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#trending: Barcelona, Flüchtlinge im „Urlaub“, der blasse Wahlkampf im Netz und das Spam-Problem von YouTube

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Guten Morgen! Endlich wieder Bundesliga. Nach einer wie immer viel zu langen Sommerpause startet die Saison 17/18 am Abend mit dem Spiel zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen. Sky-Abonnenten wissen zwar noch immer nicht, ob sie künftig auch noch den "Eurosport Player" abonnieren müssen, um auch die Freitags-Partien sehen zu können - oder ob sich Sky und Eurosport doch noch einigen, aber am 1. Spieltag ist das noch egal, denn Bayern vs. Bayer läuft auch live im ZDF.

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#trending // News & Themen

Der Anschlag von Barcelona war natürlich auch unter deutschen Social-Media-Nutzern ein großes Thema. Vor allem der Focus-Online-Ticker (11.700 Interaktionen bei Facebook und Twitter), der Bild-Ticker (9.800) und ein Übersichts-Artikel der Welt (9.100) sammelten viele Reaktionen ein Dazwischen landete auch noch die Kronen Zeitung aus Österreich – mit 9.700 Interaktionen für einen Artikel.

Ganz nach oben schaffte es das Thema Barcelona allerdings nicht im Ranking der journalistischen Artikel mit den meisten Likes, Shares, Reactions, Kommentare und Retweets. Auf Platz 1 stattdessen: ein Aufreger der Welt über Flüchtlinge, die „offenbar mehrfach Urlaub in Heimatländern“ machten. Heftige 36.400 Interaktionen sammelte er ein. Ein Parade-Thema für Erfolg in den sozialen Netzwerken. Es bedient neben der Ablehnung von Fremden direkt auch noch das Neid-Gefühl. Dass es sich in Baden-Württemberg, woher die Meldung stammt, nur um 100 Leute handelt und das Wort „Urlaub“ in Herkunftsländern wie Syrien und dem Irak nicht so recht passt, ist vielen Empörten sicher egal – sie werden mal wieder nur die Headline gelesen haben.

#trending // Social Media

Katzen-Bilder statt Terror – eine Schlagzeile, die am Abend durch viele Medien ging. Unter dem Hashtag #Barcelona hatten diverse Twitterer offenbar beschlossen, Katzenbilder zu posten, damit potenziell grauenhafte Fotos und Videos aus Barcelona schwerer zu finden sind. Die Story, die es sogar ins „heute-journal“ schaffte, ist meinen Beobachtungen und Recherchen zufolge jedoch etwas aufgeblasen. Die wenigen Katzenfotos gingen im gigantischen Twitter-Aufkommen des Hashtags weitgehend unter, grausame Videos von potenziell gestörten Menschen, die nach einem solchen Anschlag nichts Besseres zu tun haben, als tote, deformierte Körper zu filmen und dieses Video auch noch ins Netz zu stellen, waren weiterhin nach wenigen Sekunden zu finden.

Häufiger als Katzen-Fotos fanden sich am Abend auf Twitter stattdessen Trauer-Optiken mit Barcelona-Motiven und einer schwarzen Schleife. Was im Übrigen noch verstörender ist als die Videos und Fotos von Leichen: die Tatsache, dass sogar Porno-Anbieter die Aufmerksamkeit für den Hashtag #Barcelona nutzen, um für ihre Nackt-Filme zu werben.

#trending // Wahljahr 2017

Der Wahlkampf im Netz. Er läuft in Deutschland weiterhin sehr schleppend. Ob es die Parteien sind, die immer noch nicht kapieren, wie die potenziellen Wähler angesprochen werden müssen? Oder die potenziellen Wähler, die im Netz – insbesondere in den sozialen Netzwerken – in Ruhe gelassen werden wollen von Politikern und Parteien? Neuestes Beispiel ist der aktuelle Werbespot von SPD-Kandidat Martin Schulz: „Es ist Zeit“ zielt komplett auf das Thema Gerechtigkeit ab, enthält aber statt konkreten Aussagen vornehmlich bekannte Phrasen. Ergebnis auf YouTube: Bis Mitternacht hatte der am Nachmittag veröffentliche Spot nichtmal 20.000 Views eingesammelt.

Deutlich erfolgreicher war am Donnerstag Gregor Gysi – und zwar mit konkreten Ideen. Bei „stern TV“ schlug er ein Modell vor, nachdem Arbeitende und Kranke mit „Boni“ belohnt werden, anstatt immer nur diejenigen zu bestrafen, die gesund sind und nicht arbeiten. Anreize statt Strafen also. Die Idee postete Gysi auch auf Facebook – verbunden mit einem entsprechenden Ausschnitt aus „stern TV“. Ergebnis hier bis Mitternacht: 230.000 Video-Views und 13.000 Likes, Shares, Reactions und Kommentare.

Und dann würde ich die Struktur von Hartz IV ändern. Ich würde daraus eine Grundsicherung machen. Ich würde die…

Posted by Gregor Gysi on Donnerstag, 17. August 2017

#trending // Entertainment

YouTube hat ein Problem. Ein sehr nerviges Problem. Sucht man auf der Video-Plattform nach einem x-beliebigen Konzert, so stößt man seit bestimmt einem Jahr erstmal auf viel Spam. Offenbar automatisiert werden da Bewegtbild-Sequenzen gepostet, die keinen Inhalt haben, aber behaupten, nach einem Klick auf einen in der Video-Beschreibung erwähnten Link einen Stream des gewünschten Konzertes sehen zu können. Dabei handelt es sich natürlich um Betrug, denn selbst bei Konzerten in kleinen Clubs, bei denen gar keine Kameras dabei waren, erscheinen bei einer YouTube-Suche erstmal zig Such-Ergebnisse mit solchem Spam. Offenbar werden die Posts automatisiert mit Hilfe von Konzert-Datenbanken produziert.

Entdeckt habe ich das am Donnerstag wieder einmal, als ich nachschaute, ob irgendjemand ein Handy-Video des Kettcar-Konzerts in Düsseldorf hochgeladen hatte. Hatte niemand. Aber dafür gab es 60 mal Pseudo-Stream-Spam. Ist mir völlig unverständlich, warum YouTube in so langer Zeit nichts gegen dieses bekannte Problem unternimmt.

#trending // Worldwide

Zynisch gesagt kam der Anschlag von Barcelona für Donald Trump wie gerufen. Endlich hat der US-Präsident, der weltweit so in der Kritik steht, weil er sich nicht genug vom rechtsradikalen Terror in seinem Land abgrenzt, ein anderes Thema: den islamistischen Terror in anderen Ländern. Sein Tweet zu dem Thema allerdings sorgt direkt für die nächsten Diskussionen.

Trump twitterte „Study what General Pershing of the United States did to terrorists when caught. There was no more Radical Islamic Terror for 35 years!“ und meint damit eine Legende um den U.S.-General John J. Pershing, der Trump zufolge islamistische Terroristen auf den Philippinen vor rund 100 Jahren mit Kugeln erschießen lassen haben soll, die vorher in Schweineblut getränkt wurden. Angebliche Folge: Kein islamistischer Terror mehr für die nächsten 35 Jahre. Die Legende erzählte Trump auch schon in seinem Wahlkampf.

Problem an der Sache: Die Legende ist falsch. In Trumps Sprache: „Fake News“. Die Fakten-Checker von Snopes haben sich schon vor fast 16 Jahren mit Pershing beschäftigt und lang und breit aufgeschrieben, dass die Gerüchte nicht stimmen. Trump wird das egal sein, denn auf Fakten hat er ja noch nie etwas gegeben in seiner eigenen Parallelwelt.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Welt – „Baden-Württemberg: Flüchtlinge machten offenbar mehrfach Urlaub in Heimatländern“ (36.400 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Welt – „Baden-Württemberg: Flüchtlinge machten offenbar mehrfach Urlaub in Heimatländern“ (2.100 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Süddeutsche Zeitung – „Ach, Leute!“

Google-SuchbegriffBarcelona (500.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteBertram Brenig(95.800 Abrufe)

Youtube-Video: Deine Wahl – „#DeineWahl – YouTuber fragen Angela Merkel | Mit Ischtar Isik, AlexiBexi, MrWissen2go, ItsColeslaw

Song (Spotify): Axwell Λ Ingrosso – „More Than You Know“ (356.200 Stream-Abrufe aus Deutschland am Dienstag)

Musik (Amazon): Eisbrecher – „Sturmfahrt – Limited Digipack“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Die Schöne und das Biest (Live-Action)“ (DVD)

Game (Amazon): „Uncharted: The Lost Legacy“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Corinna Wild – „A. i. O. – ALL IN ONE: Rezepte für den Thermomix“ (Taschenbuch)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

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Alle Kommentare

  1. Wenn Asylbewerber „offenbar mehrfach Urlaub in Heimatländern“ machten, wie es heißt, dann „bedient” dieses „Parade-Thema” nicht per se die „Ablehnung von Fremden” oder ein „Neid-Gefühl”.

    Der wenig informative, verlinkte „Welt”-Artikel nennt als Hauptreiseziele Syrien und den Irak. Das legt sehr wohl die Frage nahe, ob denn die Asylgründe von Flüchtlingen weiter bestehen, wenn ihre Heimat offenbar wieder unbeschadet besucht werden kann.

    Was solche (Mehrfach-)Trips kosten, wovon sie bezahlt werden, was die Leute dort wollen, wäre von der „Welt” oder anderen Blättern zu erklären. Genau das wüssten viele Leser gerne, genau das zu recherchieren, wäre Aufgabe der Presse, und weil es aber wie so oft keine Antworten gibt, tragen genau solche oberflächlichen Meldungen zum allgemeinen Medienverdruss bei. Die Leser bleiben auf ihre eigenen Spekulationen angewiesen, und die werden ihnen ggf. als Xenophobie ausgelegt.

    PS: In Bezug auf Barcelona von „trending” zu sprechen, naja … muss ja alles immer schnellschnell gehen, nicht wahr?

    1. Zur Stunde gibt SpOn Teilentwarnung: „Innenministerium hat keine Belege für Erholungsreisen von Flüchtlingen“, heißt die Überschrift, aber der Bericht bestätigt in seiner Wirrnis nur das weiter oben Gesagte.

      Leute fahren nach Hause, so viel steht fest, keine Ahnung warum, die Behörden haben gar nicht danach gefragt, und SpOn weiß „durch Zufall von einer Frau, die ihren sterbenskranken Vater im Irak besuchen will“.

      „In den einschlägigen Kreisen wird so etwas (gemeint ist die Welt-Meldung) natürlich dankbar aufgenommen“, schreibt SpOn. Man selber steht natürlich klüger da: weil man doch durch Zufall von einer Frau etwas erfahren hat …

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