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„Laien, die Informationen ungeprüft verbreiten“: Wallraff-Team für RTL extra undercover bei RT Deutsch & Co.

Günther Wallraff und sein Team decken die Arbeitsweise von sogenannten „alternativen Medien“ auf.
Günther Wallraff und sein Team decken die Arbeitsweise von sogenannten "alternativen Medien" auf.

Enthüllungsjournalist Günther Wallraff hat verdeckt Reporter bei "alternativen" Medien eingeschleust. Als freie Mitarbeiter oder Redaktionspraktikanten haben zum Team Wallraff gehörende Journalisten gesehen, wie Nachrichten bei RT Deutsch, Epoch Times und unzensuriert.at entstehen. Das Fazit: Mit Journalismus haben diese Redaktionen nichts zu tun – was bisweilen durchaus beabsichtigt ist.

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Günther Wallraff wurde 1977 deutschlandweit bekannt, als er nach einer verdeckten Recherche schwere journalistische Versäumnisse bei der Bild-Zeitung enthüllte. Sein Buch „Der Mann, der bei Bild Hans Esser war“ wurde zum Bestseller, das Boulevardblatt geriet unter öffentlichen Druck. Seitdem hat er immer wieder Missstände in der Bundesrepublik Deutschland aufgedeckt. In der aktuellen Ausgabe des RTL-Verbrauchermagazins zeigt das Team um Günther Wallraff nun, wie in den Redaktionen sogenannter „unabhängiger Medien“ Nachrichten entstehen. Hierfür hat Wallraff Reporter bei RT Deutsch, Epoch Times und unzensuriert.at eingeschleust.

Die Erkenntnisse der Autorin sind erschreckend: Keine der Redaktionen kann danach von sich behaupten, auch nur ansatzweise entsprechend journalistischer Grundsätze zu arbeiten. Stattdessen betreiben die Redakteure nach den Recherchen der Wallraff-Rechercheure bewusst Hetze gegen Flüchtlinge, Migranten und den Islam, Verleumdung von Politikern und Propaganda für bestimmte Regimes oder politische Strömungen.

Die etwa 30 festen Mitarbeiter bei RT Deutsch wissen, dass sie vom Kreml finanziert werden und betreiben den Fernsehsender dementsprechend als prorussische Propagandaplattform, nach eigenen Angaben ohne redaktionelle Vorgaben aus Russland. Die Motive der Mitarbeiter sind unterschiedlich: Die leitende Redakteurin steht voll und ganz hinter der Linie der Redaktion und würde noch lieber für einen nordkoreanischen Staatssender arbeiten, ein anderer Redakteur nimmt einfach das Geld mit.

Die österreichische Seite unzensuriert.at hat nach eigenen Angaben 600.000 Leser in Deutschland und ist deshalb 2017 auch mit einer deutschen „Nachrichtenplattform“ online gegangen. Zweimal die Woche treffen sich ehrenamtliche Redaktionsmitglieder, um die Themen für die Seite abzusprechen. Der selbsternannte Chefredakteur von unzensuriert ist Alexander Höfel, Kommunikationschef der rechtspopulistischen FPÖ. Viel gelegen an unabhängigem Journalismus fernab der „Systemmedien“ ist der Redaktion aber auch nicht: Gegenüber der verdeckten Reporterin sagt Höfel offen, mit den Themen FPÖ-ähnliche politische Strömungen unterstützten zu wollen, beispielsweise die AfD in Deutschland. Bei unzensuriert.at handelt es sich also weniger um ein Nachrichtenportal, sondern vielmehr um eine Werbeplattform für populistische Parteien. Dementsprechend fällt die „Berichterstattung“ über Russland, (Groß-)Familien und die AfD positiv aus, während über die EU, Gender, den Islam und Migranten überaus negativ berichtet wird. Eine der Hauptquellen ist die fragwürdige Seite philosophia perennis, deren Inhalte unzensuriert.at nach Darstellung des Filmbeitrags ungeprüft übernimmt.

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Die werbefinanzierte „Nachrichtenseite“ Epoch Times verbreitet hauptsächlich Verschwörungstheorien an die nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Leser. Besonders prominente Themen sind hier kriminelle Migranten und Flüchtlinge, der Islam und der angeblich erfundene Klimawandel. Die Redakteure sind augenscheinlich von ihren Inhalten selbst überzeugt und glauben, dass Regierungen das Wetter als Waffe nutzen und Erdbeben als Sanktion herbeiführen können. Bei den Autoren für Epoch Times handelt es sich ausschließlich um Laien ohne journalistische Ausbildung. Anstelle von eigenen Recherchen formulieren Epoch-Times-Redakteure Informationen von fragwürdigen Internet-Quellen um, ohne diese zu prüfen.

Keines dieser „Nachrichtenportale“ wirkt der Beitragsautorin zufolge neutral, eher im Gegenteil: „Nachrichten“ entstehen hier, indem Laien Informationen aus dem Internet ungeprüft übernehmen, überspitzen und vereinfachen. Ungewissheit werde auf diesen Portalen bewusst geschürt, um Leser zu verunsichern. Den Vorwurf an die sogenannte Systempresse, Falschinformationen zu verbreiten, könnten diese Portale genau so gut an sich selbst richten. Allerdings scheint das den Betreibern nicht bewusst zu sein.

 

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