Anzeige

Schabirosky zur Rolle der Medien bei Maschmeyer-Kampagne: „Die wollten sich ihre Story nicht kaputtmachen lassen“

Autor Stefan Schabirosky, Maschmeyer-Buch: „Lernte vom Journalisten, dass eine anonyme Strafanzeige gegen den AWD Wunder wirken würde“
Autor Stefan Schabirosky, Maschmeyer-Buch: "Lernte vom Journalisten, dass eine anonyme Strafanzeige gegen den AWD Wunder wirken würde"

Seit Tagen beherrscht Stefan Schabirosky die Medien-Debatten. In seinem Buch "Mein Auftrag: Rufmord" behauptet er, im Auftrag eines Versicherungskonzerns eine Rufmord-Kampagne gegen den Unternehmer Carsten Maschmeyer organisiert und Berichte in Leitmedien lanciert zu haben. Über seine Erfahrungen mit den Investigativ-Reportern berichtet der 46-Jährige im Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt.

Anzeige
Anzeige

Es ist eine orchestrierte PR-Kampagne für ein Enthüllungs-Buch: Am Sonntag und Montag druckten die Welt am Sonntag und das Handelsblatt erste Auszüge aus dem Buch, das am Mittwoch dieser Woche erscheint. Am heutigen Dienstag legt Schabirosky noch einmal nach und stellt sich den Fragen des stellvertretenden Handelsblatt-Chefredakteurs Thomas Tuma. Trotz dieses offensichtlichen Kommunikationsfahrplans bliebt es doch für die Medienbranche hoch spannend zu lesen, was der Finanzberater aus Hamburg zu sagen hat. Interessant auch deshalb, weil mehrere Medien sich in ersten Reaktionen gegen den Verdacht der Vereinnahmung durch den Whistleblower verwahrt hatten.

Schabirosky ist ein seltsamer Ankläger, dessen Leumund nicht gerade der beste scheint: Im Gespräch mit dem Handelsblatt zeigt sich schnell, dass Schabirosky bereits mehrfach mit Gesetzen in Konflikte geriet. So wurde er beispielsweise 2004 zu sechs Monaten auf Bewährung wegen Erpressung verurteilt.

Dies hielt den heute 46-Jährigen jedoch nicht davon ab, über Jahre hinweg Carsten Maschmeyer und dessen AWD zu attackieren. Ein Racheakt, weil er zuvor im Unfrieden aus dem Unternehmen ausgeschieden war. Das Brisante an der von ihm betriebenen Kampagne: Nach Darstellung von Schabirosky wurde sein Medien-Feldzug von einem Wettbewerber Maschmeyers finanziert, dem Versicherungskonzern DVAG (was dieser freilich energisch bestreitet). Wie der rachsüchtige Ex-Angestellte dabei vorging? Erst habe er eine Homepage eingerichtet, sagt Schabirosky dem Handelsblatt, die „die AWD als Verbrecherbude darstellte“. Zudem mobilisierte er nach eigenen Angaben Anlegeranwälte und verteilte CDs mit Insidermaterial. „Ich habe vieles so fingiert, dass aus harmlosen Infos Skandalnachrichten wurden, zum Beispiel die angebliche Verschuldung vieler AWD-Vertriebler beim eigenen Unternehmen. Der AWD sollte sich wie von einem Kraken stetig aus unterschiedlichsten Ecken angegriffen fühlen. Und schließlich und vor allem habe ich versucht, kritische Berichte in den Medien unterzubringen.“

Bei dieser Strategie spielten offenbar reichweitenstarke Leitmedien eine besondere Rolle. Allerdings sei es – zumindest am Anfang – nicht ganz so einfach gewesen, die Medien ins Boot zu holen. „Es dauerte über acht Monate, bis die Süddeutsche Zeitung als erstes Medium anbiss“, erzählt Schabirosky im Handelsblatt. „Dabei lernte ich von dem Journalisten auch, dass eine anonyme Strafanzeige gegen den AWD Wunder wirken würde. Mit einem guten Hamburger Anwalt war diese Anzeige schnell bei der Finanzaufsicht Bafin eingereicht. Dann brachen bei anderen Medien schnell alle Dämme.“

Der Finanzberater war selbst überrascht, wie einfach es gewesen war, seine Informationen in den Medien wie der SZ oder dem NDR zu platzieren: „Da habe ich eine Meute entfesselt.“ Zudem hätten die Journalisten oft auch nicht „so genau hingeschaut“.

Eine Darstellung, der sowohl SZ, stern und auch der NDR widersprechen. Sie sagen, dass sie ihre AWD-Berichte stets auf mehrere Quellen gestützt hätten. „Eindeutig ist festzuhalten, dass die Kernaussagen unserer Berichte über Maschmeyer und seinen AWD nicht widerlegt werden: Nämlich dass der ‚Drückerkönig‘ und sein Finanzdienst u.a. mit dem Verkauf kreditfinanzierter geschlossener Fonds tausende Menschen ins Unglück gestürzt haben“, heißt es beispielsweise in einer Erklärung von „Panorama“.

Anzeige

Auf MEEDIA-Anfrage antwortet eine Unternehmenssprecherin der SZ, dass man „die Vorwürfe des Herrn Schabirosky eingehend geprüft“ hätte. In den betreffenden Artikeln der Süddeutschen Zeitung werde „aus internen Papieren zitiert, die wir von mehreren Informanten erhalten haben“. Und: „Unsere Texte, in denen alle Beteiligten, auch der AWD, zu Wort kamen, haben dazu beigetragen, das System AWD aufzudecken.“

Der stern sagt dazu: „Die Vorstellung, Informanten könnten bei uns eine Berichterstattung veranlassen, ist naiv und falsch.“

Im Handelsblatt-Interview erhöht Schabirosky nun allerdings vor allem gegenüber dem NDR und dem Hamburger Nachrichtenmagazin den Druck. So erzählt der 46-Jährige, dass er sich beiden Medien gegenüber offenbart und versucht hätte, ihnen die Hintergründe seiner Rufmordkampagne sowie seine eigene Rolle näherzubringen. Beim stern hätten sie ihn aber nur „angeschaut wie ein Auto“, weil sie sich ihre „Story über Maschmeyer wohl nicht kaputtmachen lassen“ wollten. „Und der NDR, den ich diesbezüglich 2015 kontaktierte und dem ich dies sogar gemailt hatte, ging darauf auch nicht ein.“

Schabirosky, der noch immer in Hamburg als Finanzberater arbeitet, ist davon überzeugt, dass er mit seiner Rufmord-Kampagne „Herrn Maschmeyer und dem AWD den Blattschuss verpasst“ hat. Der Unternehmer hatte sich Ende 2007 von seinen AWD-Anteilen getrennt und die Firma an die Schweizer Swiss Life verkauft.

 

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Man wird doch seh rmißtrauisch gegenüber ndr, SZ und Spiegel. Hauptsache, man hat die Story, von wem auch immer.

  2. Solange der Mann nur erzählt, sind es Märchen. Denn die werden erzählt. Fakten werden berichtet oder dargestellt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*