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Grosso-Verband kontert Vorwürfe der Verlage: „Waren noch nie so effizient und leistungsstark wie heute“

Widerspricht der Darstellung der Verlagsallianz: Grosso-Verbandsgeschäftsführer Kai-Christian Albrecht
Widerspricht der Darstellung der Verlagsallianz: Grosso-Verbandsgeschäftsführer Kai-Christian Albrecht

Der Zoff um die Zukunft des Grossosystems geht weiter. Eine Allianz aus sechs Großverlage fordert, das Vertriebssystem durch Zusammenschlüsse deutlich zu straffen. Damit soll die Verteilung von Zeitungen und Zeitschriften effizienter werden (MEEDIA berichtete). Jetzt kontert der Grossoverband. Das Argument: Er befürworte durchaus die weitere Konsolidierung, könne Fusionen aber auch nicht anordnen.

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Zudem kritisiert die Verbandsspitze das Vorgehen der Medienhäuser bei den anstehenden Verhandlungen. Man halte es für nicht erforderlich, „den Druck auf die Gemeinschaft der Grossisten von außen zu erhöhen“. Eigentlich hatte der Grossoverband für seine diesjährige Jahrestagung rund 400 Gäste aus den eigenen Reihen und den Verlagen erwartet. Jetzt fällt die Veranstaltung wohl etwas kleiner aus. Kurz vor der Tagung hat eine Allianz aus sechs Großverlagen (Bauer Media, Funke, Axel Springer, Burda, Klambt und Spiegel-Verlag) ihre Teilnahme abgesagt. Auch Gruner + Jahr, das der Allianz nicht angehört, bleibt dem wichtigen Branchentreffen fern.

Die Allianz der Großverlage ist alarmiert. Sie führt mit dem Grossoverband seit Monaten Gespräche, um die Strukturen zu vereinfachen. Vor allem soll die Zahl der im Verband organisierten Grossisten deutlich sinken. „Im Kern geht es darum – und das ist zugleich der schwierigste Punkt – das System zu konsolidieren. Es benötigt eine deutlich geringere Zahl von schlagkräftigen und resistenten Betrieben, um den Handel deutschlandweit mit Zeitungen und Zeitschriften zu versorgen“, erklärt Burda-Vorstand Philipp Welte im Gespräch mit MEEDIA.

Jetzt kontert der Grossoverband die Forderungen. „Wir waren noch nie so schlank, effizient und leistungsstark wie heute. Die Konsolidierung wird allein aufgrund der Marktentwicklung weitergehen, sich vermutlch auch noch beschleunigen. Insofern ist es nicht richtig zu sagen, da tut sich nichts oder zu wenig“, resümiert der Verband. So habe sich bereits in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Grossisten auf 46 nahezu halbiert. Diesen Prozeß begleite der Grossoverband weiter. Er könne „Fusionen aber auch nicht anordnen“, so die Grossisten. Der Verband betont, dass die Grossisten die Effekte aus den Fusionen benötigen würden, um „in dramatisch sinkenden Märkten eine Top-Leistung zu erbringen“. Geleitet wird die Lobbyvereingung von Geschäftsführer Kai-Christian Albrecht, ihr Präsident ist Frank Nolte. Die Verlage erwarten MEEDIA-Informationen zufolge eine Absenkung der Zahl der Grossobetriebe auf 15 bis 20, um größere und schlagkräftigere Betriebe zu realisieren.

Kritik äußern die Grossisten vor allem an dem Vorgehen der Verlagsallianz. Es sei nicht erforderlich, „den Druck auf die Gemeinschaft der Grossisten von außen zu erhöhen.“ Der Verband kenne selber genau die Nöte der Branche und konstatiert: „Wenn die Marktentwicklung anhält wie zuletzt, verliert der Pressegroßhandel jedes Jahr 20 Millionen Euro Roherlös.“ Sinke die Anzahl der Grossisten in den nächsten zwei bis drei Jahren, würde jedes Unternehmen im Schnitt eine Millionen Euro weniger an Deckungsbeitrag erwirtschaften. „Wie wollen wir bei dem hohen Anteil fixer und springfixer Kosten die Gesamtkosten entsprechend anpassen, wenn gleichzeitig ein flächendeckendes Vertriebsnetz und der Versorgungsauftrag gewährleistet werden sollen“, fragt deshalb der Verband. Er wünscht sich daher, dass die Verlagsallianz die wirtschaftlichen Prognosen sehr viel stärker bei einer zukünftigen Vereinbarung“ berücksichtigen solle. Der Verband lehne den Vorschlag der Medienhäuser nicht ab. Vielmehr wolle er ihn um „intelligente, variable Komponenten ergänzen.“ Um was es sich dabei handelt, ließen die Grossisten offen.

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