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#trending: Fischer vs. Gauland, Unitymedia, die Aggressivität der AfD auf Facebook, Taylor Swift und Houston

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Guten Morgen! Im Kundenservice des Kabelnetzbetreibers Unitymedia hätte ich gestern nicht arbeiten wollen. Das Unternehmen sortierte in NRW sämtliche Frequenzen der digitalen TV-Sender neu und sorgte für Panik, Ärger und Ratlosigkeit. Und: "Unitymedia" war der Top-Suchbegriff des Tages bei Google - mit über 100.000 Suchanfragen. Ich selbst bin dank Sender-Suchlauf und ein bisschen Sortierarbeit ohne Hilferuf ausgekommen.

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#trending // News & Themen

Der Ex-Richter und Ex-Zeit-Online-Kolumnist Thomas Fischer hat am späten Dienstagnachmittag für die Topstory des Tages gesorgt: Er zeigte AfD-Mann Alexander Gauland wegen Volksverhetzung an. Spiegel Online berichtete als erstes Medium und sammelte bis Mitternacht, also in etwas mehr als sechs Stunden, über 15.300 Interaktionen auf Facebook und Twitter ein. Auch andere Websites wie Focus Online (7.500) und Zeit Online (3.000) waren erfolgreich mit der Story.

Schon am späten Montagabend veröffentlicht, erreichte ein Bild-Artikel am Dienstag noch mehr Reaktionen als die Fischer-vs-Gauland-Story: „390.000 Syrer dürfen
ihre Familien nachholen
“ berichtete Springers Boulevard-Gigant und kam auf über 21.000 Likes, Reactions, Shares, Kommentare und Retweets. Für den Großteil davon sorgte die Facebook-Seite der AfD, die die Geschichte genüsslich ausschlachtete und Panik verbreitete: „Weitere 2 Millionen Migranten ab 2018: Jetzt gibt uns Merkel den Rest!„.

#trending // Social Media

Unitymedia. Der deutschlandweite Top-Suchbegriff des gesamten Dienstags. Wie eingangs erwähnt hatte das Unternehmen in der Nacht in Nordrhein-Westfalen sämtliche Frequenzen der digitalen TV-Sender durcheinander gewürfelt, bzw. neu sortiert. Obwohl Unitymedia seine Kunden im Vorfeld per Mail informiert hatte, groß auf der eigenen Website und den Social-Media-Kanälen auf den „Changeday“ hingewiesen hatte und nahezu sämtliche NRW-Lokalmeden berichtet haben, waren viele TV-Zuschauer am Dienstag überrascht und empört. Tweets wie „Herzlichen Dank an @unitymedia eine Info zur Senderumstellung wäre echt angebracht gewesen. #Kundenservice#Fehlanzeige„, „Danke @Unitymedia das ich den ganzen Abend rumfahren darf, um der buckligen Verwandtschaft die Sender neu einzustellen.Wäre sonst langweilig“ oder „Ich hab ja Urlaub, da kann man auch mal in der Unitymedia Warteschleife sitzen“ gab es hunderte Male.

Ein ernstes Problem bei vielen Kunden ist, dass ausgerechnet die populärsten Privat-Sender wie RTL, Sat.1, ProSieben & Co. nicht mehr empfangen werden können, weil Unitymedia sie auf eine Frequenz geschoben hat, die in älteren Hausverteileranlagen nicht empfangen werden kann. Unschön: Unitymedia selbst hat sich auf seinen Social-Media-Kanälen überhaupt nicht mit den zahlreichen Tweets und Posts auseinander gesetzt, sondern lediglich einen Hinweis-Text verlinkt.

#trending // Wahljahr 2017

Facebook-Nutzer, die die Seite der AfD besuchen, werden schon bemerkt haben, dass die Partei in den vergangenen Wochen nochmal aggressiver bei ihrem Online-Wahlkampf geworden ist als sie es ohnehin schon war. Deutlich wurde das in der vergangenen Woche mit einer Reihe von geposteten Bildern, auf denen die AfD Angela Merkel direkt verantwortlich für die Terror-Toten in Europa machte.

Am Montag und Dienstag dieser Woche legte die Partei nach. In einem Post ist zum Thema Familiennachzug von Flüchtlingen u.a. zu lesen: „Weitere 2 Millionen Migranten ab 2018: Jetzt gibt uns Merkel den Rest!“. Christian Lindners Frage: „Wenn Du ein Land auf der grünen Wiese neu bauen könntest, was würdest Du anders machen?“ beantwortet die Partei mit „Wir würden einen Zaun um die Wiese ziehen!“ In zwei Aktionen forderte die AfD ihre Nutzer zudem auf, bei einer Umfrage zum Thema „Der Islam gehört zu Deutschland?“ mitzumachen und einen Post zu teilen, in dem sie fordert, zum TV-Duell eingeladen zu werden.

Die Strategie der AfD ist nicht dumm: Laute, emotionale Provokationen und Übertreibungen kommen in der Zielgruppe der Partei – insbesondere in sozialen Netzwerken – sehr gut an. Die aktuellen Posts sind komplett auf Interaktion und Weiterverbreitung ausgelegt. Und das funktioniert: Die starken Interaktions-Zahlen der erwähnten Posts zeigen das. Mit verantwortlich für die neue Aggressivität auf Facebook ist offenbar die Wahlkampf-Agentur Harris Media, die schon Donald Trump und der britischen Brexit-Partei UKIP half.

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#trending // Entertainment

Der Song der Stunde hießt im Internet „Look what you made me do“ und stammt von Taylor Swift. Auf YouTube wurde das Video zum Song innerhalb der ersten 24 Stunden unglaubliche 43,2 Millionen mal angesehen. Ein neuer Alltime-Rekord für die Video-Plattform. Die bisherige Bestleistung hielt „Gentlemen“ von Psy mit 36 Millionen Views in den ersten 24 Stunden. Das Erfolgsrezept des Clips: Er „strotzt nur so vor Anspielungen auf Streits und vergangene Ärgernisse der Sängerin„.

#trending // Worldwide

Die Flut-Katastrophe in Texas bewegt die US-Amerikaner extrem. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen sich dabei in drei Phasen einteilen. Zunächst gab es viele Posts mit Gebeten und Wünschen für die Menschen in Houston und Umland. Anschließend gab es eine Phase, in der viele Fotos und Videos gepostet wurden: von Fluten in Straßen, auf Plätzen, in Häusern, von Menschen und Tieren, die gerettet wurden. Darunter fanden sich auch wie immer zahlreiche Fakes. So gab es auch in den Fluten von Houston wieder einen falschen Hai, der von einem schottischen Journalisten erfunden wurde und den leider wieder viele Menschen ernst genommen haben.

Die dritte Phase ist nun die Phase der Hilfe. Viele Promis rühmen sich auf Facebook und Twitter damit, große Geldsummen gespendet zu haben. Von den 10.000 Dollar, die der Baseballer Matt Carpenter für jeden Homerun der Saison spenden will, über die 500.000, die Kim Kardashian West und Familie geben wollen bis hin zu vielen Millionen, die die Sport-Teams aus Houston spenden.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Bild – „Exklusiv – 390 000 Syrer dürfen ihre Familien nachholen“ (22.100 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: BVB – „Emre Mor wechselt zu Celta de Vigo“ (2.700 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Der Spiegel – „33 Millimeter Mensch

Google-SuchbegriffUnitymedia (100.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteGame of Thrones(30.000 Abrufe)

Youtube-Video: TaylorSwiftVEVO – „Taylor Swift – Look What You Made Me Do

Song (Spotify): Axwell Λ Ingrosso – „More Than You Know“ (346.800 Stream-Abrufe aus Deutschland am Montag)

Musik (Amazon): Casper – „Lang lebe der Tod (Box-Set, Limited Collector’s Edition)“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Fast & Furious 8“ (Blu-ray)

Game (Amazon): „FIFA 18 – Standard Edition“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Walter Moers – „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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