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„Ein Mann, eine Wahl“ bei ProSieben: die verkorkste Politik-Mätzchen-Show mit einem multiplen Klaas Heufer-Umlauf

„Ein Mann, eine Wahl“: Welchen Klaas hätten sie denn gerne?
"Ein Mann, eine Wahl": Welchen Klaas hätten sie denn gerne?

Auch ProSieben will ein Stück vom Buzz rund um die Bundestagswahl und schickt Klaas Heufer-Umlauf ins Rennen. „Ein Mann, eine Wahl“ heißt die Politik-Show, für die der Mann, den man vor allem als eine Hälfte von Joko & Klaas kennt, Spitzenpolitiker wie Martin Schulz (SPD) und Christian Lindner (FDP) befragt. Die aufwändige Produktion kann eklatante Mängel bei Konzept und Präsentation nicht übertünchen.

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Klaas Heufer-Umlauf ist bekennender Unterstützer der SPD und von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Für dessen Europa-Wahlkampf 2014 legte sich Heufer-Umlauf ins Zeug, er warb auch 2013 für den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. In der ProSieben-Show „Ein Mann, eine Wahl“ versuchten er und sein Team, diese Parteilichkeit mit einem Kunstgriff zu umschiffen. In einem langen Vorspann wird Klaas in einer Wohnung gezeigt, wie er über eine Politik-Sendung räsoniert und sich in drei Klaas-Persönlichkeiten spaltet: einen Mitte-Klaas, einen konservativen Klaas (erkennbar am schwarzen Pulli) und einen linken Klaas (roter Pulli). Die SPD-Nähe des Moderators wird freilich zu keinem Zeitpunkt explizit erwähnt. An einer Stelle der Sendung sagt der eine Klaas zum anderen „Jeder weiß doch, dass du voll auf den Schulz-Zug aufgesprungen bist …“ Der rote und der schwarze Klaas werfen dem „normalen“ Klaas in einer Toilette vor, zu nett mit Schulz umzugehen. Das Interview mit dem SPD-Kanzlerkandidaten wird daraufhin immer wieder unterbrochen und ein jeweils anderer Klaas tritt auf, um Schulz die üblichen 08/15-Fragen (soziale Gerechtigkeit, Bildung, wo bleiben „die Jungen“) zu stellen. Das Ganze ist inszeniert bis über-inszeniert und hat etwas Gekünsteltes. Wo hört die Inszenierung mit den multiplen Persönlichkeiten auf, wo fängt das echte Politiker-Interview an?

Und welcher Zuschauer weiß wirklich genau über die politischen Präferenzen des Moderators Bescheid und kann das verwirrende Spiel bei „Ein Mann, eine Wahl“ einordnen? Der Versuch, die eigene Parteilichkeit zu durchbrechen, ist ambitioniert, aber er scheitert auf ganzer Linie. Vor allem auch deshalb, weil die unterschiedlichen „Klaas-Personen“ keinen unterscheidbaren Fragen stellen. Der konservative Klaas fragt genauso erwartbar und konventionell wie der linke und der normale Klaas. Am Ende wirft der normale Klaas seinen beiden Alter Egos auf dem Klo vor, Schulz zu hart angegangen zu sein. Absolut unverständlich, denn die Art und Weise der Befragung durch die drei Figuren war nicht unterscheidbar.

Für FDP-Chef Christian Lindner hatte sich die Produktion dann eine Variante des derzeit beliebten Formats des Interviews im Auto überlegt. Jörg Thadeusz bespielt diese Format-Idee recht erfolgreich mit „Fahrbereitschaft“ beim RBB. Vorbild ist der US-Komiker Jerry Seinfeld mit seinem „Comedians In Cars Getting Coffee“ aus dem in der Klaas-Show „Politicians in Cars getting Coffee to go“ gemacht wurde. So wurde der alerte Herr Lindner anspielungsreich im gelben Transformer-Muscle-Car befragt. Irritierend dabei war nicht nur, dass Lindner permanent mit einem Bein wackelte, sondern auch die latent aggressive Art der Befragung durch den „konservativen“ Klaas. Eine gewisse Antipathie gegenüber dem Freidemokraten schien spürbar, vielleicht hätte sich Heufer-Umlauf in dieser Szene lieber den roten statt den schwarzen Pulli überstreifen sollen. Der rote Klaas interviewte dann noch Bild-Chef Julian Reichelt, der sich gewohnt souverän zeigte. Der schwarze Klaas spielte aus nicht ersichtlichen Grünen eine Variante des Interviews mit einem bärbeißig dargestellten Reichelt mit Puppen nach. Was das sollte, blieb unklar.

Die Befragung von Grünen-Spitzenpolitiker Cem Özdemir in einem Büro neben dem Reichstag geriet dann vergleichsweise konventionell, sowohl was Fragen als auch Antworten (Europa, Frieden, Türkei, Klima, blablabla) betraf. Per Audio gab es noch Einspieler von Ronja von Rönne und Jakob Augstein. Warum und wieso, wer weiß das schon. In der nächsten Folge dürfen sich die Zuschauer dann auf weitere Politik-Mätzchen mit Jens Spahn (CDU), Katja Kipping (Die Linke), Heiko Maas (SPD) und Alice Weidel (AfD) freuen.

„Ein Mann, eine Wahl“ ist erkennbar der Versuch, ein Politik-Format mal anders, frischer, unterhaltsamer zu machen. Die äußere Form ist dabei gelungen. Leider hat man bei alldem vergessen, auf die Inhalte zu achten und sich im Bemühen, die SPD-Nähe des Protagonisten durch eine komplizierte und verkorkste Persönlichkeitsspaltungs-Geschichte aufzufangen, gehörig verstolpert.

Was immer noch schmerzlich fehlt im deutschen TV: Eine Politik-Sendung, in der wirklich hart, informiert und originell gefragt wird. Fragen wie „Was tun Sie für die Bildung?“, die in der Phrasen-Schublade ganz oben liegen, sollte man schon in der allerersten Redaktionssitzung bitte streichen. Reichlich sinnlos auch die naive Ausgangsfrage von Klaas Heufer-Umlauf „Wo sehen Sie Deutschland in zehn Jahren?“ Wer ehrlich ist, sagt er weiß es nicht. Oder man fängt an, Parteiprogrammatisches abzuspulen.

Gebt doch bitte der Nervensäge Tilo Jung im TV mal eine Chance! Oder reaktiviert von mir aus die olle Krawallnudel Michel Friedman. Beide könnten es vermutlich besser als der überforderte Klaas mit seinen drei Pullis, die in Routine erstarrten Maischbergers dieser Welt oder der Westentaschen-Populist Strunz.

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Alle Kommentare

  1. Das mit dem SPD-Maddin war ein Fake!
    1. Die beiden waren nie gemeinsam zu sehen, und als Klaas aufstand um zur Toilette zu gehen, ist der Kameramann bewusst ins Bild gelaufen, damit man nur die Beine von „SPD-Schulz“ sehen konnte.
    2. Im Hintergrund stehen Bäume. Wenn das Bild auf SPD-Martin war, herrscht draußen windstille. Wenn das Bild auf Klaas war, wedelten die Bäume im Wind. Damit steht fest: Die waren zwar im selben Raum, aber nicht zur gleichen Zeit!
    3. Alle Interviews mit den Politikern kann man auf Pro7 nochmal ansehen, nur das mit dem SPD-Maddin nicht.
    Wobei das mit dem Schulz als Kandidat mit den besten Voraussetzungen bei dieser Runde das wichtigste wäre!
    Die haben das Interwiew gefaked!!!!

  2. Wieso wird in dem Artikel Tilo Jung diffamiert ? Was soll das denn. Inhaltlich stimme ich aber zu, er ist ein Talent und die Öffis könnten mit dem Tilo eigentlich mal was machen.

    Die Sendung mit Klaas war zwar visuell sehr ansprechend gestaltet hatte aber inhaltlich einige Schwächen insbesondere diese Charakterwechsel haben irgendwie dem Format keinen Mehrwert verliehen, sie waren eher unvorteilhaft. Was die politischen Positionen und Thesen angeht, ist man nach dem Konsum der Sendung genauso informiert, wie vorher. Das hat dieses Format mit vielen politischen Formaten derzeit gemeinsam.

    Ambitioniert und bemüht aber nicht ganz überzeugnd.

  3. Ich habe die Sendung gestern geschaut und fühlte mich gut „unterhalten“, auch wenn mir Dinge wie z.B. das von Herrn Winterbauer beschriebene „Puppenspiel“ nicht einleuchteten bzw. deplaziert wirkten. Insgesamt kann ich die Kritik nicht teilen. Denn ich sehe allein schon darin einen gewissen Mehrwert der Sendung, dass sie ein Publikum anspricht, das ansonsten um politische Sendungen vermutlich einen weiten Bogen macht.

    Natürlich ist Heufer-Umlauf nicht neutral – wer ist das schon? Andere Moderatoren verbergen ihre politischen Präferenzen vielleicht etwas besser, aber dennoch gelingt es wohl kaum jemanden, sich völlig „neben sich zu stellen“. Dabei gelingt es meiner Meinung nach allen Interviewten, sich und „ihre Sache“ gut zu präsentieren. Ob nun trotz oder wegen des Moderators/des Konzepts der Sendung lasse ich dahingestellt. Auch wenn dabei für den Politik-Interessierten nichts Neues dabei herum kam besteht wie gesagt der Mehrwert in der Ansprache eben von denen, die sonst bei Einblendung eines Drei-Buchstaben-Parteienkürzels den Sender wechseln oder Abschalten.

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