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„Merkel, die Eidbrecherin“: AfD zündet nächste Stufe im Negativ-Campaigning – womöglich mit Unterstützung eines Trump-Beraters

Die AfD setzt in diesem Bundestagswahlkampf Maßstäbe in Sachen Negative Campaigning
Die AfD setzt in diesem Bundestagswahlkampf Maßstäbe in Sachen Negative Campaigning

Einiges deutet darauf hin, dass die us-amerikanische Agentur Harris Medie für die AfD die nächste Stufe im Internet-Wahlkampf gezündet hat. Die kürzlich online gegangene Webseite und Facebook-Seite "Merkel, die Eidbrecherin" setzt voll auf so genanntes Negative Campaigning und wird von der AfD verantwortet. Laut dem Recherchebüro Correctiv wurde die Domain über die gleiche US-Firma angemeldet, die auch Harris Media nutzt. Harris Media war während des jüngsten US-Wahlkampfs auch für Donald Trump tätig.

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Die in dunklen Farbtönen gehaltene Webseite „Merkel, die Eidbrecherin“ entspricht nicht dem traditionell in blau und rot gehaltenen Erscheinungsbild der AfD. Die Partei und deren Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland werden im Impressum aber als Verantwortliche genannt. Die Seite zielt darauf ab, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel it ihrer Flüchtlingspolitik angeblich ihren Amtseid gebrochen habe, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Ein Zähler wirft Merkel vor, für 98 Tote und Verletzte in Deutschland durch Terroristen verantwortlich zu sein. Es gibt eine Zeitlinie und vorgefertigte Bild- und Schrifttafeln, die zur Verbreitung via Social Media gedacht sind und einmal Merkel persönlich, einmal die CDU und die Medien anprangern.

Die Seite wurde laut Correctiv am 1. September registriert, eine dazugehörige Facebook-Seite am 7. September. Die Anmeldung erfolgte laut Correctiv über die gleiche US-Firma, über die Harris Media seine Domains registriert. Ein weiteres Indiz, dass Harris hinter der Seite steckt sei, dass sich der AfD-Kampagnenleiter zum Zeitpunkt der Registrierung in den USA aufgehalten habe. Harris Media ist die Agentur des rechtskonservativen Vincent Harris, der bereits Donald Trump und die national-populistische Pro-Brexit-Partei UKIP in Großbritannien unterstützte und seit kurzem auch für die AfD arbeitet.

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Die Website „Merkel, die Eidbrecherin“ ist ein klassisches Beispiel für so genanntes Negative Campaigning. Damit bezeichnet man in Wahlkämpfen das gezielte Schlechtmachen des politischen Gegners. Das ist zwar auch in Deutschland nicht unbekannt, in den USA und Großbritannien spielt in den deutlich zugespitzteren Wahlkämpfen Negative Campaigning jedoch eine weit größere Rolle. Einen traurigen Höhepunkt erfuhr diese Art des Wahlkampfs vor der jüngsten US-Präsidentschaftswahl. Donald Trump und auch seine Gegnerin Hillary Clinton nutzten jede Gelegenheit, den Gegner persönlich und politisch anzugreifen und zu beschädigen.

Für hiesige Wahlkampf-Gepflogenheiten hat die von der AfD verantwortete Webseite durchaus eine neue Qualität – im negativen Sinne. Zumindest bei Facebook zündet die Masche bislang aber noch nicht. Die Beiträge und Bilder weisen dort bisher nur sehr geringe Share- und Like-Zahlen auf.

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