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Kalkulierter Eklat: AfD-Politikerin Alice Weidel verlässt TV-Studio bei Live-Talk – und die Medien stürmen hinterher

Kalkulierter Abgang? AfD-Politikerin Weidel verließ die Live-Sendung „Wie geht’s Deutschland“
Kalkulierter Abgang? AfD-Politikerin Weidel verließ die Live-Sendung "Wie geht's Deutschland"

Die Alternative für Deutschland greift mal wieder zu plakativen Mitteln, um von inhaltlichen Diskussionen abzulenken und stattdessen sich selbst ins Gerede zu bringen. Nach einer Kontroverse mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer griff AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel nach ihren Notizen und marschierte demonstrativ an den Kameras vorbei Richtung Ausgang. Die Inszenierung war perfekt, der schnelle Klick für Online-Portale auch.

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Die Alternative für Deutschland (AfD) hat schon oft unter Beweis gestellt, dass sie die Medien-Mechanismen verstanden hat und im Sinne der Inszenierung mit ihnen umzugehen weiß. Dafür braucht sie nicht einmal Inhalte. Populismus und plakative Äußerungen oder plumpe Aktionen reichen – wie am Dienstagabend, als AfD-Spitzenkandidatin vor laufenden ZDF-Kameras ihre Notizen zusammenkramte und die Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ verließ.

Kurz zuvor war sie CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ins Wort gefallen und warf ihm vor, illegale Einwanderung legalisieren zu wollen. Dieser holte zum Gegenschlag aus, forderte von Weidel, sich von umstrittenen AfD-Mitgliedern wie den Co-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und dem thüringischen AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke zu distanzieren – eine wenig überraschende und nicht ungewöhnliche Forderung. Als Scheurer letzten noch als Rechtsradikalen bezeichnete, nahm Weidel das allerdings zum Anlass, den Rest der Sendung zu boykottieren.

Aus einer absurden Szenerie wurde erst die perfekte Inszenierung, als ein leider erwartbarer Effekt eingetreten war: die simple Verbreitung des Boykotts über sämtliche Online-Medien hinweg. Noch im Laufe des Abends – viele Redaktionen sind vor Mitternacht noch besetzt – gingen die ersten Artikel online. Bis zum Morgen waren es zahlreiche mit Headlines wie „AfD-Weidel verlässt ZDF-Sendung!“ (Bild), „Alice Weidel sorgt bei ZDF-Wahlsendung für Eklat“ (RP Online). Einordnungen gab es keine. T-Online verpasste seinem Stück sogar die Zeile „Weidel platzt in ZDF-Wahlsendung der Kragen“. Dabei ist genau das zu bezweifeln.

Denn Weidels Flucht aus dem Studio wirkte alles andere als authentisch, bereits den ganzen Abend über trat die AfD-Spitzenkandidatin aggressiv auf, schien eine Auseinandersetzung wie diese zu suchen. Als nur Minuten nach dem Vorfall auf Weidels Facebook-Account eine Stellungnahme online ging, in der sie sich nicht über Scheuer echauffierte, sondern Moderatorin Mariette Slomka wegen angeblicher Voreingenommen angriff und sie als parteiisch kritisierte, war ein Kalkül eigentlich nicht mehr auszuschließen. Medien, die darauf eingingen, waren allerdings Ausnahmen. Dabei hätte es – für die schnelle Nummer – nicht einmal mehr gebraucht als die Stimmen einiger politischer Kommentatoren, die sich in sozialen Netzwerken unaufgefordert zu Wort melden – oder die Erwähnung des Anfang des Jahres bekannt gewordenen Strategiepapiers der AfD. In diesem legt die Partei offen, dass man „vor sorgfältig geplanten Provokationen nicht zurückschrecken“ wolle.

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