Disney beendet Partnerschaft mit Netflix – und kündigt eigenen Streaming-Dienst an

Netflix und Disney: Nach Übernahme-Spekulationen folgt nun der Streaming-Wettkampf
Netflix und Disney: Nach Übernahme-Spekulationen folgt nun der Streaming-Wettkampf

Paukenschlag nach Handelsschluss: Netflix verliert seinen wahrscheinlich wichtigsten Content-Lieferanten. Disney, das seine Filme und Serien bislang exklusiv an Netflix vertrieben hat, beendet die Content-Partnerschaft ab 2019, wenn keine neuen Filme von Disney und Pixar mehr beim Streamingpionier zu sehen sein werden. Der Grund: Disney startet im übernächsten Jahr selbst ein Streaming-Angebot und hat dafür die Mehrheit an BAMTech erworben.

Anzeige

Die Gerüchte hielten sich über Monate hartnäckig. Disney, der wertvollste Medienkonzern der Welt, könnte nach dem aufstrebenden Streaming-Pionier Netflix greifen, um seine Transformation zum Vorzeige-Medienunternehmen des 21. Jahrhunderts zu beschleunigen.

Ein offizielles Gebot gab Disney nie ab – und bald war klar: Der Deal wäre kaum zu bezahlen. Auf zweitweise über 80 Milliarden Dollar ist Netflix‘ Börsenwert inzwischen angewachsen; es gibt Analysten, die bereits Bewertungen von 100 Milliarden Dollar für möglich halten.

Netflix‘ Bibliothek ist auch prall mit zugekauften Produktionen gefüllt

Von Quartal zu Quartal wird Netflix dank seines explosiven Abonnentenwachstums wertvoller – 104 Millionen Menschen zahlen bereits mindestens 8 Euro im Monat, um Serien wie „House of Cards“, „Bloodline“ oder „Orange is the New Black“ genießen zu können.

Doch obwohl Netflix in diesem Jahr allein 6 Milliarden Dollar für seine Eigenproduktionen ausgeben will, besteht das in Deutschland rund 1800 Filme und Serien umfassende Angebot (in den USA bietet Netflix bereits über 6000 Filme und Serien an) natürlich nicht nur aus Original Content, sondern auch eingekauftem Material.

Disney zieht den Stecker: Ab 2019 keine neuen Disney-Filme mehr bei Netflix

Zu den größten Content-Lieferanten zählt seit 2012 auch Disney, das aktuell fast 100 Titel in der deutschen Netflix-Bibliothek anbietet, darunter Klassiker wie „Der König der Löwen“,  „Cinderella“ und „Toy Story“. Doch neue Disney-Produktionen wird es bald nicht mehr bei Netflix zu sehen geben: 2019 läuft die exklusive Content-Kooperation mit Disney aus, wie der wertvollste Medienkonzern der Welt nach Handelsschluss mitteilte.

Der Grund: Disney hat offenbar selbst erkannt, wie wichtig ein eigenes Streaming-Angebot ist und sicherte sich daher die Mehrheit an BAMTech, dem Streaming-Dienst der MLB. Gleichzeitig unterstreicht Disney damit seine Ambitionen: Ab 2019 soll nämlich ein eigener Streaming-Dienst starten, bei dem die Inhalte der Marke Disney und Pixar exklusiv zu sehen sein werden; Filme von der Disney-Marke Marvel sollen dagegen weiter bei Netflix abrufbar sein.

Netflix-Aktien unter Druck, Disney-Bilanz enttäuschend

Für Netflix ist das eine schlechte Nachricht: Der Streaming-Pionier muss künftig auf wertvolle Inhalte verzichten und sich mit Disney auf einen neuen Rivalen einstellen. Entsprechend reflexartig schickten Anleger die zuletzt heißgelaufenen Netflix-Aktien im nachbörslichen Handel um mehr als dreiProzent nach unten.

Dass der US-Mediengigant einen neuen Vertriebskanal nötig hat, dokumentierten die nach Handelsschluss vorlegten Geschäftszahlen für das abgelaufene Juni-Quartal: Disney musste einen marginalen Erlösrückgang auf 14,24 Milliarden Dollar und einen Gewinneinbruch von 9 Prozent auf 2,37 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Anzeige
Anzeige
Anzeige