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Lead Awards fallen 2017 aus: Markus Peichl hofft auf „Neustart“, doch die Zukunft der Print-Oscars ist ungewiss

Trauriges Jubiläum: Markus Peichl sagt die Lead Awards 2017 ab. Es wäre die 25. Ausgabe des Traditionspreises gewesen
Trauriges Jubiläum: Markus Peichl sagt die Lead Awards 2017 ab. Es wäre die 25. Ausgabe des Traditionspreises gewesen

Im vergangenen Jahr fand die Preisverleihung der Lead Awards aus Kostengründen nur noch unter Ausschluss der breiten Medienöffentlichkeit im kleinem Kreis statt. 2017 folgt nun der totale Verzicht. Die Lead Academy und ihr Chef Markus Peichl haben das Event abgesagt. “Die Lead Awards werden im Jahr 2017 pausieren”, erklärt Markus Peichl, Chef der Lead Academy gegenüber MEEDIA. Der umtriebige Gründer hofft auf einen Neustart – doch die Zukunft der "Print-Oscars" erscheint ungewisser denn je.

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Mit der Absage fällt ausgerechnet die 25. Ausgabe des Traditionspreises aus. Ein trauriges Jubiläum. Seit Jahren schon kämpfen die Lead Academy und ihr Vorsitzender in jeder Sitzungsperiode um die nötige Finanzierung des Events. So gehörten die Gerüchte über Finanzprobleme oder überfällige Rechnungen von Event-Dienstleistern fast schon zur Lead Award-Folklore.

Doch tatsächlich gestaltete sich auch die Sponsoren-Suche immer schwieriger. In Zeiten, in denen selbst der Nannen-Preis nur noch in deutlich kleinerem Rahmen als früher verliehen wird, fiel es den Machern offenbar immer schwerer, die nötige Unterstützung in den deutschen Verlagen und ihren Chefetagen zu finden. So gab es im vergangenen Jahr schon keinen roten Teppich und keine große Party mehr. Das gesetzte Essen reichte nur für knapp 200 Leute und in seiner Tischrede erklärte Peichl: „Ich hoffe, dass Ihnen diese Verleihung nicht gefallen hat.“

Finanziert wurden die Lead Awards in den vergangenen Jahren über 50 bis 70 Anzeigenseiten, die die Verlage sponsern. Diese reichte Peichl an eine Media-Agentur weiter, die das Paket vermarktete. Doch der Erlös fällt immer spärlicher aus, da sich das eher kleine Anzeigenkontingent nur mit einem hohen Rabatt an Werbungtreibende vermitteln lässt. Von einem Preisnachlass weit über 70 Prozent ist die Rede. Doch mit den Einnahmen hieraus kann der aus Wien stammende Medienunternehmer nicht mehr die Kosten decken. Peichl, der in Berlin eine gut gehende Galerie besitzt, musste persönlich Geld nachschießen. Im vergangenen Jahr sollen es angeblich ein hoher fünfstelliger Betrag gewesen sein.

Das liebe Geld ist wohl auch der Hauptgrund für die Absage in diesem Jahr, auch wenn Peichl im Gespräch zugibt, dass das Konzept des Events sich etwas abgenutzt habe. Offenbar langweilt es ihn selbst sogar. Und so strebt er für den Preis einen kompletten Neustart an. “Wir wollen die Veranstaltung komplett überarbeiten und noch attraktiver machen, daran arbeiten wir gerade unter Hochdruck. Eine solche Repositionierung schaffen wir aber nicht aus dem laufenden Betrieb heraus.”

Weiter erklärt er gegenüber MEEDIA: “2018 kommen wir dann mit komplett renovierten Lead Awards wieder.” So berichtet Peichl, dass man sogar an einem “Ausbau der Veranstaltung” arbeite. “Wir wollen das gesamte Konzept auf neue Füße stellen. Das bedeutet auch, dass wir neue Partner suchen und an einem Businessplan arbeiten, der mindestens für die nächsten fünf Jahre Bestand hat.”

Damit lässt Peichl jedoch auch ganz bewusst die Standortfrage offen. “Die neuen Lead Awards müssen nicht zwangsläufig in Hamburg stattfinden.”

Der Medienstandort Hamburg könnte damit einen renommierten Branchen-Event verlieren und die Museumsszene eine wichtige Ausstellung. In den vergangenen Jahren gehörte die Schau zu den Visual Leaders zum festen Bestandteil des Sommerprogramms der Deichtorhallen. Rund 22.000 Zuschauer wollten im vergangenen Jahr die besten Arbeiten aus Magazinen und Tageszeitungen sehen. In diesem Jahr sagte die Lead Academy die Ausstellung offenbar erst kurzfristig ab. So erklärte eine Sprecherin des Museums gegenüber MEEDIA, dass man deshalb das Programm anpassen und eine Alex Soth-Schau vorziehen musste.

Derzeit arbeitet der Macher nach eigener Aussage am neuen Konzept und einer Roadshow, mit deren Hilfe neue Unterstützer gefunden werden sollen. So sollen die schon traditionell chronischen Geldsorgen, mit denen der Event zuletzt Jahr für Jahr zu kämpfen hatte, behoben werden. Zudem gibt Peichl zu, dass er sich in den vergangenen Jahren selbst anfing “etwas zu langweilen” und „wir einfach das Gefühl hatten, wir müssen unser Konzept erneuern, bevor es verkrustet“. Immerhin habe sich seit 2002 kaum etwas verändert. Sein Ziel für 2018 ist keine reine Preisverleihung mehr, sondern “eine zeitgemäße, vielfältige Veranstaltung, in der auch Online-Medien und Content eine größere Rolle spielen”.

Man würde es der traditionsreichen  Preisverleihung, die lange eine Leistungsschau der Premium-Medien und -Werber war, wünschen. Doch nach langem Siechtum und dem diesjährigen Komplettverzicht scheint auch das endgültige Aus der Lead Awards eine realistische Vorstellung zu sein.

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