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Nach Gegendarstellung von Flüchtlingsheim: SterniPark will Spiegel nun auch noch zur Richtigstellung zwingen

Weiterhin ist eine Einigung zwischen dem Spiegel-Verlag und der SterniPark GmbH nicht in Sicht.
Weiterhin ist eine Einigung zwischen dem Spiegel-Verlag und der SterniPark GmbH nicht in Sicht.

Anfang des Jahres berichtete der Spiegel über Missstände in einem Flüchtlingsheim für Minderjährige in Norddeutschland. In dem Bericht kritisieren Vormunde hygienische Mängel und die Umgangsformen des Personals. Der Betreiber der Einrichtung, die SterniPark GmbH, hat vor dem Hamburger Landgericht bereits im Mai 2017 eine Gegendarstellung im Spiegel durchgesetzt. Das reicht den Verantwortlichen der Flüchtlingsunterkunft aber noch nicht.

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SterniPark-Geschäftsführerin Leila Moysich fordert zusätzlich zu der Gegendarstellung (Az. am OLG 7 U 62/17), die in der Spiegel-Ausgabe 21/17 erschienen ist (MEEDIA berichtete), eine Richtigstellung. Am heutigen Verhandlungstag vor dem Hamburger Landgericht (Az. 324 O 192/17) ging es um mehrere Passagen aus der Spiegel-Reportage „Rauer Ton“ (Ausgabe 4/17). SterniPark-Anwalt Johannes Eisenberg wirft dem Nachrichtenmagazin nach wie vor „verlogene Verdachtsberichterstattung“ vor.

Die Formulierungen der Magazin-Story seien mehrfach so gewählt, dass sie die Realität in der Flüchtlingsunterkunft nicht abbilden, so der Anwalt. Darüber hinaus seien „außerordentlich wichtige Details und Zusammenhänge“ nicht in den Artikel eingeflossen, wodurch erst der Eindruck von Missständen in den Standorten der Heime entstanden sei.

Eisenberg erklärte, SterniPark würde von der Forderung auf eine Richtigstellung nicht abweichen. „Meiner Mandantin werden Verletzungen des Grundgesetzes und der Menschenwürde vorgeworfen, die nicht stimmen.“ Der Spiegel sei „wie immer“ nicht in der Lage, Fehler einzusehen und zu korrigieren, unterstellte in gewohnt krawalliger Manier.

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Der Spiegel, vertreten durch Rechtsanwalt Marc-Oliver Srocke, beharrt dagegen auch im Hauptsacheverfahren darauf, dass alle im Artikel genannten Fakten sauber recherchiert und durch Quellen belegt seien. „Unsere Verdachtsberichterstattung ist in diesem Fall rechtmäßig, weil wir zwei Positionen gegenüberstellen“, so der Anwalt. Der Spiegel habe SterniPark die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt und die Antworten von der Geschäftsführung „umfangreich berücksichtigt“.

Die Verkündung einer Entscheidung der Hamburger Pressekammer ist noch nicht absehbar. Am Ende des Termins beschloss die Vorsitzende Richterin Simone Käfer, die Verhandlung auf den 22. September zu vertagen.

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