärt das Prof. Hörmann Wien aus rein formal buchhalterischer Sicht (Prof. für Rechnungswesen). Siehe YT.

    Wer „Geld aus dem Nichts“ leugnet, dem widerspricht ein online nicht mehr verfügabares PDF der Buba, in dem genau dies erklärt (zugegeben) wird.

  2. Gibts das Taschenbuch schon ? Kino-Premieren werden auch gewinn-maximierend geplant. Ein Film wurde sogar mal ein halbes Jahr nach hinten geschoben um besser einzunehmen.
    Es wäre also nicht überraschend wenn sich der Titel Weihnachten ganz gut verkauft. Seit letztem Jahr hat iPhone ja in Q3(neu) und noch Q4(seit langem schon) dicke Verkaufs-Wellen was die Nachfrage auf zwei Quartale entzerrt. Das iPhone-1 war auch kein Blockbuster. Das erste NetBook und das iPad-1 hingegen schon.

    Wenn man die Position bei Amazon nennt, kann man auch die Position der Bücher von Maas bzw. Middelhoff und bekanntere AfD-Titel nennen und versuchen, Verkaufszahlen nennen zu können.
    Wenn laut Pareto 20% der Titel 80% von den Stückzahlen ab-bekommen, sind automatisch die verbliebenen 20% der Stückzahlen für die ganzen 80% der anderen 500.000(?) Buchtitel und die Top10 sind noch krasser und gehen schon in Richtung der Vermögensverteilung. „AfD wird Drittplatziert“ bedeutet ja auch nur 11%-Afd, 10,5%-Linke, 9%-FDP 8%-Grüne ( http://www.wahlrecht.de/umfragen/
    ). Also voll kein (relevanter) Unterschied zwischen #3 und #5-#6 und jede Partei bejubelt sich selbst für den Wahlerfolg am 24.Sept um 18:05. Gleiches könnte für Amazon-Platz 10.000 mit 5 Verkäufen und Amazon-Platz 50.000 mit 4 Verkäufen lauten (die Zahlen waren ausgedacht). Meedias Mutterfirma hat doch vermutlich auch Bücher bei Amazon und kennt die Stückzahlen.

    Also wer ist besser ? Maas, Middellhoff oder Schabirosky oder beliebte Titel der AfD-Anhänger ?
    Amazon ist der Wettkampf-Platz.
    Schade das 100flies daraus wohl leider nichts macht.

  3. Da ich Herrn Maschmeyer persönlich kenne kann ich dazu folgendes sagen. Vor Herrn Maschmeyer sollten alle den Hut ziehen, einen besseren Menschen kann man sich nicht vorstellen. Seine Ideen , seine Zuverlässigkeit,das was er geschaffen hat, und am Schaffen ist, sucht seines gleichen. Der beweiß ist doch gebracht , durch die Vox und Zukunftsendung.Ich selber hatte im ehemaligen alten AWD Gebäude eine ganze Büroetage gemietet, und mit ehemaligen Mitarbeitern positive Gespräche führen können. Mein Eindruck war immer Exzellent. Auch war ich der Syntellix AG Gründer mit Utz Claassen der das Gegenteil von Herrn Maschmeyer ist. Mfg. Werner Scholz

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