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Politikberater Michael Spreng über das TV-Duell: „Vierer-Moderation katastrophal für solch eine Sendung“

Politikberater und Ex-BamS-Chefredakteur Michael Spreng, „TV Duell“ Merkel vs. Schulz: „Für junge Leute eine Katastrophe“
Politikberater und Ex-BamS-Chefredakteur Michael Spreng, "TV Duell" Merkel vs. Schulz: "Für junge Leute eine Katastrophe"

Seit seiner Zeit als Wahlkampf-Manager von Edmund Stoiber gilt Michael Spreng als einer der Väter der starren deutschen TV-Duelle, wie wir sie in den vergangenen Wahlkämpfen erlebten. Mit der Ausgabe des Jahres 2017 war der ehemalige Chefredakteur der Bild am Sonntag nicht zufrieden. In diesem Format hält er Angela Merkel für unschlagbar und wünscht sich künftig die alte Elefantenrunde zurück. Allerdings nicht zwingend mit Claus Strunz als Moderator.

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Wie zufrieden sind Sie mit der gestrigen Version des TV-Duells?
Es war besser als befürchtet, aber mir wäre schon die alte Elefantenrunde lieber.

Sie hätten also lieber gleich mal alle Top-Politiker auf einer Bühne und gar kein konzentriertes Aufeinandertreffen des SPD- und des Unions-Kandidaten mehr?
Ich möchte, das Frau Merkel mit Sahra Wagenknecht diskutiert und Herr Schulz mit Herrn Lindner. Dann wäre endlich Stimmung in der Bude.

Kommt Ihr Wunsch daher, dass es das Duell Schulz gegen Merkel nicht gebracht hat?
Beide bringen es nicht. Es war gestern nicht so schlimm wie befürchtet, aber beide haben doch kein spannendes Duell abgeliefert. Für junge Leute war es eine Katastrophe, weil nur über die Vergangenheit und Gegenwart gesprochen wurde, aber nicht über die Zukunft.

Lag das an Schulz und Merkel oder nicht auch an der Gesprächsführung der Journalisten?
An den Moderatoren. Sie ritten viel zu lange auf dem Flüchtlingsthema rum, statt sich Zukunftsthemen zuzuwenden. Die Moderatoren haben durch Intervention immer wieder ein direktes Streitgespräch zwischen Merkel und Schulz verhindert. Das wäre ja der eigentliche Reiz gewesen.

Woran lag das? Fehlte es den Moderatoren das nötige Fingerspitzengefühl?
Die haben einfach ein Frage-Antwort-Spiel gemacht, bei dem jeder nur seine Fragen loswerden wollte. Alle wollten drankommen. Das ist das Unheil mit dieser Vierermoderation, die ich für katastrophal für solch eine Sendung halte. Ein Teil der Schuld, dass das Duell nicht richtig spannend und aufregend wurde, lag eindeutig bei den Moderatoren. Das Konzept dieses TV-Duells war insgesamt schlecht, aber man hätte schon mehr rausholen können.

Wie hat sich Schulz ihrer Einschätzung nach geschlagen?
Ich fand ihn gar nicht so schlecht. Er hat Angela Merkel mehrmals etwas in die Enge treiben können. Ich hatte sogar den Eindruck, dass er ein leichter Punktsieger war. Aber das ändert halt nichts.

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Warum? Hat Martin Schulz mit diesem Duell die Wahl schon verloren?
Nein. Die hatte er schon vor dem Duell verloren. Es kann doch niemand erwarten, dass ein solches Aufeinandertreffen den Trend grundsätzlich ändert. Für einen Umsturz kann eine solche Sendung nicht sorgen.

Mit ihrer großen Erfahrung aus den vorangegangenen Duellen: Wie kann man in einem TV-Duell Angela Merkel überhaupt schlagen?
In einem solchen Format gar nicht. Außer man macht es wie Schröder mit Stoiber im zweiten Duell des Jahres 2002, in dem man die Fesseln sprengt. Damals hat sich Schröder einfach nicht mehr an die Regeln und die Regieanweisungen gehalten und ist in die direkte Konfrontation gegangen.

Hätte Schulz das machen sollen?
Vielleicht. Aber ich bin mir sicher, dass er dann von den Moderatoren brutal ausgebremst worden wäre.

Wenn in vier Jahren also wieder gewählt wird, wünschen Sie sich also die alte Elefantenrunde mit allen Spitzenkandidaten zurück. Wie viele Journalisten sollen denn dann die Fragen stellen?
Maximal zwei.

Und wer soll es dann sein?
Zumindest nicht zwingend Herr Strunz.

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