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G+J-Chefin Julia Jäkel auf der Dmexco: „Facebook reguliert Sprache, wie es noch nie eine Regierung konnte“

Zwei Star-Auftritte: Julia Jäkel im Gespräch mit Franziska von Lewinski von FischerAppelt und Sharyl Sandberg (re.) von Facebook
Zwei Star-Auftritte: Julia Jäkel im Gespräch mit Franziska von Lewinski von FischerAppelt und Sharyl Sandberg (re.) von Facebook

Für einen kurzen Moment hatte die Dmexco am ersten Messetag der Dmexco sogar ein gewisses Konfliktpotenzial: Direkt nach dem Auftritt von Facebooks Top-Managerin Sheryl Sandberg, folgt G+J-Chefin Julia Jäkel. Mit ihren kritischen Äußerungen über die US-Web-Giganten Google und Facebook hatte die Verlagschefin gerade erst für Aufsehen in der Branche gesorgt. Wer allerdings einen lustvollen Disput erwartet hatte, wurde enttäuscht, was zumindest im Fall von Jäkel weniger an der G+J-Chefin lag.

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Wie bereits am Morgen, als WPP-Chef Martin Sorrell Twitter-CEO Jack Dorsey befragte, war auch der Jäkel-Auftritt als Zweiertalk angelegt. Mit der Verlagsmanagerin unterhielt sich Franziska von Lewinski von FischerAppelt. Wobei es plaudern eher treffen würde. Die PR-Expertin sprang wild durch die Themen und machte es Jäkel so äußerst schwer, ihre Botschaften klar zu adressieren.

Dabei hatte die Hamburgerin doch einiges zu sagen. So verteidigte sie noch einmal ihren Vorstoß, dass sich die großen werbetreibenden Unternehmen darüber im Klaren sein sollten, wen sie mit großen Kampagnen-Budgets unterstützen wollen: Multinationale Web-Giganten, deren gesellschaftliche Verantwortung in Ländern wie Deutschland eher gering ist oder lieber Verlage und Medienhäuser, die sich hierzulande Mühe geben, guten Content zu produzieren. „Ich habe tatsächlich gar nichts gegen Facebook. Ich finde aber, dass wir in eine Diskussion kommen müssen. In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ Die G+J-Chefin weiter: Facebook sei „eine Plattform, die es nicht zuallererst als ihren Zweck ansieht, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden.“

Jäkel ist es ein echtes Anliegen, dass mehr über die drohenden Verschiebungen nachgedacht wird, die die globalen Tech-Unternehmen auf die Bürgergesellschaften haben können. So sagt sie unter anderem besorgt: „Facebook reguliert Sprache, wie es noch nie eine Gesellschaft oder eine Regierung konnte.“

„Nicht jedes neue Magazin muss automatisch auch eine digitale Übersetzung haben“

Auf die Strategie des eigenen Hauses angesprochen, gab die Managerin für Gruner + Jahr nicht das Ziel aus, der digitalste Verlag werden zu müssen, wie es beispielsweise Springer immer wieder propagiert. „Wir sind ein Verlag, der Produkte für eine digitale Gesellschaft produziert. Das sind digitale Produkte, aber auch gedruckte“, sagte Jäkel auf der Dmexco. Dabei müsse nicht jedes neue Magazin „automatisch auch eine digitale Übersetzung haben“.

Das heißt aber nicht, dass man nicht auch digitale Erfolgsgeschichten erzählen könne. So lobte sie die eigene Ad-Tech-Tochter Applike als echte Erfolgsgeschichte, als das derzeit am schnellsten Wachsende Ad-Tech-Unternehmen am Markt.

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Gerade ihre Sorgen gegenüber Facebook hätte sie direkt an das Top-Management des US-Konzerns weitergeben können. Denn direkt vor ihr, hatte Facebook-COO Sheryl Sandberg ihren Starauftritt. Die Zuckerberg-Vertraute entzog sich jedoch weitestgehend aller Kritik und hielt eine überwiegend blumige Standart-Präsentation, in der sie in drei knappen Handlungsanweisungen darlegte, wie Firmen bei Facebook wachsen können.

So müsse es in einer mobilen Welt das vorrangige Ziel von Unternehmen sein, digitale Gemeinschaften rund um ihre Produkte aufzubauen. Nur so könnten sie mit ihrer Botschaft durchdringen und langfristig Wachstum erzielen. „Mobile ist der Kanal für das Entdecken. Wir sind davon überzeugt: In Zukunft werden Produkte Menschen finden“.

Die drei Kernsätze sind:

1. Focus on your mission
2. Build community
3. Communicate who your are

Immerhin etwas Selbstkritik ließ sie dann doch auch zu, indem sie versprach, dass man hart daran Arbeite, Publishern und Agenturen bessere Daten über ihre Kampagnen und Zielgruppen zukommen zu lassen. Zudem versicherte Sandberg: „Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst“.

Welchen Einfluss Facebook und die mobile Revolution längst auf die Menschen, auch auf die Messeteilnehmer hat, verdeutlichte Julia Jäkel im Anschluss an die Keynote der Facebook-Managerin indem sie süffisant auf die Frage antwortete, wie sie bislang die Dmexco erlebt hätte: „Volle Hallen und Menschen, die nur nach unten auf ihr Smartphone, statt nach oben gucken“.

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