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OLED-Display beim iPhone 8: Wie sich Apple von Samsung abhängig macht

Apple CEO Tim Cook und Samsung CEO Oh-Hyun Kwon: Von Erzrivalen zu engen Geschäftspartnern
Apple CEO Tim Cook und Samsung CEO Oh-Hyun Kwon: Von Erzrivalen zu engen Geschäftspartnern

Während Apple-Fans rund um den Erdball gespannt auf das runderneuerte Jubiläums-Smartphone aus Cupertino warten, beginnt sich die Wall Street um eine neue, alte Geschäftsbeziehung Apples zu sorgen. Ausgerechnet der Erzrivale Samsung fertigt exklusiv die OLED-Displays des iPhone 8 – und kann Apple dabei Preis und Verfügbarkeit diktieren. Der wertvollste Konzern der Welt hat sich damit in eine bizarre Abhängigkeit vom größten Smartphone-Rivalen begeben.

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Das Smartphone-Duell schien entschieden: Auch wenn Samsung nach Stückzahlen immer noch deutlich mehr Geräte als Apple absetzt, streicht der Kultkonzern aus Cupertino doch den Löwenanteil der Branchengewinne ein.

Dann meldete sich Samsung mit dem Galaxy S6 und gebogenem Galaxy S6 edge zurück – und setzte einen neuen Smartphone-Trend. Plötzlich kamen die Innovationen wieder von den Südkoreanern. Auch wenn sich Samsung 2016 mit dem Note 7 das Image-Debakel des Jahres leistete, begann der wertvollste Konzern Südkoreas an der Börse wieder durchzustarten.

Apple: Vom Erzrivalen zum besten Kunden Samsungs 

Das lag zum Großteil an der eigentlichen Stärke des asiatischen Verbraucherelektronikpioniers: dem Geschäft mit Komponenten. Samsung verdient bislang nicht nur am Verkauf eigener Produkte – von Smartphones bis zu Mikrowellen –, sondern blendend am Vertrieb von Speicherchips, Prozessoren und Displays.

Der neuste Abnehmer für Smartphone-Displays ist ausgerechnet ein alter Rivale, der sich mit den Südkoreanern den Patentprozess des Jahrhunderts geliefert hat: Apple. Fünf Jahre nach dem epischen Showdown um Plagiate scheinen die Wogen zwischen Seoul und Cupertino wieder geglättet: Apple ordert wieder bei Samsung – und das im ganz großen Stil.

OLED-Großauftrag an Samsung bereits 2016 platziert

Einen Auftrag in Höhe von kolportierten 4 Milliarden Dollar soll Apple an Samsung Ende 2016 für dieses Fiskaljahr vergeben haben, wie aus einer Pflichtmitteilung von Apple bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorging.

Die US-Bank JP Morgan, der die signifikanten Kapitalaufwendungen  aufgefallen war, war der Auffassung, dass es sich bei dieser Größenordnung nur um eine Großbestellung für das nächste iPhone handeln konnte – nämlich für OLED-Displays, die bislang nur von Samsung hergestellt werden.

Die biegsamen OLED-Displays, die für ihre knackigere Farbgebung bekannt sind, sind in hohen Stückzahlen jedoch schwierig zu produzieren – deswegen dürfte Apple seine Bestellung so frühzeitig platziert haben, mutmaßte das Blog AppleInsider seinerzeit.

OLED-Displays für das iPhone 8: Plötzlich hängt alles an Samsung

Schnellvorlauf zum Spätsommer 2017:  Wohl und Wehe des neuen iPhones scheinen am OLED-Display zu hängen. Seit Monaten wird darüber spekuliert, dass sich die Auslieferung des iPhone 8 durch geringe Verfügbarkeit der OLED-Displays und kompliziertere Fertigung verzögern könnte – erst gestern zirkulierten neue Gerüchte.

Doch nicht nur bei der Verfügbarkeit hat sich Apple von seinem einstigen Erzrivalen abhängig gemacht – sondern auch beim Preis. Nach Einschätzung von KGI Securities-Analyst Ming Chi Kuo zahlt Apple beim OLED-Display nämlich massiv drauf.

iPhone 8 verteuert sich vor allem wegen Samsungs OLED-Display

Der gut informierte Tech-Analyst rechnet damit, dass Samsung Apple pro OLED-Display für 120 bis 130 Dollar in Rechnung stellt – ein drastischer Preisanstieg von 75 Dollar gegenüber den bisher verwendeten LCD-Displays. Entsprechend dürfte sich der Preis des iPhone massiv verteuern – auf 900  bis 1000 Dollar für das Einstiegsmodell.

Bizarre Folge: Samsung beeinflusst am Ende so maßgeblich den Liefertermin und die Preisgestaltung  beim wichtigsten Produkt seines ärgsten Rivalen mit.  „Apple muss unbedingt schnell eine zweite OLED-Quelle auftun“, beschreibt Ming-Chi Kuo gegenüber AppleInsider das für den Kultkonzern aus Cupertino ungünstige neue Abhängigkeitsverhältnis.

LG könnte wohl erst 2019 OLED-Displays liefern

Doch daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Wie AppleInsider berichtet, dürfte mit LG ein zweiter Zulieferer erst 2019 – und damit erst zum über-übernächsten iPhone-Modell – die Kapazitäten für eine Massenproduktion von OLED-Displays besitzen.

Warum setzt Apple überhaupt auf ein Display, durch das sich der wertvollste Konzern plötzlich unerwartet verwundbar zeigt? Der kalifornische Techpionier  verwendet OLED-Displays bisher bereits in der Apple Watch und der Bedienleiste Touch Bar beim neuen MacBook Pro.

Warum OLED?

Die Vorteile der OLED-Technologie könnten einen Hinweis auf Apples zukünftige Ambitionen geben: OLED-Displays bieten eine deutlich höhere Auflösung, die beim Einsatz von VR-Brillen eine wichtige Rolle spielt. Zudem könnte Apple bei zukünftigen iPhone-Modellen auch erstmals auf ein abgerundetes Display setzen – und damit nicht nur bei Samsung bestellen, sondern die Südkoreaner auch nachahmen…

An der Wall Street ist die Sorge um die neue Abhängigkeit vom Erzfeind inzwischen durchgedrungen: Gegen den positiven Markttrend fiel die Apple-Aktie gestern weiter leicht auf 161 Dollar zurück.

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