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Mutti, Martin und die Mutlosen: Warum die Sender schuld an der Langeweile des TV-Duells sind

Angela Merkel und Martin Schulz im TV-Duell
Angela Merkel und Martin Schulz im TV-Duell

Das TV-Duell, der so genannte „Höhepunkt“ des medialen Walkampfes, ist also vorüber und alle sind sich mal wieder einig: Das war nix! Merkel zu merkelhaft, Schulz konnte Chancen nicht nutzen, die falschen Themen, zu wenig Zeit, zu doofe, bzw. die falschen Fragen etc. pp. Das Ergebnis war vorhersehbar. Für ein interessanteres TV-Duell bräuchten die Sender Mut, den sie nicht haben.

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Natürlich war das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz von Anfang an ein total verkorkstes Format. So wie im vergangenen Wahlkampf und in dem davor. Die Kanzlerin mag die direkte Konfrontation mit dem politischen Gegner nicht, das war ihr in der Sendung mehrfach deutlich anzusehen. Darum reduziert sie diese für sie unangenehme Erfahrung auf ein Minimum. Weil sie es kann. Sie hat die beteiligten Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 praktisch erpresst: Entweder so langweilig und starr wie in den Vorjahren oder ohne mich.

Die Sender knickten ein und sie und die Zuschauer bekamen, was erwartet werden durfte: 97 hektische Minuten ohne Erkenntnisgewinn. Die interessanten Mini-Momente musste man mit der Lupe suchen. Unter dem Brennglas konnten wir dann zum Beispiel sehen, welchen Einfluss die neu eingestellten Medienberater (Ex-Schröder-Sprecher und Ex-Bild-Mann Béla Anda sowie der – Achtung Ironie – „erfolgsverwöhnte“ Markus Peichl) auf Martin Schulz hatten. Schulz redete nun nicht mehr davon, dass er bald Kanzler sein wird, sondern er bemühte den Konjunktiv und betonte mehrfach, dieses und jenes würde er tun, wenn ihm denn die Bürger das Mandat geben würden.

Die zur Schau getragene Siegesgewissheit des alten Schulz wirkte in der Tat latent lächerlich angesichts der schlechten Umfragewerte. Der neue Konjunktiv-Schulz kam dafür ein bisschen jammerig rüber. Ob das wirklich besser ist? Prompt attestierte ihm der Ex-CSU-Verteidigungsminister und Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg bei der Nachbesprechung bei „Anne Will“, fehlenden Siegeswillen. Schulz, der arme Tropf. Man kann es dem Medien-Apparat einfach nicht recht machen. Ob die arg aufgesetzte Schlussansprache von Schulz, in der er sinnierte, was alles in 60 Sekunden passieren kann (Donald Trump kann schlimme Tweets abschicken etc.) auch eine Idee seines Berater-Stabes war? Das klang womöglich auf dem Papier ganz gut, in der Hektik der Sendung wirkte dieses auswendig gelernte, gedrechselte Statement aber seltsam deplatziert. Schulz ist eben kein Obama. Nun, die Herren Anda und Peichl werden ihr Berater-Honorar gewiss nicht an den Erfolg von Schulz bei der Wahl geknüpft haben. Peichl hat Erfahrung mit Flops. Er hat als Medienberater schon die gescheiterte Kanzler-Kandidatur des Frank-Walter Steinmeier und den Niedergang der TV Sendung „Gottschalk live“ begleitet.

Ansonsten wirkte Schulz teilweise fahrig, seine Angriffslust angestrengt. Sehr oft bedankte er sich für Fragen und war für Publikum und Kanzlerin in praktisch allem ganz und gar erwartbar. „Jetzt kommt bestimmt gleich die Musterfeststellungsklage“, ächzte Merkel, als es um die Rechte deutscher Autofahrer beim Diesel-Skandal ging und prompt bog Schulz damit um die Ecke. „Sie haben recht, jetzt kommt die Musterfeststellungsklage …“ Sein Witzchen, die Kanzlerin habe ihn wohl abgehört, lief ins Leere. Man konnte den SPD-Kandidaten lesen wie ein offenes Buch. Auch, dass er die olle Kamelle von der Pkw-Maut auspackte und die Kanzlerin mit ihrer Zusage aus dem vorigen Duell, mit ihr werde es keine Maut geben (es gab sie dann doch), zu piesacken versuchte, kam für Merkel und Beobachter nicht überraschend.

Und die Kanzlerin? Interessanter als ihre ebenfalls erwartbaren Aussagen war das Mienenspiel der Merkel. Wenn Schulz mal wieder eine seiner Schein-Attacken ritt, guckte sie irgendwo zwischen genervt und angewidert. Manchmal zwang sie sich auch dazu, eine Art Lächeln aufzusetzen. Mit jeder Faser spürte man, wie sehr ihr diese Veranstaltung gegen den Strich geht. Mehrfach rief sie Schulz zur Ordnung, er möge ihr doch bitte keine Äußerungen einzelner CDU-Flügel vorhalten, es zähle allein der Parteibeschluss. Und Schulz? Er nickte und fügte sich. Die Chefin hatte ihn gerüffelt.

Die Moderatoren Sandra Maischberger (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Claus Strunz (Sat.1) waren wegen der Kurzatmigkeit des Formats auf die Rolle der Stichwortgeber reduziert. Diese füllten sie aus. Nicht weniger und vor allem nicht mehr. Die einzige Überraschung war vielleicht, dass sich der sonst gerne als Populisten-Provo gebende Sat.1-Krachmacher Strunz weitgehend zurückhielt. Auch er entkam nicht dem eng geschnürten Korsett dieses so genanten Duells.

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Umfragen sagen jetzt, Merkel sei irgendwie kompetenter gewesen. Die SPD leckt mal wieder ihre Wunden und redet sich Kleinigkeiten schön („Martin Schulz war angriffslustiger“). Der allgemeine Tenor lautet, man habe kein „Duell“ gesehen sondern die Vorbereitungen auf eine neuerliche GroKo.

Abwarten.

Das TV-Duell passt nicht zum politischen System Deutschlands. In den USA oder Großbritannien mit ihren Mehrheitswahlsystemen ergibt eine solche Zuspitzung auf zwei Kandidaten Sinn, nicht aber im deutschen Wahlsystem, das auf Koalitionen mehrerer Parteien angelegt ist. Sinnvoller wäre ein Format mit Vertretern aller Parteien, die mutmaßlich in den Bundestag einziehen werden und dann bitte auch über mehrere Folgen. Das aber würde Merkel erst recht nicht wollen: Noch unkontrollierbarer, noch krawalliger. So ein bisschen Krawall gehört aber nun mal zur Demokratie dazu. Früher, in der Vor-Merkel-Ära, nannte man das bisweilen Debatte.

Womit wir beim Grundübel wären: Die Bundeskanzlerin hat die großen TV-Sender einmal mehr vorgeführt, geradezu erpresst, wie es der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender formulierte. Merkel und ihr Regierungssprecher/Medienberater Steffen Seibert haben den vier Sendern ein „Friss oder stirb!“-Programm vorgesetzt. Entweder ein Duell nach den Regeln der Kanzlerin oder kein Duell. Die Sender murrten ein bisschen und fügten sich.

Was wäre passiert, wenn die Sender auf stur geschaltet hätten? Motto: „Schade, dass Frau Merkel nicht an der Sendung teilnimmt, dann gibt es eben 90 Minuten mit Martin Schulz und Vertretern der kleineren Parteien.“ Hätte es sich Merkel wirklich leisten können, dass ihre Gegner die Bühne für sich haben? Wir werden es nie erfahren, denn weder die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die sich so gerne „staatsfern“ nennen ohne es zu sein, noch die privaten Sender RTL und Sat.1 hatten genug Mumm, einmal nicht nach den Regeln der Kanzlerin zu spielen. Was bei so viel Mutlosigkeit herauskommt, konnten wir dann alle am Sonntagabend auf vier gleichgeschalteten Kanälen besichtigen.

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Alle Kommentare

  1. Es wird weitergehen wie gehabt: Merkel wird die Bevölkerung weitere 4 Jahre sedieren und die Medien werden tägliche Jubelmeldungen über die „mächtigste Frau der Welt“ (würg!) veröffentlichen. Währenddessen wird die unkontrollierte Zuwanderung weitergehen, das Land weiter zugunsten der EU und der Banken finanziell ausbluten, die Infrastruktur zerfallen und die innere Sicherheit völlig desaströs werden. Um dies zu verschleiern, wird das Internet unter Maas (die Groko wird vermutlich weiter regieren) weiter kontrolliert werden, um zu verhindern, dass die Bürger ihre Unzufriedenheit artikulieren. In ein paar Jahren wird dieses Land nicht mehr von der untergegangen DDR zu unterscheiden sein, außer, dass man in der DDR weitgehend von Straßengewalt und Überfallen verschont geblieben ist und es dort keine No-Go-Areas gab.

  2. Hätte sich mir bei diesem TV-„Duell“ die Möglichkeit zu Fragen eröffnet, hätte ich beide gefragt, warum im heutigen Deutschland krankhafte Toleranz und falsch verstandene Humanität den gesunden Verstand und bekennende Heimatliebe abgelöst haben ?

    Ich hätte beide Politiker genötigt dem TV-Publikum glaubhaft zu machen, wie sie die riesigen primären Probleme, die durch ein ungebremstes Netto Weltbevölkerungswachstum von jährlich ca. 80 Millionen entstehen, in den Griff bekommen wollen.

    Desweiteren hätte ich darauf bestanden den Zuschauer/innen zu erklären, wie viele Versorgungsuchende und Glücksritter dieser weiten Welt sie noch gedenken in Deutschland mit Steuergelder zu alimentieren.

    Beide, Merkel und Schulz, hätte ich über folgende Fakten aufgeklärt und um Stellungsnahme gebeten:

    „Wie, Frau Merkel und Herr Schulz, stehen Sie zu der nicht schön zu redenden Tatsache, dass ALLEIN Afrika 1980 ca. 483 Millionen Einwohner hatte, 2000 waren es 811 Millionen, derzeit sind es 1,2 Milliarden und bis 2055 wächst Afrikas Einwohnerzahl auf geschätzte 2,4 Milliarden.

    Wollen Sie beide diese unlösbaren Probleme mit den in Deutschland für Sie UNBEGRENZTEN Möglichkeiten von Bodenfläche, Steuergelder, Toleranz, Humanität und ständigen Verpflichtung-Appellen lösen ?“

    1. …sagt ein Mensch, dessen Lebensstandard überhaupt erst auf der historischen Ausbeutung eben jenes Kontinents beruht.

      Wissen Sie übrigens, woher jeder Homo Sapiens ursprünglich nach Europa eingewandert ist, sie eingeschlossen – natürlich nur, sofern sie sich selbst der Untergattung „sapiens“ zurechnen?

      „Toleranz“ ist nie „krankhaft“, außer sie toleriert Intoleranz.

      An „Humanität“ gibt es nichts „falsch zu verstehen“: Menschenwohl geht u.a. vor Besitz, daher §1 der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. „Heimatliebe“ heißt zuallererst, diese Verfassung zu respektieren und Tag für Tag mit Leben zu erfüllen – und zwar in der Priorität der Abfolge ihrer Paragraphen. Alles andere ist undeutsch.

      „Gesunder Verstand“ ist immer gut, wenn er nicht propagandistisch als Schlagwort für reaktionäre Stammtischphrasen missbraucht wird, die leider häufig weder Verstand noch geistige Gesundheit beinhalten.

      Die Möglichkeiten sind groß, sofern Menschen bereit sind, sterbenden, verhungernden, verzweifelten Menschen zu helfen und dafür schlimmstenfalls einen der höchsten Lebensstandards weltweit zu reduzieren. Das nennt man Fairness, wenn man es christlich-abendländisch ausdrücken will, z.B. auch Nächstenliebe.

      Das zu verweigern ist einfach in einem Web-Forum, sofern man aber kein völlig versteinertes ausgekühltes Herz hat, deutlich schwieriger, wenn man Betroffenen einmal ins Gesicht geschaut hat, halbverhungerte Kinder hat schreien hören und nicht die Option hatte, dabei den Ton auf der TV-Fernbedienung leiser zu stellen.

      1. Zitat: „Die Möglichkeiten sind groß, sofern Menschen bereit sind, sterbenden, verhungernden, verzweifelten Menschen zu helfen und dafür schlimmstenfalls einen der höchsten Lebensstandards weltweit zu reduzieren.“
        Die Frage bleibt trotzdem, ob dies gelingen kann, wenn man die Grenzen völlig öffnet und jährlich Millionen Armutsflüchtlinge unkontrolliert ins Land strömen lässt. Ich befürchte, dass in unserem Land eher bald afrikanische Verhältnisse herrschen werden, als dass man Afrika damit hilft. Sinnvoller wäre es, an einer Änderung der bestehenden systembedingten Umständen zu arbeiten, die dazu führen, dass weltweit – auch in Deutschland – die Ungleichheit zwischen Armen und Reichen immer mehr zunimmt. Aber an dieses Thema trauen sich Politik und Medien nicht ran, man müsste sich dann mit den wirklich Mächtigen auf diesem Planeten anlegen.

      2. Vielen Dank für die/Ihre Aufklärung, lieber Peter ?,
        Woher wissen Sie, wie und auf was mein Lebensstand beruht, sind Sie ein Hellseher oder mit einem verbandelt?

        Ich und die Meinen haben in Afrika oder sonstwo weder Menschen versklavt noch ausgebeutet und auch keine Bodenschätze gestohlen.

        Ich weiß nicht über welche und über wie viele Produkte Sie zum täglichen Überleben verfügen und es interessiert mich auch nicht, Peter ?.

        Mir scheint, Sie gehören zu dem Heer der unbelehrbaren Gutmenschen und Realitäten sind Ihnen nicht nur fremd, sondern ein Gräuel .

        Wahrscheinlich sind Sie imstande selbst die Bibel, den Koran oder Talmud zu zerpflügen und aus dem Wort Krieg vokal Frieden zu zimmern, Peter ?.

        Mit Leuten wie Ihnen zu diskutieren, disputieren erfordert viel Mut, Nerven und vor allen Zeit.

        Vielleicht ist Zeit bei Ihnen das geringste Problem, dann rate ich Ihnen zu mehreren Kirchgänge. Zeit war, ist und wird für den Klerus nie problematisch.

        Last not least, Peter ?, Menschen wie Sie werden sogar noch spenden, selbst wenn sie arm wie eine Kirchenmaus sind und von der Stütze leben, nur damit diese unsere Welt noch schneller, rascher durch unkontrollierte, verantwortungslose und idiotische Bevölkerungsvermehrung aus allen Latschen kippt.

        Übrigens Peter ?, habe ich in die Gesichter unserer „seit kurzen hier Lebenden“ geschaut, habe aber in der Regel nur mehrheitlich junge, kräftige und wohl ernährte Kerle gesehen.
        Darunter waren ein paar Weiber und Kinder, aber auch die scheinen noch nie am Hungertuch genagt zu haben.

        Was Afrika, Asien und sonstige Armenhausländer angeht, so stehe ich zu meiner Meinung: nur soviel Kinder auf diese unsere bereits übervölkerte Welt zu setzen, wie es der EIGENE Geldbeutel zulässt.
        Denn weder Gott, Allah, Adonai oder der „Ewige“ geht malochen und schuften, wie ich derzeit in zwei Jobs, um über die Runden zu kommen.

        Und mit den exorbitanten Steuern die mir der Fiskus abnimmt, werden u.a. Menschen durchgefüttert, die vor lauter Dankbarkeit und Demut eine Welle von Gewalt über Deutschland bringen; beginnend bei Diebstahl, Raub, Sozialbetrug über sexuelle Belästigungen, Körperverletzungen bis hin zu Mord.

        Aber das alles, lieber Peter ? wird Sie wenig jucken, weil es Einzelfälle sind und weil sich Deutschland verändern muss und weil das gut so ist und weil ich mich darüber freue, gell.

        Und mir bleibt nichts übrig als die Erkenntnis:
        „Was schert es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt.“

    2. Gerne. Aufklärung scheint bei Ihnen Not zu tun. Also weiter:

      Der Wohlstand aller Menschen in Europa ist zu nicht gerinem Teil ein Ergebnis des Kolonialismus. Im globalen Vergleich lebt selbst jemand, der hier von der „Stütze“ lebt, wie sie es herablassend formulieren, in Wohlstand. Da Sie sich darüber erheben, also auch Sie. Um das herzuleiten, muss man kein Hellseher sein, sondern nur lesen und denken können. Sie profitieren von der Historie, das ist Ihnen als Mensch, der sich an anderer Stelle sehr gerne auf geschichtliche Ereignisse stützt, aber sicher klar.

      Produkte zum täglichen Überleben: Deutlich mehr als die meisten anderen Menschen auf dieser Welt. Dafür Dankbarkeit.

      Belehrbar bin ich auf jeden Fall, aber ich suche mir aus, von wem: Intelligenz, Integrität und das Herz am rechen Fleck sind dabei die Kriterien.

      Realität: Sehen, wie die Welt wirklich ist, statt leere Konzepte und Schubladen von einer nach eigenem Gutdünken interpretierten Welt zu haben. Am Start. Bei mir.

      Gutmensch: Ein Wort, dass viele Probleme unserer Zeit auf den Punkt bringt. Denn eine Gesellschaft, in der man ein positives auf Menschen gerichtetes Verhalten, das die meisten Kinder schon im Sandkastenalter lernen, zum Schimpfwort umpolt, die hat ein Problem. Wer Humanismus, Hilfsbereitschaft und ein Herz für die Schwachen lebt, ist sicher ein guter Mensch. Wer das zum vermeintlichen Schimpfwort „Gutemensch“ zusammenzieht, hat sich selbst diese Eigenschaften abgesprochen und mir ein großes Kompliment gemacht. Danke dafür 🙂

      Ich habe ehrlich gesagt wenig Ahnung von Koran oder Talmud, bibelfest geht so. Ich folge einfach meinem inneren moralischen Kompass und versuche mich anständig zu verhalten. Denn eigentlich weiß jeder Mensch, was richtig und falsch ist, selbst wenn die Religion, der er anhängt, (scheinbar) etwas anderes sagt.

      Erst Provokation, dann Diskursverweigerung, wenn die erwartbare Reaktion kommt. Eine populistische Grundstrategie.

      Zeit aufzubringen, um potenziell gewaltbringende Parolen zu widerlegen, ist Bürgerpflicht. Counterspeech geht auch mit Job und Familie. Zeit für Humanismus und gegen Hass ist super investiert.

      Das Problem ist nicht die Bevölkerungsvermehrung. Zitat eines klugen Menschen: Die Welt hat genug für aller Menschen Bedürfnisse, aber nicht für aller Menschen Gier. Es stammt aus der Gegenwart. Es gibt aktuell z.B. genügend Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung, nur werden große Teile davon in den Industrieländern vernichtet als Folge großkapitalistischer Ertragsvermehrungsperversionen. Es geht also nicht um mehr Produzieren oder weniger Menschen, sondern um Verteilung des Vorhandenen.

      Wenn ich nach mitteleuropäischen Maßstäben „arm wie eine Kirchenmaus“ bin, habe ich immer noch mehr als 75% des Rests der Welt. Ich bin extrem dankbar und glücklich, zufällig hier geboren zu sein und ohne die tägliche Gefahr an Leib und Leben und ohne Hunger existieren zu dürfen. Gerne gebe ich davon etwas ab.

      Zur Bevölkerungsvermehrung siehe oben.

      „Weiber“? 2017? Ernsthaft?

      Reisen Sie. Ihr Horizont wird weiter. Sie leiten aus dem, was Sie hier sehen und in eine vorgefertige Geistesschublade packen, den Stand der Welt ab. Reisen Sie.

      Man schickt Männer auf die gefährliche Flucht, weil Frauen und Kinder unterwegs leichter sterben. Das ist tatsächlich eine „Realität“.

      Ihr „über die Runden kommen“ ist im Vergleich zum afrikanischen und asiatischen Durchschnitt Luxus. Ich finde auch das schade, aber weniger schlimm.

      Familienplanung ist immer in armen Ländern schlecht, weil Bildung und Aufklärung fehlen. Das tun sie dort, wo Geld und Ressourcen fehlen und ist immer dort am schlimmsten, wo dies historisch von anderen aus den Regionen abgezogen wurde. Womit wir wieder am Anfang wären, Stichwort Kolonialismus. Und immer noch: Es gibt genügend Ressourcen auf der Welt für alle Menschen in den Ländern, die sie diffamieren. Sie gelangen nur nicht dorthin. Dafür sorgt u.a. eine Denke wie die, die Sie hier propagieren.

      Vermehrte Gewaltdelikte unter Flüchtlingen: Erstens stimmen die Zahlen von AfD und Konsorten nicht, zweitens glaube ich, dass jemand von ihrer Einstellung, der schon unter seiner Lebenssituation derart unflätig wird, große Probleme hätte, ruhig und gesetzestreu zu bleiben, wenn er den Alltag eines Flüchtlings bewältigen müsste und die existenziellen Fragen verhandeln, die sich dort stellen. Frust, Angst, Perspektivlosigkeit erzeugen bei mangelnder Bildung Hass und Kriminalität – das belegen Kriminalstatistiken weltweit. Sie stellen im ersten Schritt selbst das Beispiel. Nur dass die Perspektivlosigkeit eines Flüchtlings wesentlich dramatischer ist.

      Mich juckt es sehr, darum helfe ich denen, die Probleme haben, statt sie zu verunglimpfen. Die mit den größten Problemen zuerst. Und das sind nicht Sie, auch wenn Sie das seltsamerweise zu glauben scheinen.

      Dafür bellen Sie aber selbst ziemlich lang. Ansonsten s.o.: Provozieren und dann nicht argumentieren wollen, v.a. wenn die Argumente ausgehen. Bekanntes Muster.

      1. Lieber Peter ?. ,

        Habe zur Stunde ein E-Mail an Donald Trump geschickt und vorgeschlagen Sie Peter ?. als Botschafter nach Nordkorea zu entsenden.

        S i e bringen es mühelos fertig selbst einen Kim Jong Un dazu zu bringen sich am nächsten Donnerbalken aufzuhängen.

        Sie sehen also, Sie sind noch zu etwas nütze.

        Vorweg, – bevor Sie wieder anfangen aus Joachim Gauck´s Predigtbuch zu rezitieren. Dieser Dialog ist für mich beendet. Punkt

      2. Wunderbar, wenn sich Leute nach einem Austausch, in dem sie inhaltlich nichts mehr vorzubringen haben, als das demaskieren, was sie wirklich sind, den Argumenten des Gegenübers eine unpassende und offensichtlich wenig durchdachte Pauschalurteilsplakette draufkleben und aufgeben.

        Ich werde mich meinerseits nicht in ungeschickt versteckte Beleidigungen versteigen und wünsche Ihnen stattdessen, dass sich Ihr Leben dergestalt wandeln möge, dass sie weniger Hass gegen andere verüben zu müssen glauben.

        Just for the Record: Ich halte es nicht mit Gauck, denn ich bin Atheist.

  3. Also 90 Minuten Wahlwerbung für das „Wählen“. Obwohl das gestern ja der beste Beweis war, dass wir überhaupt keine Wahl haben.
    Die Politik ist nur der Puffer zwischen Volk und Elite und daran wird auch keine Partei etwas ändern. Die Themen des Wahlkampfs sind klar und befinden sich in dem vorgegebenen Rahmen, der der Elite nicht gefährlich wird. Wählt soviel ihr wollt! Plazebos wirken ja auch, obwohl sie keinen Wirkstoff haben! Ich jedenfalls behalte meine „Stimme“.

  4. Der Mangel an Erkenntnisgewinn für den Zuschauer beruht wohl kaum auf Versäumnissen der Sender, sondern ist einzig und allein der völligen Inhaltslosigkeit der CDUSPD Spitzenkandidaten und der dortigen Politik geschuldet.
    Als Medienmagazin fällt diese Erkenntnis natürlich schwer.
    Hat man sich doch bisher eifrig und fanatisch auf die Seite der Regierung geschlagen, um somit ein Erstarken einer Opposition oder Regierungskritiker unter allen Umständen zu verhindern.
    Ob Zuwanderung, innere Sicherheit, Völkerverständigung, Rentensicherheit, Bildungsstandort Deutschland oder menschenwürdiges Einkommen… die gähnende Leere der CDUSPD Politik und in den Medien kann auch nicht durch ein Explodieren von großflächigen Wahlplakatten an jeder Straßenecke oder dem gebetsmühlenartigen Aufrufen von Sendern doch bitte bitte zur Wahl zur gehen kaschiert werden.
    Die Wahlbeteiligung wird wahrscheinlich noch geringer sein, als zur letzten BT-Wahl.
    Wundert man sich dann tatsächlich über das imposante Wachstum der neuen Partei AfD, die man mit inquisitorischem Eifer und mit allen Mitteln bekämpfen will?

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