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Stories, Marketing, Usability: Wie Facebook Snapchat langsam aber sicher aus dem Markt drängt

Evan Spiegel, CEO von Snapchat
Evan Spiegel, CEO von Snapchat

Auf einmal war da dieser kleine gelbe Geist: Von Teenies geliebt und von den über 30-Jährigen nicht verstanden, war Snapchat 2015 der Hype der Stunde. Alle sprachen über das soziale Netzwerk mit den sich selbst löschenden Fotos und alle wollten sie dabei sein, vor allem natürlich Medienmacher und Vermarkter. Zwei Jahre später ist Aufregung deutlich abgeflaut und die Stories-Funktion dank Facebook omnipräsent. Heißt es bald: R.I.P. Snapchat?

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Weniger als ein Jahr nach dem Start des Stories-Features konnte Instagram bereits enorme 250 Millionen Nutzer der neuen Funktion vermelden und zog damit glorreich am Konkurrenten Snapchat vorbei, der es Ende Juni 2017 lediglich nur mehr auf 166 Millionen Mitglieder brachte. Während die Zahlen bei Instagram weiter stark wachsen, flauen sie bei Snapchat zunehmend ab: Zwischen Anfang April und Ende Juni konnte Snapchat lediglich sieben Millionen neue täglich aktive Nutzer hinzugewinnen. Auch an der Wall Street fiel Snap Inc. bereits das zweite Mal durch und erreicht aktuell neue Allzeittiefs.

Bedeutet dies das Ende der einst so hoch gehandelten App? MEEDIA Gründe gesammelt, die für ein baldiges Ende von Snapchat sprechen:

Instagram hat jetzt (endlich!) Schönheitsfehler

Tatsächlich passt die Stories-Funktion überaus gut zu Instagram. Schließlich lebt das soziale Netzwerk von seiner Ästhetik und starken Bildsprache. Es liegt also auf der Hand, dass die Instagrammer ihre Profile mit Hilfe der Stories noch stärker als digitales Bewegtbild-Tagebuch nutzen. Gleichzeitig brechen die Stories mit der Schönheit des Netzwerkes und verleihen ihm endlich etwas Kanten, der ihm überaus gut tut. Zuletzt wurden Stimmen immer lauter, dass die heile Welt mit den sorgsam inszenierten Fotos von perfekten Wohnungen, schönen Menschen und gesundem Essen anfange, zu nerven. Durch die Stories mit ihren schnelleren Schnappschüssen und zumindest teilweise unbearbeiteten Momentaufnahmen wird hierzu ein Gegengewicht geschaffen.

Snapchat verliert sein Alleinstellungsmerkmal

Als Snapchat an den Start ging war es heiß und wild: So etwas hatte die digitale Welt vorher noch nicht gesehen. Und dazu auch noch das Attribut des „Sexting-Netzwerkes“, das ihm lange Zeit anhing. Doch Facebook spielt das ursprüngliche Alleinstellungsmerkmal des Dienstes mittlerweile gnadenlos aus und bombardiert seine Nutzer sowohl bei Facebook selbst, aber auch bei WhatsApp und vor allem Instagram mit der einst so aufregenden Stories-Funktion, bei der Videos und Bilder eines Tages automatisch zu einer „Story“ verbunden werden. Mit der Omnipräsenz wird die Story-Funktion belanglos, ja gar beliebig, und wirkt wie ein alter Hut. Was Snapchat zuletzt noch auszeichnete und von Instagram abhob, waren die witzigen Gesichtsfilter und Stimmenverzehrer. Doch auch diese sind mittlerweile bei Instagram zu finden. Zwar noch nicht in derselben Fülle wie beim Konkurrenten, doch es ist davon auszugehen, dass Facebook auch hier weiter aufrüstet.

Instagram ist leichter zu bedienen
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Es ist sehr aufwändig, bei Snapchat andere Nutzer zu finden: Man muss sie erst umständlich über den genauen Nutzernamen, einen Snapcode, Kontakte oder „In der Nähe“ finden und hinzufügen. Es ist nicht möglich, einfach nach dem Namen desjenigen zu suchen, dem gern folgen möchte. Umgekehrt ist es deshalb auch schwieriger als bei Instagram, seine Followerzahl zu erhöhen.

Celebrities und Influencer kehren Snapchat den Rücken

Für Influencer und Promis ist und bleibt Instagram als Vermarktungsplattform ideal: Sie haben dort sowieso schon mehrere 10.000 Follower und können ihre Fans – Stories sei Dank – ab sofort ganz leicht mit durch ihren Alltag nehmen. Gleichzeitig können sie trotzdem noch aufwändig inszenierte Fotos auf ihrem ‚normalen’ Profil posten, ohne dafür zwischen Snapchat und Instagram hin- und herwechseln zu müssen. Außerdem ist es ein Leichtes, ihre Seiten, Blogbeiträge oder Produkte in den Stories zu verlinken. Der Instagram-Algorithmus schlägt ihre Stories darüber hinaus auch denjenigen Nutzern vor, die ihnen noch nicht folgen, wodurch sie ihre Follower-Zahl leicht und kontinuierlich steigern können. Kein Wunder also, dass sie der Facebook-Tochter treu bleiben.

Marketingagenturen ziehen sich zurück

Wie CNBC berichtet, ziehen sich in den USA bereits immer mehr Vermarkter von Snapchat zurück, weil sie nicht mit einer „sterbenden Plattform“ in Verbindung gebracht werden wollen. Snapchat besitze keine Priorität mehr und Facebook biete bei Instagram bessere Tools für Agenturen. Auch sei es fürs Marketing überaus nachteilig, dass die Inhalte bei Snapchat derart schwer zu finden seien.

Die jungen Wilden allein können Snapchat nicht retten

Der große Vorteil von Snapchat bleibt nach wie vor die Anonymität, die vor allem viele junge Nutzer schätzen. Hier können sie ungehemmt, albern oder peinlich sein und einfach drauf los posten – in dem Wissen, dass einen eh nur die eigenen, einem bekannten Freunde sehen. Bei Instagram sieht das ganz anders aus: Hier haben auch die meisten Privatnutzer mehrere 100 Follower. Da überlegt sich mancher sicher dreimal, ob er die Kamera startet. Es ist also durchaus denkbar, dass die jungen Wilden dem Netzwerk treu bleiben. Doch können sie allein das Überleben des Netzwerkes sichern, wenn die wichtigen Player, wie Influencer, Medienmacher und Vermarkter, lieber drüben mit den großen Kindern spielen? Es darf bezweifelt werden.

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