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Rückzug aus Niederlanden und China, neue Titel, digitales Wachstum: Umbau von Gruner + Jahr geht weiter voran

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe: Das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr ist eine 100-prozentige Konzern-Tochter
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe: Das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr ist eine 100-prozentige Konzern-Tochter

Neue Titel sowie wachsende Digitalaktivitäten haben das Deutschland-Geschäft des Hamburger Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr beflügelt. Umsatz und Gewinn des Medienhauses legten im Inland zu. Insgesamt gab aber der Konzernumsatz durch den Verkauf von Auslandstöchtern nach. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe kündigte an, dass sich der Verlag weiter aus dem Ausland zurückzieht. So wurde für die niederländische Tochter ein strukturierter Verkaufsprozess eingeleitet.

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Bertelsmann-Chef Thomas Rabe richtet das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr weiter auf die Kernmärkte Deutschland und Frankreich aus. Der gebürtige Luxemburger stellt die niederländische Aktivitäten des norddeutschen Magazinunternehmens zur Disposition. So hätte er für die holländische Tochter einen „strukturierten Verkaufsprozess eingeleitet“, betont der CEO anläßlich der Vorlage der Halbjahreszahlen. Auch in China habe sich Gruner + Jahr inzwischen zurückgezogen. Hier wurde der G+J-Anteil an den Joint Venture-Partner Bodo veräußert. Der Verkauf der Beteiligung werde sich aber nicht auf den G+J-Umsatz auswirken, da die Beteiligung bereits vor zwei Jahren entkonsolidert – sprich aus den Büchern des Medienhauses genommen wurde. Damit hat Gruner + Jahr sein umfangreiches Portfolio an Verlagsaktivitäten im Ausland – bis auf die französische Tochter Prisma Media – abgegeben. Einst war G+J international breit aufgestellt. Von Russland bis Spanien zeigte das Medienhaus Flagge.

Der Rückzug aus den Auslandsmärkten schlägt sich in den aktuellen Geschäftszahlen des Unternehmens nieder, das von Firmenchefin Julia Jäkel geleitet wird. Der Verkauf der News-Gruppe in Österreich sowie des Verlagsgeschäfts in Spanien führten unter anderem dazu, dass der G+J-Konzernumsatz um 4,4 Prozent auf 743 Millionen Euro gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum schrumpfte. Den Gewinn konnte Jäkel hingegen in den ersten sechs Monaten 2017 deutlich steigern. Das Operating Ebitda kletterte um satte 13,5 Prozent auf 59 Millionen Euro.

Im Inland beflügelten vor allem neue Magazine sowie das wachsende Digitalaktivitäten das Geschäft. Umsatz und Ergebnis legten hier in den ersten sechs Monaten „deutlich“ zu. Zahlen hierzu nannte Bertelsmann-Chef Rabe allerdings nicht. G+J hatte in den vergangenen Jahren sein Titel-Portfolio ausgebaut – zuletzt mit dem Lebensgefühl-Magazin Hygge. Die Zeitschrift wurde dem Vernehmen nach am Lesermarkt gut angenommen, demnächst soll eine weitere Ausgabe folgen.

Dies hat sich in den ersten sechs Monaten im Anzeigen- und Vertriebsgeschäft positiv ausgewirkt. Organisch verzeichnete G+J im Vermarktungsgeschäft im Berichtszeitraum allerdings ein kleines Minus. Neue Magazine sowie das wachsende Digitalgeschäft führten aber dazu, dass sich der Anzeigenumsatz im Printgeschäft „stabil auf Vorjahresniveau“ bewegte. Der Bertelsmann-Chef hofft, dass das Werbegeschäft im laufenden Jahr zulegt. Die Anzeichnen stünden gut. „Das Anzeigengeschäft von Gruner + Jahr ist im 3. Quartal besser gelaufen“, betonte der Vorstandschef. Der Vertriebsumsatz sei hingegen im 1. Halbjahr durch neue Titel kräftig gestiegen, hieß es. Absolute Zahlen hierzu nennt Bertelsmann nicht. Erfreulich habe sich zudem das Digitalgeschäft entwickelt. Es wuchs in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich um 23 Prozent. Dies führt er zum Teil auf Zukäufe zurück – etwa durch den Erwerb der Werbeplattform LiquidM.

Gruner + Jahr ist Teil des Bertelsmann-Konzerns. Das Gütersloher Unternehmen hatte in den ersten sechs Monaten den Umsatz um 2,1 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro gesteigert. Das Operating Ebitda sank hingegen leicht auf 1 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss überstieg die magische Marke von 500 Millionen Euro.

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