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Von Axel Springer zu Verimi: Bild-Managerin Donata Hopfen wird CEO der Datenallianz deutscher Konzerne

Verlässt Axel Springers Bild und wechselt ins Konzern-Bündnis Verimi: Donata Hopfen.
Verlässt Axel Springers Bild und wechselt ins Konzern-Bündnis Verimi: Donata Hopfen.

Bild' Dir Deine Daten-Allianz: Donata Hopfen, Top-Managerin bei Axel Springers Boulevardmarke Bild, verlässt das Haus und wird CEO der Konzern-Bündnisses Verimi. Das Unternehmen will durch einen "Master-Login" für Millionen Verbraucher ein europäisches Gegenwicht zu den global dominierenden Giganten Google, Facebook, Amazon und Apple schaffen. Die 41-Jährige tritt den neuen Job am 1. Oktober an.

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Als Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung der Bild-Gruppe war Hopfen bei der Cash-Cow des Verlags für seit 2014 für Print wie Digitales verantwortlich, zuvor hatte sie seit 2003 unterschiedliche digitale Führungspositionen inne und war immer wieder an der „Innovations-Front“ des ehemaligen Zeitungs- und Zeitschriftenhauses tätig, das unter Vorstandschef Mathias Döpfner seit einer Dekade zum expandierenden Digitalunternehmen transformiert wird.

Springer ist auch Gründungsmitglied bei der geplante Datenallianz, die ursprünglich unter dem Namen DIPP firmierte. Weitere Beteiligte sind die Deutsche Bank, Daimler, Allianz sowie seit kurzem auch Lufthansa, Telekom und die Bundesdruckerei. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass Verimi eine übergreifenden Tech-Plattform aufsetzt, die einen autarken Web-Zugang für Nutzer anbietet, die diesen eine Vielzahl von digitalen Möglichkeiten erschließt. Verimi ist dabei ein Kunstwort in Anlehnung an die Begriffe „Verify“ und „Me“. Auch Behördengänge sollen durch das sichere All-in-One-Password in Zukunft überflüssig werden. Das Produktversprechen: Mit dem verschlüsselten und rechtssicheren Login sollen Verbraucher die volle Kontrolle über ihre Daten behalten.

Damit zählt das Projekt zu den ehrgeizigsten und strategisch bedeutendsten Vorhaben der deutschen Wirtschaft. Für Hopfen, die damit der Medienindustrie den Rücken kehrt, ist der neue Job eine große Herausforderung. Der bisherige Firmensitz Frankfurt soll laut Ankündigung der Partner aufgegeben und in die Hauptstadt verlegt werden. Die GmbH ist auf Gewinnerzielung getrimmt; spätere Erlöse sollen zu gleichen Teilen an die Partner ausgeschüttet werden. Allerdings ist man mit der Idee nicht allein auf weiter Flur: Erst vor wenigen Wochen hat sich eine zweite Daten-Allianz um RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 Media sowie United Internet AG mit den Diensten um web.de und gmx gebildet, um eine übergreifendes Registrierungs- und Anmeldeverfahren im Internet zu schaffen. Erster Partner ist hier der Berliner Versandhändler Zalando.

Hopfen kann hier durchaus auf ihre Erfahrungen bei der Bild-Gruppe bauen. Das Boulevardblatt führte in ihrer Zeit ein Paidcontent-System (Bild Plus) ein, das mit dem Login „My Pass“ ebenfalls einen Zentralschlüssel für die kostenpflichtigen Funktionen aufweist. Nun gilt es, eine ganze Reihe von unterschiedlichen Partnern mit ihren jeweiligen Dienstleistungen in das Angebot zu integrieren. Dabei können die User einmalig ihren Namen und ein Passwort auf einer einheitlichen Plattform hinterlegen, um „auf die Anwendungen der beteiligten Unternehmen zugreifen zu können“, heißt es bei Verimi. Dadurch würde die „zeitraubende Eingabe persönlicher Daten bei jeder neuen Anwendung sowie die Verwaltung mehrerer Passwörter für unterschiedliche Internetseiten“ entfallen.

Die Betriebswirtin begann ihre Laufbahn in der Unternehmensberatung Accenture, bevor sie 2003 als Business Manager zu Bild-T-Online wechselte. Von 2006 bis 2009 war sie Leiterin Business Development im Geschäftsführungsbereich Elektronische Medien bei Axel Springer und übernahm im Mai 2009 die Verantwortung als General Manager von Bildmobil.

Das Verimi-Konsortium will bis 2018 ein transparentes Modell entwickeln, das dem neuen Europäischen Datenschutzrecht entspricht. Um jedoch auch personalisierte Werbung anzubieten, behalten sich die Unternehmen aber vor, die User-Daten zwischen Account-Providern und Diensten zu übertragen – allerdings „nur nach Zustimmung des Nutzers“. Mit dem Bündnis würden vom Start weg 45 Millionen Nutzer erreicht, so die Prognose der Partner-Konzerne – damit ist die „Reichweite“ mehr als drei Mal so hoch wie die der gedruckten Bild. Insgesamt, also inklusive der digitalen Angebote, kommt die Marke inzwischen allerdings auf 38,5 Millionen Nutzer.

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Der stellvertretender Vorstandsvorsitzender Deutsche Bank, Christian Sewing, sagte für die Partner von Verimi: „Wir freuen uns, mit Donata Hopfen eine überaus profilierte Expertin für digitale Geschäftsmodelle gewonnen zu haben. Sie steht als Geschäftsführerin für den Willen von verimi, zu einem echten europäischen Plattformanbieter zu werden.“

Wie es nach dem Ausscheiden von Donata Hopfen bei Springers Roter Gruppe weiter geht, hat das Unternehmen noch nicht bekannt gegeben.

Die scheidende Verlagsgeschäftsführerin nahm zu ihrem Wechsel einer E-Mail an die Bild-Mitarbeiter Stellung, die MEEDIA vorliegt. Darin schreibt sie:

„Die Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht. (…) Die Zeiten bei Axel Springer und Bild haben gezeigt, wie groß die Chancen der Digitalisierung sind. Gleichzeitig haben die vergangenen Monate aber auch ein Gefühl dafür entstehen lassen, wie stark die Position der digitalen amerikanischen und asiatischen Plattformen ist und welche Herausforderung sie für Deutschland und Europa darstellen könnten, wenn es nicht gelingt, eine alternative europäische Lösung anzubieten. Vor diesem Hintergrund ist es meine feste Überzeugung, dass wir mit diesem Projekt und dem klaren Commitment des Gesellschafterkreises die einzigartige Chance haben, noch etwas entgegenzusetzen. Deshalb habe ich mich entschieden, diese Herausforderung anzunehmen und freue mich auf die Aufgabe.“

Zum Abschluss hatte sie noch eine persönliche Botschaft für die Bild-Mannschaft: „Vor allem aber blicke ich zurück auf eine einmalige Zeit (…), die geprägt war von Innovationsdynamik, Gestaltungsfreiraum und großem Vertrauen seitens des Vorstandes, wofür ich sehr dankbar bin.“

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