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Unruhe bei Frankfurter Neuen Presse: Leser fremdeln offenbar weiter mit neuem Blattkonzept

Chefredakteur Joachim Braun verantwortet die Geschicke der Regionalzeitung seit Frühjahr 2016
Chefredakteur Joachim Braun verantwortet die Geschicke der Regionalzeitung seit Frühjahr 2016

Die Frankfurter Neue Presse kommt nicht zur Ruhe: Das neue Blattkonzept scheint bei den Lesern nicht den erhofften Anklang zu finden. Angeblich sollen mehrere tausend Leser ihr Abo gekündigt haben. Marketingleiterin Bianca Haag nennt dagegen eine deutlich niedrige Zahl von einigen hunderten Abonnenten, die der Regionalzeitung den Rücken gekehrt hätten. Die Redaktion ist indes beunruhigt.

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Es galt als Neuanfang für die Frankfurter Neue Presse. Mitte Juni verpasst Chefredakteur Joachim Braun der Regionalzeitung eine neue Struktur. Betroffen von der Neuausrichtung ist vor allem das Herzstück des Blattes: die Lokalberichterstattung. Sie wurde bislang in den verschiedenen Lokalausgaben geographisch heruntergebrochen. Von Kelkheim bis Limburg – leicht fanden angestammte Leser hier die Nachrichten aus ihrer Region gebündelt auf einer ganzen Seite.

Doch das ist passé: Aus einer termin- und ressortgetriebenen Zeitung machte Braun einen themenbezogenen Titel. Das Manko: Die Leser müssen künftig die Berichte aus ihrer unmittelbaren Region im ersten Buch und im hinteren Teil der Zeitung suchen – anscheinend zum Unbill vieler FNP-Fans. Denn ihnen macht die Umstellung schwer zu schaffen. Vor allem ältere Leser können sich mit der neuen Struktur der Zeitung nicht anfreunden und bestellen ihre Abos ab. „Wir haben nach dem Refresh der Frankfurter Neuen Presse rund 100 Abbestellungen (Stand: vergangene Woche), weil sich vor allem ältere Leser an der veränderten Blattstruktur und dem themenorientierten Ansatz stören“, erklärte Braun Mitte Juli gegenüber MEEDIA. Dies entspreche umgerechnet „einer Steigerung von 16 Prozent zur normalen täglichen Rate an Abbestellern.“

Doch offenbar reißen die Abbestellungen nicht ab und legen sogar zweieinhalb Monaten nach dem Relaunch noch deutlich zu. Wie MEEDIA aus Kreisen der Redaktion erfuhr, sollen sich die Abo-Kündigungen inzwischen bei mehreren tausend Exemplaren bewegen. So soll auf einer Redaktionskonferenz vergangene Woche die Zahl von 4.000 gefallen sein. Dies wäre erheblich, da die Abo-Auflage zwischen 65.000 bis 70.000 Exemplaren bewegen soll.

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Doch diese Zahlen sind nicht bestätigt. Denn Angaben zur Gesamtauflage nennt der FNP-Verlag nicht. Der Grund: die verkaufte Auflage der Regionalzeitung weist die Frankfurter Sozietät in der Kombi Rhein Main Media gemeinsam mit der Frankfurter Rundschau und der Rhein-Main-Zeitung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus. Aktuell beläuft sie sich auf 181.000 Exemplaren. Dazu sollen die drei Titel zu etwa gleich großen Teilen beitragen, heißt es in Branchenkreisen.

Der FNP-Verlag hingegen dementiert die massiven Abbestellungen. Marketing-Leiterin Bianca Haag nennt auf Anfrage von MEEDIA eine deutlich niedrigere Zahl von 400 gekündigten Abos. Sie verweist zudem auf ein Leserfest, das vor wenigen Tagen stattfand und fügt hierzu eine ganzseitige Berichterstattung in der Zeitung bei. Dort bietet ein Artikel über das Fest dem Leser Winfried Leithäuser in einem Absatz reichlich Raum, um den neuen Blattaufbau zu loben. So sei die neue Aufteilung für ihn und seine Frau praktisch, erklärt er und zitiert ihn mit den Worten: „Jetzt kann ich die Politik lesen, während sie den Sport liest.“

Die 85-köpfige Redaktion berunhigt der Auflagenschwund. Sie fürchtet, dass die Mitarbeiter hierfür die Zeche zahlen müssen. So ist hausintern die Rede davon, dass die Chefredaktion auf freie Mitarbeiter verzichten will, um den Erlösrückgang aufzufangen. Marketing-Leiterin Haag weist dies allerdigs auf MEEDIA-Anfrage zurück. Kurz und bündig erwidert sie diese mit einem Wort: „Nein.“

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