Anzeige

Strukturreform bei Axel Springer: Stephanie Caspar verantwortet künftig Digital, Christian Nienhaus Print

Stephanie Gaspar und Christian Nienhaus
Stephanie Gaspar und Christian Nienhaus

Mit dem Wechsel der Chefin der Bild-Gruppe, Donata Hopfen, an die Spitze von verimi baut Axel Springer die Verlagsstruktur von Bild und Welt um. Betroffen sind davon auch Vermarktungs- und Vertriebsaktivitäten im deutschen Markt. So führt Stephanie Caspar künftig alles Digitale, während Christian Nienhaus übergreifend alle nationalen Printaktivitäten verantwortet. Der Verlag kehrt damit zur Trennung von Print und Online im Management zurück.

Anzeige
Anzeige

Offenbar hoffen die Berliner, mit der neuen Struktur im Digitalbereich noch schneller und konsequenter agieren zu können. Die Neuorganisation betrifft allerdings ausschließlich die Verlagsbereiche. Die Redaktionen werden davon nicht tangiert. So hätte sich die vollintegrierte redaktionelle Zusammenarbeit aller Kanäle – Digital, TV und Print – als Erfolgsmodell bewährt und solle deshalb weitergeführt werden, wie es in der Mitteilung des Verlages heißt.

Künftig soll Stephanie Caspar übergreifend alle Digitalaktivitäten der nationalen Medienmarken und die Digitalvermarktung innerhalb von Media Impact, den Kundenservice und die IT führen. Bislang firmierte die 43-Jährige als Geschäftsführerin von WeltN24. Um die Printangebote in Deutschland inklusive Print-Vermarktung, -Vertrieb und Druckereien kümmert sich Christian Nienhaus. Der 57-Jährige war bislang Vorsitzender der Geschäftsführungen Media Impact und Sales Impact.

„Das Markt- und Wettbewerbsumfeld der Medienmarken in Deutschland hat sich gravierend verändert. Die Anforderungen an gedruckte und digitale Medien unterscheiden sich immer stärker”, analysiert Vorstand Jan Bayer. Dieser Trend werde seiner Einschätzung nach weiter zunehmen. Mit dem Wechsel von Donata Hopfen zu Verimi wird ihre Super-Funktion in der Geschäftsführung folgerichtig nicht nach besetzt, sondern künftig in voneinander getrennte Verantwortungsbereiche aufgeteilt.

Am Nachmittag verschickte Springer-Vorstand Jan Bayer eine Mail an die Belegschaft, in der er die Neuordnung begründete. MEEDIA dokumentiert seine Ausführungen im Wortlaut:

„In den letzten Monaten habe ich mich viel damit beschäftigt, wie sich das Marktumfeld verändert hat und was das für uns heißt. Dazu bin ich auch immer wieder in die USA gereist, um zu verstehen, welche Rolle zum Beispiel die großen Technologieplattformen wie Facebook, Google, YouTube spielen, wie sich Medienunternehmen dort darauf einstellen und welchen Einfluss das auf unser Geschäft hat.

Wir arbeiten bereits seit langem sehr erfolgreich in unseren Redaktionen vollintegriert, also Print und Digital aus einer Hand. Das ist richtig so, hat sich bewährt und wird auch so bleiben.

Mir ist aber seit langem klar geworden, dass sich die Herausforderungen an unser Geschäftsmodell bei Print und Digital stark auseinander entwickeln und dass wir vor diesem Hintergrund unsere Verlagsorganisationen klar auf diese Herausforderungen ausrichten sollten.

Zunächst zu Print: Ich bin mit Tageszeitungen und Zeitschriften groß geworden, liebe sie und glaube an ihre Zukunft. Unser Geschäft ist in diesem Segment weiterhin groß. Wir müssen jedoch feststellen, dass wir die Rückgänge bei den Auflagen und Anzeigen nicht verhindern können. Aber wir können jede Menge tun, damit die Kurve des Rückgangs flacher wird!

In der öffentlichen Debatte ist Print entwertet. Das ist nicht gerechtfertigt und dazu hat die Verlagsbranche leider selbst einen gehörigen Teil beigetragen. In manchen Flughafenterminals gibt es zum Beispiel gar keine Zeitungen und Zeitschriften mehr, weil man dort der Ansicht ist, dass Menschen das nicht mehr wollen. Ein großer Fehler, denn gerade in der aktuellen „Leseranalyse Entscheidungsträger“, einer Untersuchung, in der regelmäßig Führungskräfte befragt werden, ist herausgekommen, dass dieses Jahr Entscheider in Deutschland wieder mehr zu Print gegriffen haben, weil sie auf Papier lesen wollen, was in der Welt passiert.

Print muss und wird seinen Platz im Mediamix behaupten, wir müssen allerdings deutlich mehr um jedes verkaufte Exemplar und jede Anzeige kämpfen. Und wir werden uns wieder darauf besinnen, was für den Erfolg unserer Marken entscheidend ist: Wir müssen wieder mehr darüber reden, wie wir das beste Produkt machen, herausfinden, was die Leser wirklich wollen, den besten Kundenservice bieten.

Zu Digital: Durch die globale Dominanz von Google und Facebook im digitalen Werbemarkt und zunehmend auch im Lesermarkt, sind auch hier die Herausforderungen sehr groß. Und diese sind für jede unserer tollen Marken sehr ähnlich: Wie schaffen wir es, die Abhängigkeiten von den großen Plattformen zu reduzieren? Wie können wir den Umsatz zahlender Abonnenten deutlich erhöhen? Wie schaffen wir es, im digitalen Werbemarkt Vereinbarungen mit Kunden zu treffen, die unsere Leistungen besser vergüten?

Anzeige

Wir müssen uns viel klarer als bisher und mit aller Kraft auf die individuellen Stärken und Herausforderungen von Print und Digital konzentrieren. Dafür werden wir Experten innerhalb der Verlagsorganisation zu einem Thema markenübergreifend zusammenbringen, um die besten Gesamtkonzepte zu entwickeln. Wir werden zwei separate Verlagsbereiche schaffen, in denen die jeweiligen Teams und Marken zugeordnet sind:

  1. die Digitalaktivitäten der Medienmarken mit Digitalvermarktung innerhalb von Media Impact, IT und Kundenservice,
  2. die Printaktivitäten der Medienmarken inklusive Print-Vermarktung, -Vertrieb und Druckereien.

Mit der neuen Struktur wollen wir im Digitalbereich noch schneller und konsequenter agieren. Investitionen in Produkte, in Kundenbeziehungen und in Technologie sollen sich für alle Marken positiv auszahlen und ihre größtmögliche Wirkung entfalten. Im Printbereich schaffen wir mit der neuen Aufstellung klare Zuständigkeiten, eine effiziente Organisation und bringen eine besondere Mischung an Kollegen mit Erfahrung, Leidenschaft und Innovationskraft zusammen.

Nun könnten Sie sagen: Ist es denn richtig, dass wir in den Verlagsbereichen die Marken Print und Digital trennen? Das ist eine Frage, mit der ich mich natürlich auch beschäftigt habe. Aber für unsere Leser war und ist der Kern unserer Marken die jeweilige Redaktion. Und die bleibt unverändert über alle Kanäle hinweg integriert, dort wird sich nichts ändern.

In der neuen Verlagsorganisation geht es mir aber auch – und die, die mich besser kennen, wissen das – um ein Miteinander statt Gegeneinander, um Integration statt Abgrenzung, um das gemeinsame Arbeiten an den großen Zielen statt Kleinstaaterei, um neues statt altes Denken. Der Wettbewerb bei uns war manchmal zu viel intern statt extern. Der Wettbewerb ist draußen aber ohnehin schwer, deswegen müssen wir intern wieder stärker an einem Strang ziehen. Wir müssen uns deshalb markenübergreifend enger verbünden, um unsere Energie zu nutzen für die Verbesserung unserer Angebote und damit für unsere Leser und Nutzer.

Unsere derzeitige Organisation in den Verlagsbereichen ist zu kleinteilig, zu fragmentiert, zu komplex, Verantwortlichkeiten sind oft nicht klar. Das will ich nun ändern. Wir werden Strukturen und Hierarchien vereinfachen, komplizierte Abstimmungen zwischen Bereichen minimieren und agiler zusammenarbeiten. Nur so werden wir uns auch kulturell weiterentwickeln, werden wir schneller und noch besser.

In beiden Bereichen – Print und Digital – sind wir bereits besser als der Wettbewerb. Das ist schön, und das zeigen auch die Zahlen. Aber wir haben es in der Vergangenheit immer geschafft, frühzeitig vorherzusehen, wie sich das Geschäft entwickeln wird und unsere Organisation daraufhin anzupassen. Im Digitalen ist unser Wettbewerb nicht mehr nur in Deutschland, sondern im Werbemarkt auch in den USA. Dem müssen wir Rechnung tragen.

Manche von Ihnen werden nun denken: Hört das nie auf mit den ständigen Veränderungen bei Axel Springer und wie lange wird es dauern, bis wieder etwas Neues kommt. Dem kann ich entgegnen: Wir sind schon sehr gut darin, uns, unser Handeln, unsere Organisation immer wieder zu hinterfragen. Wenn wir das nicht tun, ergeht es uns so wie den Medienhäuser oder Medienmarken, die es nicht mehr gibt.

Beide Herausforderungen – Print und Digital – sind gewaltig. Ich will sie mit Ihnen künftig noch entschlossener und schlagkräftiger angehen und so mit unseren nationalen Marken bei Print und Digital weiter gewinnen. Dafür müssen wir unsere Kräfte klug bündeln.

Die genauen Organisationen mit Verantwortlichkeiten innerhalb der Digital- und Printstruktur werden wir bis spätestens Ende September verkünden.

Dass diese Veränderung ein Erfolg wird, dafür werde ich sorgen. Ich freue mich darauf und auf Ihre Unterstützung!“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige