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DuMont kürzt weiter: Hamburger Morgenpost baut Stellen in Layout und Redaktion ab

Kürzungen in Redaktion und Layout: Stellenabbau bei der Hamburger Morgenpost
Kürzungen in Redaktion und Layout: Stellenabbau bei der Hamburger Morgenpost

Der Hamburger Morgenpost stehen deutliche Einschnitte bevor. Am Mittwochvormittag informieren Chefredaktion und Geschäftsführung die Belegschaft über einen weiteren Personalabbau. Zukünftig will der Verlag das Boulevardblatt, das zur DuMont Mediengruppe gehört, mit elf Stellen weniger produzieren. Die Sparmaßnahme trifft – wenn auch weniger schlimm als erwartet – das Layout wie auch die Redaktion.

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Wie so oft ahnten Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost bereits einen Tag vorher, dass ihnen eine neue Hiobsbotschaft ins Haus steht. Als am Dienstag in der Marzipanfabrik in Hamburg-Bahrenfeld, dem Verlagssitz der Mopo, die Runde gemacht hatte, dass die Geschäftsführung den Konferenzraum im Erdgeschoss reserviert hat, war vielen klar: Das kann nichts Gutes heißen. So war es in der Vergangenheit schon häufiger.

Ihre Erfahrung sollte sie nicht täuschen: In der Mitarbeiterversammlung am Mittwoch hatten Geschäftsführerin Susan Molzow und Chefredakteur Frank Niggemeier nichts Erfreuliches zu berichten. Die Hamburger Morgenpost wird Personal abbauen – insgesamt elf Stellen sind betroffen. Wie der Verlag erklärt, werden sechs Stellen in der Redaktion und fünf in der Produktion (Layout, Blattplanung, Satz) wegfallen.

Nach Möglichkeit will man über die Kündigungen im Einzelfall verhandeln, erste Gespräche hat es dem Vernehmen nach bereits gegeben. Betriebsbedingte Kündigungen können aber nicht ausgeschlossen werden, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Der Betriebsrat informierte noch während der Verkündung via eigener Pressemitteilung und verurteilte die Kürzungen, die nach Verlagsangaben durch Digitalisierung und neue technische Prozesse „möglich“ würden. Die Arbeitnehmervertreter kommentieren: „Der Betriebsrat lehnt diese Maßnahmen ab. Sie richten sich gegen die Redaktion, sie gefährden die Attraktivität der Mopo für die Leser bzw. Nutzer.“ Ähnlich sieht das der Deutsche Journalisten-Verband: „Wer seine Kernkompetenz schwächt, handelt nicht klug“, kritisiert die Hamburger Landesvorsitzende Marina Friedt. „Einen Umbau in die Zukunft schafft man nicht durch einen Stellenabbau in der Redaktion.“ Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, werden die Arbeitnehmer am morgigen Donnerstag gegen die Verlagsentscheidung streiken.

Dieser will nicht nur von einer Sparmaßnahme sprechen, sondern erklärt den Stellenabbau mit einer „publizistisch wie strukturellen“ Neuausrichtung. Technische Entwicklungen erforderten demnach weniger Mitarbeiter, erklärt Chefredakteur Niggemeier gegenüber kress. Diese Ressourcen müsse man freisetzen, „um wirtschaftlich arbeiten zu können“. Die Qualität der Zeitung bleibe freilich aufrechterhalten. „Das ist sicherlich nicht allein eine Frage der Quantität. Man braucht vor allem die richtigen Journalisten und die richtigen Ideen.“

Personalabbau fällt geringer aus als befürchtet
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Erste Hinweise auf einen Personalabbau gab es bereits im vergangenen Jahr. Im Oktober schlug der Betriebsrat der Lokalzeitung Alarm, informierte in einem Schreiben an die Mitarbeiter über entsprechende Verlagspläne. Die Arbeitnehmervertreter warnten allerdings vor tieferen Einschnitten. Von insgesamt 15 bis 17 Stellen gefährdeten war die Rede – das entspräche einem Abbau von rund 25 Prozent der Redaktion, derzeit zählt die Mopo inklusive Layout noch etwa 65 Mitarbeiter. Ganz so schlimm wie befürchtet kommt es nun offenbar nicht, wobei derzeit noch unklar ist, mit welchem Ergebnis bereits bekanntgegebene Maßnahmen enden.

Wie die Mopo ihren Mitarbeitern bereits im vergangenen Monat erklärt hatte, wird der Politik-Teil zukünftig in Berlin produziert. Den für das Ressort zuständigen Mitarbeitern wurde das Angebot gemacht, in die Hauptstadt mitzugehen. Wie viele Redakteure mitgehen und was mit ihren Stellen passiert, wenn sie sich weigern, ist noch unklar.

Für die Hamburger Morgenpost sind das alles andere als erfreuliche Nachrichten. Erst 2014 trennte sich das Unternehmen, das zur DuMont Mediengruppe gehört, von rund zehn Mitarbeitern auf Redaktions- und Verlagsebene. Nach Betriebsrats-Angaben aus dem vergangenen Jahr lautet das aktuelle Sparziel 2,3 Millionen Euro.

Die Hamburger Verlagseinheit wird in den Unternehmensstrukturen des Konzerns mit den Berliner Medien (Berliner Zeitung, Berliner Kurier) der DuMont-Gruppe zusammengefasst. Auch dort hat das Management zuletzt radikal umgebaut, die beiden Zeitungstitel aus der Hauptstadt redaktionell aufgerissen und in einer neuen Firma zusammengeführt. Auch in Köln sind die dort erscheinenden Titel Express und Stadt-Anzeiger zusammengerückt.

In Hamburg sind publizistisch umstrittene Maßnahmen wie diese nicht möglich. Die Morgenpost ist der einzige Titel, den DuMont dort verlegt, die Synergiemöglichkeiten beschränkt. Die Mopo ist neben der Mitteldeutschen Zeitung der Einzelkämpfer im Portfolio. Nach Ansicht der Verantwortlichen ist der Stellenabbau eine Notwendigkeit, um die anderen Stellen zu retten. So bitter es auch klingen mag.

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Alle Kommentare

  1. Sparziel 2,3 Mio. Euro per Jahr lese ich.

    Jetzt werden 11 Angestellte eingespart lese ich. Bei den dort gezahlten Gehältern mögen das etwa 0,9 Mio p. a. sein. Das ist wenig.

    Bei 17 gekündigten wären das vielleicht 1,4 Mio. Euro. Fehlen noch 900.000 oder 1.400.000. Wie wäre es mit der Vermietung von Büroflächen oder noch mehr Freiberufler zu beauftragen oder wie wäre es den Laden einfach zu schließen und die Papierzeitung direkt von der Zentrale aus zu „befeuern“?

  2. Das ist ja ein bemerkenswertes Loblied auf einen Verlag, der gerade eine Lokalzeitung systematisch kaputtspart, um den letzten Rest an Rendite aus dem Blatt zu pressen, bevor auch die letzten treuen Leser wegen der sinkenden Qualität weglaufen. Gestern wurden gezielt altgedienten, erfahrene, meinungsstarke Journalisten gekündigt. Die Aufgaben übernehmen wohl junge feste Freie mit wenig Erfahrung und immer mehr Praktikanten. Das Ziel ist klar: die Rendite sichern, bis das Blatt kollabiert. Wer braucht da einen Sozialplan?

  3. Was soll denn der Schlusssatz? Sollte das eine indirekte Rede werden – oder ist das schlichtweg ein Kommentar?

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