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Ende einer „Doping-Affäre“: ARD und Mehmet Scholl gehen getrennte Wege

ARD-Experte Mehmet Scholl
ARD-Experte Mehmet Scholl

Gerade erst lobte die ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky noch „die Ecken und Kanten“ von Mehmet Scholl, doch jetzt einigten sich ARD und Scholl auf eine Vertragsauflösung – noch vor dem ersten TV-Einsatz der neuen Saison. Auslöser der Scheidung war wohl Scholls Versuch, während der Übertragung des Confed-Cup-Halbfinals einen Doping-Bericht zu verhindern und sein anschließender Abgang aus dem Studio.

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Der Ex-Kicker verließ das Studio und reiste ab, nachdem die ARD sich geweigert hatte, einen TV-Beitrag über Dopingvorwürfe im Fußball aus dem Programm zu nehmen. Nach mehreren Aussprachen schien das Verhältnis zwischen ARD und Scholl wieder gekittet. Doch dann schilderte der Münchner am Wochenende in seiner Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ noch einmal den Fall aus seiner Sicht. Dabei wurde deutlich, dass der Scholl versucht hatte, auf das Programm Einfluss zu nehmen. Laut Programmplan habe die Vorberichterstattung zu der Halbfinal-Partie mit einer fünf Jahre alten Doping-Enthüllung aus Russland beginnen sollen, so Scholl. Er, Scholl, habe das nicht für relevant gehalten und gesagt: „Ich möchte, dass diese Story für diesen schönen Tag draußen bleibt. Da haben die gesagt, die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da habe ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen.“

In der ARD empfand man das als Amaßung. Ein TV-Experte, der Einfluss auf das Programm nehmen will? Eigentlich ein Unding. Daraufhin waren die meisten Beobachter davon überzeugt, dass Scholl immer noch nicht verstanden hatte, wo das Problem lag. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky redet seinen Star-Experten noch einmal via dpa ins Gewissen: „Wir schätzen und mögen Mehmet Scholl mit seinen Ecken und Kanten. Mehmet ist uns sehr wichtig.“ Offenbar hatte Balkausky aber auch ein klärendes Gespräch mit dem Fußball-Experten für nötig befunden: „Wir haben ganz klar abgesprochen, wie die Regularien sind.“ Die Redaktionen sei „für den Inhalt zuständig, die Experten für die Meinung“, betonte Balkausky. „Er muss den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren.“ Scholl habe zugesagt, „dass das nicht wieder passieren wird“.

Offenbar ließen sich die Differenzen dann aber doch nicht mehr kitten. Am heutigen Donnerstag folgt nun via Pressemitteilung die Verkündung der Vertragsauflösung. Sie zitiert Scholl mit dem dürren Satz: „Ich bedanke mich für tolle und ereignisreiche Jahre als Experte bei der ARD, es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.“

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Balkausky erklärt: „Wir bedanken uns bei Mehmet Scholl für die großartige Zeit mit einem meinungsstarken, streitbaren und originellen Experten, der unsere Sendungen extrem bereichert hat. Er hat den Zuschauern einen tiefen Einblick in den Fußball ermöglicht und sie bestens unterhalten.“

Damit beendet die ARD die Zusammenarbeit noch vor dem ersten neuen Saisoneinsatz des TV-Fußball-Erklärers. Während der Übertragung der DFB-Pokal-Partie zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC sollte der Ex-Profi am kommenden Montag wieder im mobilen Studio stehen. Seinen Platz wird nun ein anderer Einnehmen. Während des Confed-Cups war Thomas Hitzlsperger eingesprungen.

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