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„Minderbemittelte Rotzgöre“ – Ronja von Rönne reagiert auf Beschimpfungen nach ihrem Auftritt bei „Überzeugt uns!“

Ronja von Rönne in der ARD-Sendung „Überzeugt uns!“
Ronja von Rönne in der ARD-Sendung "Überzeugt uns!"

Nach der Wahlsendung "Überzeugt uns!", die die ARD am vergangenen Montag um 23 Uhr im Ersten zeigte, hagelte es massive Kritik im Social Web an der Moderatorin Ronja von Rönne, die die Sendung gemeinsam mit "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni präsentierte. Die Kritik war oft extrem persönlich und fiel teilweise eindeutig unter die Rubrik Hatespeech. Von Rönne hat nun ihrerseits in einem ausführlichen Facebook-Posting dazu Stellung bezogen.

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„Erst ein Mal vielen Dank für das Anschauen der Sendung gestern. Wenn es nur halb so viele waren, wie mich dann auf meinem Profil ‚eine minderbemittelte Rotzgöre‘ genannt haben, war es zumindest ein Quotenrekord“, schreibt Ronja von Rönne zu Beginn ihres Facebook-Postings.

Und das war dann wohl schon wieder ironisch gemeint, denn um 23 Uhr war die Wahlsendung „Überzeugt uns!“, die vor allem auf junge Wähler abzielte natürlich kein „Quotenrekord“. So konventionell die Sendung mit den üblichen Spitzenpolitikern stellenweise war, so bemerkenswert war der Hass, der der jungen Moderatorin im Anschluss entgegenschlug.

Als „minderbemittelte Rotzgöre“ sei sie bezeichnet worden oder als „naive Antifa-Schlampe“. Dies sind nur zwei Beschimpfungen von vielen bei Twitter und Facebook, die wir auch nur zitieren, weil von Rönne sie selbst in ihrem Facebook-Beitrag nennt. Offenbar empfanden viele den Stil von Rönnes als einseitig, irgendwie parteiisch, links. Sie habe zu oft die Politiker unterbrochen und sich über sie lustig gemacht. Etwa, als sie den AfD-Politiker Alexander Gauland fragte, ob er in einer Multikuli-Fußballmannschaft auf der Position rechtsaußen spielen würde. Auf Facebook schreibt von Rönne dazu nun:

Das ist mein Humor. Den mögen nicht alle, versteh ich. Ändere ich aber nicht. Das hätte ich genauso gut zu Kipping sagen können, nur hatte ich da keine Pointe parat. Aber ja. Vielleicht sind solche Bemerkungen fehl am Platz. Das entscheidet ja nun Mal der Zuschauer, und nicht ich. Ich bin keine seriöse Politik-Moderation (und möchte auch keine werden, keine Angst) – ich kann mir also vorstellen, dass das ziemlich irritiert.

Sie zeigt hier erstaunlich viel Verständnis für die aus dem Ruder gelaufenen Pöbeleien bei Facebook und Twitter. Sie entschuldigt sich sogar bei Gauland, dass sie ihn nicht so oft zu Wort kommen ließ, wie die anderen. Würde man diese Maßstäbe an alle politischen Moderatoren des öffentlichen Fernsehens anlegen, müsste es wohl Entschuldigungen hageln. Einen ihrer Facebook-Post mit einer Sendungs-Ankündigung hat sie gelöscht, weil sehr viele gehässige und beleidigende Kommentare darunter gewesen seien. „Überzeugt uns!“ war von Rönnes erster Auftritt in einer solchen TV-Sendung und den absolvierte sie souverän, frech, unterhaltsam und auch mit Ironie. Für das gesetzte Thema „Jungwähler“ keine schlechte Kombination. Die Probleme der Sendung lagen eher in der Konzeption und Machart. Zu viele Politiker, nicht durchdachtes Social-Media-Konzept, zu viele konventionelle Fragen.

Dass von Rönne zudem als „links“ wahrgenommen und „Antifa-Schlampe“ beschimpft wird, entbehrt seinerseits nicht einer gewissen Ironie. Es ist dies nämlich nicht der erste Shitstorm, den Ronja von Rönne erlebt. Als für für die Welt im Rahmen eines Pro- und Contras den Debatten-Beitrag „Euer Feminismus kotzt mich an“ veröffentlichte, wurde sie von linker Seite angefeindet (wobei von Rönne später erklärte, die reißerische Überschrift nicht selbst gewählt zu haben).

Da gilt wohl die alte Regel: Wenn man von entgegengesetzen Lagern gleichermaßen beschimpft wird, hat man als Journalist/in vermutlich nicht alles falsch gemacht.

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