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Modellstrategie: Warum das iPhone 8, das eigentlich das iPhone 7s sein sollte, für Apple zum Joker werden kann

CEO Tim Cook muss beweisen, dass er die Erwartungen der Wall Street erfüllen kann © Apple
CEO Tim Cook muss beweisen, dass er die Erwartungen der Wall Street erfüllen kann © Apple

Keine zwei Tage mehr, dann herrscht endlich Gewissheit: Die neuen iPhones kommen – und sie haben endlich einen Namen. Nachdem das OLED-Flagschiff-Modell als iPhone X in den Handel kommen soll, scheint der iPhone 7-Nachfolger als iPhone 8 und 8 Plus ausgeliefert zu werden. Nicht zuletzt wegen der Preispsychologie könnten die mittelteuren Modelle für Apple zum Kassenschlager werden.

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Plötzlich herrscht Verwirrung: Das iPhone 8 dürfte am kommenden Dienstag enthüllt werden – es ist nur nicht das iPhone 8, mit dem bislang gerechnet wurde. So soll das neue Flaggschiff-iPhone mit randlosem Design Leaks aus der eigenen iOS 11-Firmware zufolge nicht als iPhone 8 in den Handel kommen, sondern als iPhone X. Und das iPhone 8? So soll das Nachfolgemodell zum iPhone 7 in 4,7 Zoll heißen, wenn man den Codes aus Apples iOS 11-Formware trauen darf.

Die möglicherweise erst spät in der Produktionsphase geänderte Namensgebung ist aus mehrfachen Gründen smart. Einerseits hat Apple zum zehnjährigen Jubiläum seines Kultsmartphones offenbar einen Namen gefunden, der möglicherweise dem größten Upgrade in der Geschichte des iPhones gerecht wird: Während ein iPhone 8 schlicht der Nachfolger zur Vorgängergeneration ist, sticht eine 10, zumal in der römischen Nomenklatur, noch einmal extra heraus. Gleichfalls schlägt Apple die Brücke zu seinem Betriebssystem Mac OS, das seit 2000 von dem X flankiert wird.

iPhone 8 statt iPhone 7s: schon aus Marketingsicht sinnvoll 

Fast noch wichtiger ist jedoch die Bezeichnungsoption, die sich plötzlich für das Nachfolgemodell zum iPhone 7 auftut, das bislang mit einem iPhone 7s als gesetzt galt – schließlich hat die s-Generation seit 2009 (mit dem iPhone 3 GS) Tradition. Bereits im vergangenen Jahr wich Apple bei einem kleinen Update allerdings von seiner tradierten Nomenklatur ab, zumal das iPhone 7 kaum der große Modellsprung war, auf den Apple-Fans gewartet hatten und den die Bezeichnung iPhone 7 eigentlich nahelegte. (Tatsächlich erschien das iPhone im dritten Jahr in praktisch identischem Design).

Mit der gleichen Logik, von Jahr zu Jahr eine neue große Generation einzuführen, selbst wenn sie noch so marginal verändert wird, könnte nun auf das iPhone 7 das iPhone 8 folgen, welches das dritte Mal in Folge optisch als Variation des iPhone 6 daherkommt. Eine Bezeichnung als iPhone 8 statt iPhone 7s macht alleine aus Marketingsicht weitaus mehr Sinn – hat sich in den vergangenen Monaten der mediale Buzz um das iPhone 8 doch immer weiter aufgeheizt, selbst wenn damit das neue OLED-Flaggschiff-Smartphone gemeint war.  Gleichzeitig klingt eine große iPhone-Generation wertiger und revolutionärer als die s-Variante, die wie ein Remix der Hitsingle aus dem Vorjahr daherkommt.

Die Psychologie der Preisgestaltung

Entsprechend könnte sich Apple den Marketingtrick wieder einmal vergolden lassen. Traditionell bietet Apple nach einem iPhone-Launch das Vorgängermodell mit einem Abschlag von 100 Dollar an – so war es beim iPhone 6 nach dem iPhone 6s-Launch und beim iPhone 6s nach dem iPhone 7-Launch.

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Das könnte beim iPhone 7 wieder der Fall sein – das aktuelle Flaggschiff wäre dann schon für 549 Dollar bzw. mutmaßlich 649 Euro zu haben. Für das iPhone 8 und 8 Plus, das lediglich in den Komponenten und ggf. mit einem Glasrücken-Look ein Upgrade erhalten dürfte, könnte Apple dann den heutigen iPhone-Preis aufrufen: Start bei 649 Dollar oder 759 Euro.

Die Psychologie der Preisgestaltung ist dabei nicht zu unterschätzen: Das iPhone 7 sieht mit einem Nachlass von 100 Dollar plötzlich regelrecht günstig aus, während das iPhone 8 als vermeintlich volle Generation mit dem vom iPhone 7 gekannten Preis normal bepreist erscheint. Die Preisgestaltung wirkt aber auch von oben: Plötzlich erscheint ein iPhone 8  gar nicht mehr so teuer, weil es künftig ein iPhone geben wird, das viel mehr kosten dürfte – das iPhone X, das erst bei 999 Dollar beginnen könnte.

Das iPhone 8 wäre demnach plötzlich das mittlere Modell, dessen eigentlicher Premiumpreis als solcher kaum mehr wahrgenommen wird – das iPhone X dürfte schließlich 250 bis 350 Dollar mehr kosten. Entsprechend favorisiert die Preispsychologie vor allem den Kauf des wohlklingenden iPhone 8, das doch nicht viel mehr ist als ein schnelleres iPhone 7.

Erstmals vier verschiedene iPhone-Generationen? 

Gerade älteren iPhone-Besitzern und Käufern, die immer einmal ein iPhone erwerben wollten, dürften das iPhone 8 und ein ermäßigtes iPhone 7 als attraktiv erscheinen. Wie enorm groß die Menge an potenziell Upgrade-fähigen Kunden ist, haben die Marktforscher von Consumer Intelligence Research Partners in den USA vorgerechnet: Von aktuell 141 Millionen iPhone-Kunden besitzen lediglich 48 Millionen das iPhone 7 oder 7 Plus. In anderen Worten: 93 Millionen Amerikaner besitzen das 2015 gelaunchte iPhone 6s, das 2014 gelaunchte  iPhone 6 oder ein älteres Modell (bzw. das iPhone SE).

Das Upgrade-Potenzial ist also enorm. Kunden, die ein iPhone wollen, aber vor dem mutmaßlich hohen Preis des iPhone X zurückschrecken, holt Apple mit erschwinglicheren Modellen in Form des iPhone 8 und vielleicht auch weiterhin dem iPhone 7 ab. Es wäre das erste Mal, dass der Techpionier zusammen mit der nur 4 Zoll großen Einsteigerversion iPhone SE gleich vier verschiedene iPhone-Generationen anbietet.

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