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Alternative Fakten sind out – diese Redaktionen haben sich dem Faktencheck verschrieben

Politische Meinungsmache mit Falschinformationen und Gerüchten – kurz vor der Bundestagswahl wächst die Sorge vor Fake News
Politische Meinungsmache mit Falschinformationen und Gerüchten - kurz vor der Bundestagswahl wächst die Sorge vor Fake News

Der Duden definiert Fake News als "in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen". Der Anglizismus des Jahres 2016 ist spätestens seit Donald Trumps Erscheinen auf der politischen Bühne in aller Munde. Im Social Web ist es besonders leicht, falsche Informationen zu verbreiten. In Deutschland sind Fake News besonders im Zuge der Flüchtlingsfrage ein Problem geworden. Immer mehr Medienhäuser setzen spezielle Redaktionen ein, die sich mit der Überprüfung von Fakten beschäftigen. Ein Überblick.

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Angela Merkel tritt zurück, Flüchtlinge erhalten bei ihrer Ankunft in Deutschland Sex-Coupons, Männermangel und Heiratsprämien auf Island: Falschinformationen, vulgo: Fake News sind im Internet mittlerweile allgegenwärtig. Eine Analyse von BuzzFeed Deutschland zeigt, dass Fake News in den allermeisten Fällen nicht von Journalisten klassischer Medien geschrieben werden, sondern von Individuen oder politisch gefärbten Blogs, außerdem von englisch- und russischsprachigen „Nachrichtenseiten“. Diese haben BuzzFeed-Autor Karsten Schmehl zufolge überraschenderweise oft höhere Reichweiten als die Kanäle der deutschen Leitmedien in sozialen Netzwerken.

Dem Wust an Fehlinformationen setzen sich in Deutschland zunehmend Faktencheck-Projekte entgegen. Immer mehr Redaktionen setzen Teams speziell für die Überprüfung von Zahlen, Behauptungen und Zusammenhängen ein. Einem Anfang 2017 erschienenen Bericht des Reuters Institute for the Study of Journalism zufolge werden Faktenchecker, die einem etablierten Medium angehören, eher wahrgenommen, als unabhängige Projekte. Hier eine Übersicht:

ARD-faktenfinder

Unter der Leitung von tagesschau.de-Redakteur Patrick Gensing widerlegt der ARD-Faktenfinder seit März 2017 gezielte Falschmeldungen im Netz. Gensing zählt dazu „Informationen, die entweder komplett falsch sind, oder die mutwillig aus dem Kontext gerissen werden“. Tagesaktuell verifiziert oder widerlegt die faktenfinder-Redaktion Zahlen, Zitate und Zusammenhänge, die im Netz kursieren. Darüber hinaus entwickelt der ARD-faktenfinder Tutorials für Internetnutzer, die zeigen, wie man Fake News in sozialen Netzwerken mit wenigen Handgriffen entlarvt. Am faktenfinder sind alle Landesfunkanstalten der ARD beteiligt.

#faktenfuchs

Der Bayrische Rundfunk arbeitet in Sachen Factchecking eng mit dem ARD-Faktenfinder zusammen – war jedoch schon einen Monat früher mit dem eigenen Projekt BR Verifikation gestartet. Ein zweiköpfiges Team enttarnt seit Anfang des Jahres Halbwahrheiten, Gerüchte und falsche Informationen. Die Redaktion reagiert dabei nicht nur auf Inhalte aus dem Internet, sondern auch auf die Aussagen von Politikern und Unternehmern und auf Publikumsfragen.

#ZDFcheck17

Anlässlich der Bundestagswahl 2017 startete das ZDF bereits im Februar das Anti-Fake-News-Projekt #ZDFcheck17. Zu der crossmedialen Recherche-Einheit gehören Redakteure aus verschiedenen Ressorts. Sie arbeiten sowohl den Informationssendungen, als auch der Online- und Social-Media-Redaktion zu. 2017 überprüft das Format nicht nur Politkeraussagen auf ihren Wahrheitsgehalt, sondern auch Meldungen aus sozialen Netzwerken. Das ZDF knüpft mit #ZDFcheck17 an vorherige Faktencheck-Formate anlässlich der Bundestagswahl 2013 und der Europawahl 2014 an.

echtjetzt, Correctiv 

Das Recherchekollektiv Correctiv hat mit seinen investigativen Recherchen und Enthüllungen deutschlandweit schon für Wirbel gesorgt. Seit Januar 2017 arbeitet Facebook mit dem stiftungsfinanzierten Kollektiv zusammen, um gegen Fake News vorzugehen. Im Juni 2017 hat Correctiv mit echtjetzt eine Factchecking-Redaktion in der Redaktion geschaffen. Mit dem Grundsatz, Fake News seien nach eigenen Angaben „das Gegenteil von freier Meinungsäußerung“, enttarnt das echtjetzt-Team „Lügen und erfundene Geschichten, bösartige Gerüchte und falsche Verdächtigungen, Verschwörungstheorien und absichtliche Verdrehungen der Wahrheit“. Auch das Correctiv-Projekt legt einen Schwerpunkt auf Inhalte aus dem Internet.

mdr-Podcast Faktencheck

Der Mitteldeutsche Rundfunk deckt regelmäßig strittige Thesen und vermeintliche Fakten online und im Radio auf. In drei- bis fünfminütigen Sendungen decken die mdr-aktuell-Redakteure Enten aus Politik und Wirtschaft auf. Bisher gibt es 18 Folgen, die im Internet abrufbar sind. Dienstags und Freitags  sind die Faktenchecker außerdem im Radio-Programm des mdr zu hören.

stimmtdas.org

„Wahrheit ist keine Frage der Perspektive“ – inspiriert durch diesen Slogan prüfen zehn ehrenamtliche Autoren für stimmtdas.org die Aussagen von deutschen Politikern der für die BTW17 relevanten Parteien auf ihren Wahrheitsgehalt. Seit dem Launch im Juli 2017 bezeichnet stimmtdas.org sich als „erste non-profit Faktencheck-Plattform in Deutschland“. Das Team hat schon Falschaussagen von Christian Lindner, Alice Weidel, Frauke Petry und Peter Altmaier aufgedeckt.

hoaxmap.de

Neues aus der Gerüchteküche – hoaxmap.org räumt online mit Gerüchten über Asylsuchende auf. 477 Falschmeldungen hat das zweiköpfige Team seit Herbst 2015 entlarvt. Auf einer Deutschlandkarte sind mit digitalen Stecknadeln die Orte markiert, in denen die Gerüchte ihren Ursprung hatten. Sieht man sich die Wortwolke der Artikel-Überschriften an, fällt schnell auf, dass Geflüchtete und Asylsuchende offenbar hauptsächlich mit Straftaten oder staatlichen finanziellen Leistungen in Verbindung gebracht werden.

Die grüne Netzfeuerwehr

Die Grünen haben jüngst angekündigt, gegen Fake News im Internet vorgehen zu wollen. Robert Heinrich, Wahlkampfmanager der Grünen, befürchtet kurz vor der Wahl einen sprunghaften Anstieg von Falschmeldungen im Internet, besonders aus der rechten Szene. Zur Abwehr von Falschmeldungen haben die Grünen laut Heinrich eine eigene „Netzfeuerwehr“ aus 2.600 grün-affinen Nutzern in den sozialen Medien etabliert. Sie werde „immer dann mobilisiert, wenn irgendwo gefährliche Fake News auftauchen“. Aufgabe der 2.600 Nutzer ist es dann, pro-Grüne Kommentare abzusetzen und sich gegen Hetze und Diffamierung der Partei auszusprechen.

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